Nach Defekt bei Oliveira: Michelin ändert Reifenauswahl für Spielberg 2

Nach einem Reifendefekt bei Miguel Oliveira im ersten von zwei MotoGP-Rennen in Spielberg zieht Michelin die Notbremse und ändert den harten Vorderreifen

Nach Defekt bei Oliveira: Michelin ändert Reifenauswahl für Spielberg 2

Nach dem Grand Prix der Steiermark in Spielberg gaben mehrere Fahrer an, Probleme mit den Michelin-Reifen gehabt zu haben - allen voran Miguel Oliveira. Der KTM-Pilot musste sein Rennen nach 14 Runden vorzeitig aufgeben, weil sich ein Teil der Lauffläche seines harten Vorderreifens gelöst hatte.

Pecco Bagnaia (Ducati), Marc Marquez (Honda) und Luca Marini (Avintia-Ducati) klagten wiederum über einen plötzlichen Gripverlust am Hinterrad, der beim Neustart nach der roten Flagge auftrat. Das erste Rennen war aufgrund eines Unfalls von Dani Pedrosa (KTM) und Lorenzo Savadori (Aprilia) abgebrochen worden.

Michelin hat alle gesammelten Daten analysiert, um den Problemen auf den Grund zu gehen, und für das zweite Spielberg-Rennen der MotoGP am kommenden Wochenende eine Änderung angekündigt. Es soll einen neuen Vorderreifen geben.

Taramasso erklärt die Entscheidung von Michelin

"Wir haben die Entscheidung getroffen, die Allokation für das nächste Wochenende in Österreich zu ändern. Der harte Vorderreifen wird nicht mehr der sein, den es beim ersten Rennen gab, sondern es wird eine neue Spezifikation, die etwas steifer ist", erklärt Piero Taramasso gegenüber den italienischen Kollegen von 'Motorsport.com'.

Die Teams seien mit dieser neuen Spezifikation aber bereits vertraut, "weil sie vor zwei Jahren auf dem Red Bull Ring zur Verfügung stand". Sie soll den harten Vorderreifen ersetzen, mit dem Oliveira im Rennen ein Problem hatte und "dessen Profil sich an zwei Stellen ablöste", bestätigt Taramasso den Reifendefekt.

"Die Analyse der Daten und des Reifens geht weiter, aber mit den Daten, die wir im Moment haben, können wir nicht ausschließen, dass es einen zweiten Reifen gibt, der das gleiche Problem haben könnte. Wir können nicht zu 100 Prozent sicher sein, dass alle anderen Reifen in Ordnung sind, also ziehen wir es vor, zu wechseln."

Bei Oliveira "fehlten zwei Stücke in der Lauffläche"

Vor dieser Entscheidung hatte Taramasso im exklusiven Interview mit 'Motorsport.com' analysiert: "Während des Wochenendes wurden viele harte Vorderreifen von verschiedenen Fahrern auf verschiedenen Motorrädern verwendet, und es gibt auch einige, die sie im Rennen mit gutem Feedback montiert haben."

"Offensichtlich gab es aber ein Problem mit Miguels Reifen. Im Moment kann ich sagen, dass es kein Problem mit der Struktur gab, aber es fehlten zwei Stücke in der Lauffläche der Mischung. Jetzt analysieren wir sowohl diesen speziellen Gummi als auch alle Gebrauchsparameter, um zu verstehen, woher das Problem kommt."

Angesprochen auf die Gripprobleme von Bagnaia und Co. sagt der Michelin-Experte: "Um mit Sicherheit sagen zu können, ob es am Reifen lag, müssen wir alle Daten abwarten, denn wir wissen, dass es auch Änderungen an den Motorrädern gab."

Bagnaia plötzlich deutlicher langsamer als zuvor

"Pecco war sehr korrekt, denn er hat nur gesagt, was er auf dem Motorrad empfunden hat, und wartete darauf, alle Daten zu kennen, um Schlussfolgerungen zu ziehen. Wenn wir feststellen sollten, dass es der Fehler des Reifens war, werden wir uns nicht verstecken, denn das ist eine Sache, die passieren kann."

Obwohl Bagnaia für den Neustart die gleiche Mischung am Hinterrad wählte, war er damit deutlich langsamer als im ersten Rennen. "Wenn wir uns seine Zeiten anschauen, hat er recht: Er fuhr viele Runden im 1:25er-Bereich, während er zuvor in der Lage war, 1:24er-Runden zu fahren", hält Taramasso den Formverlust fest.

Ähnlich erging es Marc Marquez. "Er gehört auch nicht zu denen, die sich leichtfertig beschweren. Er ist einer, der nie nach Ausreden sucht. Ein paar Mal hat er uns gesagt, dass ein Reifen nicht in Ordnung ist, und oft hatte er recht", weiß Taramasso.

Michelin-Experte: Risiko für faule Reifen immer da

"Wir haben ein offenes Gespräch mit ihnen und mit den Teams. Wir wollen einfach alles bestmöglich analysieren, bevor wir sagen können, ob es der Fehler der Reifen war oder nicht." Ein gewisses Restrisiko, dass auch mal ein fauler Reifen dabei ist, bestehe immer, räumt der Motorsportchef von Michelin offen ein.

"Ich habe nie geleugnet, dass es bei einem industriellen Prozess eine gewisse Streuung geben kann, und dass deshalb auch ein Reifen unter Tausenden schiefgehen kann", sagt Taramasso. Das kann man nie ganz ausschließen. Wir führen viele Qualitätskontrollen durch, aber am Ende gibt es immer einen, der 'durchgeht'."

"Es ist ein Phänomen, das immer seltener vorkommt, aber es kann vorkommen. Es war nicht das erste Mal und es wird nicht das letzte Mal sein. Aber wir tun immer unser Bestes, um die Situation zu kontrollieren. Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich um MotoGP-Reifen handelt, die, wie alles in dieser Kategorie, am Limit arbeiten."

Gerade weil dieser Grat so schmal ist, könne es aber auch vorkommen, dass ein Reifen perfekt oder gar nicht funktioniert, ohne dass er versagt hat. "Außerdem denke ich, dass die Situation auf dem Red Bull Ring mit dieser Art von Konstruktion und den niedrigen Temperaturen noch schwieriger ist als auf anderen Strecken."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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