Randy Mamola: Warum Valentino Rossi seine Manieren hinterfragen muss

Randy Mamola schreibt in seiner neuen Kolumne für Motorsport.com über Valentino Rossis Verhaltensweisen auf und neben der Strecke und er fordert eine Veränderung vom Italiener.

Am Freitag informierte uns der Motorrad-Weltverband (FIM), dass den MotoGP-Teams über die Teamvereinigung IRTA eine Warnung ausgesprochen wurde. Beleidigende Gesten und respektlose Verhaltensweisen sind nicht im Sinne der Weltmeisterschaft und sind zu vermeiden. Die MotoGP-Führung behält sich das Recht vor, Strafen auszusprechen, wenn diese Regeln nicht eingehalten werden.

Rossis Stinkefinger für Aleix Espargaro

Während des Grand Prix von San Marino in Misano wurde eine solche Botschaft auf den TV-Bildschirmen übertragen. Valentino Rossi zeigte Aleix Espargaro den gestreckten Mittelfinger, nachdem der Spanier langsam auf dem von tausenden Fans aus Tavullia gesäumten Marco Simoncelli Circuit unterwegs war. Das Publikum wurde von Rossis Geste wahrscheinlich angestachelt. Gleichzeitig war diese Geste der Anlass dafür, dass die FIM einschritt und das finde ich gut.

Wer sich regelmäßig im Fahrerlager aufhält, vergisst schon mal, dass die Rennen von Millionen von Menschen im Fernsehen verfolgt werden. Ich finde aber nicht, dass es zu viel verlangt ist, von den Fahrern zu erwarten, dass sich dessen immer bewusst sind. Das ist nicht immer einfach, gerade jetzt, da die Spannungen zwischen einigen Fahrern so groß wie nie sind. Ich bin aber überzeugt, dass sich die neuen Verhaltensregeln positiv auswirken werden auf den Sport, den wir alle so lieben.

Man muss aufpassen, denn es besteht die Gefahr eines großen Imageschadens. Nicolo Bulega war am Samstag der 1. Fahrer, der bestraft wurde. 300 Euro musste der junge Italiener für eine vergleichbare Geste zahlen, wie er sie 2 Wochen zuvor vom Boss seines Teams VR46 gesehen hatte. Das Image, wie ein junger Fahrer einem anderen Fahrer den Vogel zeigt, ist noch schädlicher als es im Falle von Valentino gegenüber Aleix der Fall war.

Vor dem Hintergrund der kontroversen MotoGP-Saison 2015 wurden die Fans angehalten, sich an der Rennstrecke zivilisiert und respektvoll zu verhalten. Respektlose Gesten wie Buhrufe sind zu vermeiden. Wir können so etwas aber nicht von den Leuten verlangen, wenn wir nicht selbst mit gutem Beispiel vorangehen.

Rossis Manieren bei Pressekonferenzen

Damit komme ich zum nächsten großen Diskussionspunkt, den der Grand Prix von San Marino hervorgebracht hat: das Wortgefecht zwischen Valentino Rossi und Jorge Lorenzo bei der Pressekonferenz nach dem Rennen. Was dort passierte, ist einfach nur die Bestätigung einer Tatsache. Es ist für diese beiden Fahrer unmöglich, weiterhin im selben Team zu fahren. Aus diesem Grund finde ich es gut, dass sich die Wege von Rossi und Lorenzo im nächsten Jahr trennen werden.

In diesem Fall steht die MotoGP-Szene vor einem anderen Problem, das wiederum ein anderes Vorgehen der Organisatoren erfordert. Ich rede vom Verhalten der Fahrer bei öffentlichen Auftritten, die live übertragen werden. Lorenzo wies in Misano explizit auf Rossis mangelnde Manieren hin: Der Italiener neigt dazu, sich mit wem auch immer zu unterhalten, während ein anderer an der Reihe ist, Fragen zu beantworten.

Rossis Verhalten führt dazu, dass sich die Fotografen auf ihn konzentrieren. Es ist klar, dass dies allein schon aufgrund der Geräuschkulisse denjenigen verärgert, der gerade Fragen beantwortet. Casey Stoner brach seine Ausführungen einmal mitten im Satz ab und starrte Rossi solange an, bis dieser den Mund hielt. Erst dann redete Stoner weiter.

Wie in so vielen anderen Bereichen der MotoGP-Szene liegt das Problem darin, jemanden zu finden, der gewillt ist, sich auf eine Konfrontation mit Valentino einzulassen. Es braucht jemanden, der ihm das sagt, was Kinder bereits im Kindergarten gesagt bekommen: Wenn jemand spricht, ist ein Unterbrechen – und sei es nur ein lockeres Geplauder – einfach unanständig.

Euer
Randy Mamola

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