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Rauswurf per E-Mail: Karel Abraham von Avintia mehr als enttäuscht

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Rauswurf per E-Mail: Karel Abraham von Avintia mehr als enttäuscht
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25.11.2019, 13:41

In einer E-Mail in spanischer Sprache erfährt Karel Abraham von der überraschenden Vertragsauflösung - Am Avintia-Team lässt der Tscheche kein gutes Haar

Karel Abraham hat seinen Platz im Avintia-Team verloren. Der Tscheche wird 2020 nicht mehr MotoGP fahren und womöglich ist auch seine Rennkarriere vorbei, denn auch in der Moto2 und in der Superbike-WM sind praktisch alle Plätze belegt. "So wie viele Leute davon überrascht waren, war ich auch überrascht, denn ich habe das überhaupt nicht erwartet", wird Abraham von 'MotoMatters.com' zitiert.

Vergangene Woche bestätigte der 29-Jährige beim Valencia-Test zwar, dass er mit dem Avintia-Team noch Vertragsdetails für das nächste Jahr bespricht, aber prinzipiell hat man einen gültigen Vertrag. Abraham ging auch davon aus, dass er Anfang dieser Woche (Montag, Dienstag) in Jerez testen wird. Aber es sitzt Eric Granado, der MotoE-Fahrer von Avintia, auf der Ducati.

"Freitagabend öffnete ich meine E-Mails und erhielt eine Nachricht von einem Notar. Sie war komplett in Spanisch und nicht in Englisch oder Tschechisch", berichtet Abraham. Als er den Text durch ein Übersetzungsprogramm laufen ließ, stellte sich heraus, dass es sich um das Kündigungsschreiben handelte.

Sportdirektor Ruben Xaus spricht nicht persönlich mit Abraham

Also setzte sich Abraham mit Ruben Xaus in Verbindung, der Sportdirektor von Avintia ist. "Wir texteten ihm mehrmals, erhielten aber keine Antwort. Am Samstag schrieb ich ihm dann wieder. 'Hey Ruben, du hast mir diese spanische E-Mail geschickt. Ich verstehe sie nicht. Morgen breche ich nach Jerez auf. Soll ich nach Jerez fahren oder nicht?"

Ruben Xaus

Ex-Rennfahrer Ruben Xaus (re.) hier im Bild mit Xavier Simeon

Foto: LAT

Schließlich meldete sich Xaus doch bei Abraham und sandte eine Kurznachricht: "Korrekt, das ist die Auflösung des Vertrages. Komm nicht nach Jerez und hör auf mit mir zu kommunizieren." Abraham reiste trotzdem nach Jerez, denn im Teamtruck hatte er noch einige persönliche Gegenstände, die er einsammelte.

Bei Gesprächen im Laufe des Valencia-Tests hatte Abraham noch die Zusage erhalten, dass er der Fahrer für das nächste Jahr ist. Dass dann nur wenige Tage später die Vertragsauflösung per E-Mail kommt und Xaus nicht mit ihm persönlich gesprochen hat, stößt Abraham sauer auf. "Ich bin enttäuscht, weil er immer ein freundlicher Kerl war. In Australien haben wir viel Zeit gemeinsam verbracht."

Und dann kam die Textnachricht von Xaus, dass sich Abraham nicht mehr bei ihm melden soll. "Ich dachte mir, meinst du das ernst? Du trittst mir nach der Saison in den Arsch, obwohl wir einen Vertrag haben, und sprichst nicht mit mir?", ärgert sich Abraham. "Irgendjemand hätte zum Telefon greifen können und sagen können: 'Hey Karel, so ist die Situation.' Aber sie haben nichts gesagt."

Abraham hält fest: Saison 2019 war komplett bezahlt

Avintia ist das kleinste Team im MotoGP-Fahrerlager. Sowohl Tito Rabat als auch Abraham mussten für ihren Platz Geld mitbringen. Hinter den Kulissen gab es im Laufe der Saison immer wieder Ungereimtheiten. Als Alex Marquez im Sommer ins Spiel gebracht wurde, hieß es, dass der Verbleib von Rabat nicht sicher sei, obwohl man mit dem ehemaligen Moto2-Weltmeister einen neuen Zweijahresvertrag geschlossen hat.

Karel Abraham

Bei sechs Rennen fuhr Karel Abraham in diesem Jahr in die WM-Punkteränge

Foto: LAT

Dann gab es Gespräche, dass man für Rabat ab 2020 eine aktuelle Ducati bekommen möchte. Ducati wusste davon nichts. Avintia wird im nächsten Jahr zwei Motorräder Jahrgang 2019 zur Verfügung haben. Laut Abraham fehlte in Sepang plötzlich sein Öhlins-Techniker. Und in Malaysia wurde auch seinem Crew-Chief Paolo Zavalloni überraschend mitgeteilt, dass für ihn im nächsten Jahr kein Platz mehr ist.

Nun traf es auch Abraham. Die Auflösung des Vertrages soll damit begründet sein, dass Zahlungen ausgeblieben sind. "Das ist nur zur Hälfte richtig", so der Tscheche bei 'MotoMatters.com'. "Das nennen sie für meinen Rausschmiss als Grund, aber wir haben 2019 alles bezahlt. Es gab Zahlungen, die schon für 2020 gedacht waren, aber diese haben wir aufgeschoben. Wir sprechen von Tagen, nicht von Monaten. Wir schoben sie auf, weil wir Zweifel bezüglich ein paar Dingen im Team hatten."

Johann Zarco der Favorit auf den Avintia-Platz

Unter anderem wollte Abraham die Situation rund um den Öhlins-Techniker geklärt haben. In Malaysia und Valencia gab es Treffen mit den Verantwortlichen des Teams, um diese Details für die Zukunft zu klären. "In Valencia waren wir uns einig. Wir wollten noch Kleinigkeiten ändern, also schickten wir ihnen Vorschläge. Aber wir erhielten keine Antwort, bis die Auflösung des Vertrages kam", so Abraham.

Johann Zarco

Womöglich übernimmt Johann Zarco den Platz bei Avintia-Ducati

Foto: LAT

Enttäuscht ist der 29-Jährige in erster Linie darüber, wie diese Situation von Avintia-Seite abgelaufen ist. Ob es das endgültige Ende der Rennkarriere bedeutet, ist noch offen. Im Grand-Prix-Fahrerlager wird Abraham im nächsten Jahr nicht mehr vertreten sein. Und auch ein Wechsel in die Superbike-WM ist sehr unwahrscheinlich. Seine einzige Saison dort (2016) war enttäuschend verlaufen.

Insgesamt hat Abraham 214 Grands Prix bestritten. Von 2011 bis 2019 trat er mit Ausnahme von 2016 in der Königsklasse an. Seinen einzigen GP-Sieg feierte er im Jahr 2010 beim Moto2-Saisonfinale in Valencia. Aller Voraussicht nach wird Johann Zarco im nächsten Jahr für Avintia fahren. Granado darf als Belohnung für seine MotoE-Erfolge die beiden Testtage in Jerez bestreiten.

Mit Bildmaterial von LAT.

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Rennserie MotoGP
Autor Gerald Dirnbeck