"Referenz wieder da": MotoGP-Kollegen äußern sich zu Marc Marquez' Comeback

Was Valentino Rossi und Co. von Marc Marquez bei dessen MotoGP-Rückkehr nach fast neun Monaten Pause erwarten - Einer sieht ihn nicht auf Favoriten-Level

"Referenz wieder da": MotoGP-Kollegen äußern sich zu Marc Marquez' Comeback

Dem MotoGP-Comeback von Marc Marquez steht nach fast neunmonatiger Verletzungspause nichts mehr im Weg. Am Donnerstag hat der Honda-Werkspilot in Portimao den Fitnesstest bestanden. Somit wird er am Freitagvormittag anlässlich des ersten Freien Trainings zum Grand Prix von Portugal (für das Regen angekündigt ist) erstmals seit dem 25. Juli 2020 wieder auf der RC213V sitzen.

An jenem 25. Juli musste Marquez am damals zweiten Jerez-Wochenende der MotoGP-Saison 2020 sein Comeback abblasen, das er nur wenige Tage nach der ersten von letzten Endes drei Operationen an seinem gebrochenen rechten Oberarm geben wollte. Den Bruch des Oberarms hatte sich Marquez beim Start im ersten Jerez-Rennen am 19. Juli 2020 zugezogen.

In Portimao gibt Marquez nun am dritten Rennwochenende der MotoGP-Saison 2021 sein Comeback. Dass der sechsmalige MotoGP-Weltmeister zum letzten Mal ein Rennen beendet hat (Valencia 2019 als Sieger) liegt mittlerweile mehr als 500 Tage zurück. Und nachdem sich Marquez selbst bereits zum Comeback geäußert hat, reagieren nun auch seine MotoGP-Kollegen darauf.

Teamkollege Espargaro: Marquez' Rückkehr wichtig für Honda

"Es ist ziemlich emotional, ihn wieder hier zu haben. Und für die Show ist es großartig", sagt etwa Marquez' diesjähriger Honda-Teamkollege Pol Espargaro. Als Teamgefährte verspricht sich Espargaro von Marquez' Rückkehr aber nicht nur bezogen auf die Show, sondern auch bezogen auf die Performance der 2021er-Honda einiges.

Marc Marquez, Pol Espargaro

Pol Espargaro freut sich nicht zuletzt für Honda, dass Marquez wieder fährt

Foto: Honda

"Für Honda ist es zweifellos wichtig, dass Marc wieder da ist. Weil er voriges Jahr aussetzen musste, hat sich das Motorrad inzwischen ziemlich stark verändert im Vergleich zu der Zeit, als er es vor seiner Verletzung gefahren hat. Daher wird es interessant sein, die Bestätigung zu bekommen, dass es ein gutes Bike ist", erklärt Espargaro, der die RC213V erst seit ein paar Wochen kennt.

"Ich selber kann sie [die Bestätigung] nicht geben. Marc ist derjenige, der die Entwicklung des Bikes im Verlauf der vergangenen Jahre miterlebt hat. Er kennt das Bike seit neun Jahren mit all seinen Stärken und Schwächen. Aus diesem Grund ist es für uns alle [bei Honda] gut, dass er wieder da ist", sagt Espargaro und merkt an: "Für mich selber ist es insofern gut, weil ich dann etwas mehr Druck machen kann, in welchen Bereichen das Bike noch verbessert werden kann."

Marc Marquez auf der Honda RC213V-S

Marquez auf der RC213V-S, der MotoGP-Replika von Honda für die Straße

Foto: Repsol Media

Eines steht für Espargaro schon am Donnerstag in Portimao außer Frage. "Marc wird von Beginn an schnell sein. Daran habe ich keine Zweifel. Er hat ja erst kürzlich hier getestet. Wir alle gehen davon aus, dass er stark zurückkommt und uns zeigt, was er drauf hat", so der Honda-Neuzugang.

Mit "kürzlich hier getestet" spricht Espargaro auf Marquez' Portimao-Test an, der vor wenigen Wochen mit Hondas MotoGP-Replika für die Straße, der RC213V-S, über die Bühne ging.

Erzrivale Rossi "sehr gespannt" - Weltmeister Mir abwartend

Valentino Rossi

Valentino Rossi ist gespannt, wie sich Marquez beim Comeback präsentieren wird

Foto: Motorsport Images

Marquez' Erzrivale Valentino Rossi, seines Zeichens siebenmaliger Weltmeister der Königsklasse, kommentiert die Rückkehr des sechsmaligen Königsklassen-Weltmeisters mit den Worten: " Ich bin sehr gespannt. Jeder will verstehen, auf welchem Level er unterwegs sein wird. Ich jedenfalls glaube, dass er in großartiger Verfassung ist und er von morgen Vormittag an stark sein wird."

Weltmeister Joan Mir sieht das Marquez-Comeback relativ trocken. "In der langen Liste an Konkurrenten, die wir haben, ist er ein weiterer, aber sicherlich einer der stärksten. Warten wir mal ab, wie er sich auf dem Motorrad fühlt", so der Suzuki-Pilot.

Joan Mir

Joan Mir will abwarten, bis er Marquez und dessen Leistungsfähigkeit beurteilt

Foto: Motorsport Images

Mir hat übrigens seine eigene Theorie, weshalb Marquez die beiden Losail-Wochenenden in Katar zu Beginn der Saison noch ausgelassen hat und erst an diesem Wochenende in Portimao zurückkehrt.

"Ich kann mir vorstellen, dass er bis zu diesem Wochenende gewartet hat, um ein großartiges Comeback hinzulegen. Er wusste wohl, dass die Honda zu dieser Strecke hier sehr gut passt", meint Mir, merkt aber auch an: "Er hat wohl gewartet, bis er wieder bei 100 Prozent [Fitness] angelegt ist."

Rein sportlich betrachtet, sagt Mir als der Nachfolger von Marquez in der Rolle des MotoGP-Weltmeisters noch: "Jetzt, da Marc als Referenz wieder da ist, bietet sich für mich eine bessere Gelegenheit, von ihm zu lernen. Dass er wieder mitfährt, freut mich. Das ist der erste Schritt. Jetzt warten wir mal ab, wie konkurrenzfähig er sein wird."

WM-Spitzenreiter Zarco: Freude, dass Marquez' Zweifel weg sind

Johann Zarco, Marc Marquez

Johann Zarco: "Freue mich für ihn, dass er jetzt nicht mehr zweifeln muss."

Foto: Motorsport Images

Und Pramac-Ducati-Pilot Johann Zarco, der die aktuelle MotoGP-Gesamtwertung 2021 nach den beiden Katar-Rennen anführt, sagt zum Marquez-Comeback: "Es ist so gut, dass er zurück ist. Am wichtigsten ist es natürlich für Marc selber. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie sich jemand, der so viel Energie hat, fühlen muss, wenn er solange zu Hause sitzt."

"Ich glaube, die Fans sind sehr glücklich, dass er wieder da ist. Das Wichtigste ist aber ist sein eigenes Gefühl und die Schmetterlinge, die er im Bauch hat", sagt Zarco. Und mit Verweis auf die bei Marquez vorhanden gewesenen Zweifel, ob er seinen rechten Arm jemals wieder normal würde benutzen können, fügt Zarco hinzu: "Ich freue mich für ihn, dass er jetzt nicht mehr zweifeln muss."

Bisherige Saisonsieger Vinales und Quartararo: "Referenz wieder da"

Yamaha-Pilot Maverick Vinales, der beim Saisonauftakt siegreich war, sagt: "Für alle ist es wirklich toll, dass er wieder da ist. Ich mag mir als Fahrer gar nicht vorstellen wollen wie es ist, fast ein Jahr lang nicht fahren zu können. Aus diesem Grund freue ich mich sehr für ihn. Schließlich ist es das Motorradfahren, was uns Fahrern am meisten Spaß macht im Leben."

"Auf der Strecke mögen wir Rivalen sein", so Vinales, "aber abseits der Strecke kommen wir gut miteinander aus und können gemeinsam lachen. Darum geht es doch. Dass Marc als eine der Figuren in dieser Weltmeisterschaft jetzt wieder mit dabei ist, ist sehr wichtig. Ich freue mich wirklich für ihn."

Fabio Quartararo, Maverick Vinales

Die Yamaha-Werkspiloten Quartararo und Vinales haben ihre Messlatte wieder

Foto: Motorsport Images

Vinales' Teamkollege Fabio Quartararo, der das zweite Saisonrennen gewonnen hat, meint: "Großartig für ihn, dass er nach seiner so langen Pause jetzt wieder auf ein MotoGP-Bike springen kann. Auch für die Weltmeisterschaft ist es großartig. Es war schon seltsam, dass er als ein achtmaliger Weltmeister nahezu die gesamte Saison 2020 verpasst hat. Es ist toll für alle, dass er als die Referenz der vergangenen Jahre jetzt wieder da ist."

Rookie Martin glaubt: Marquez noch nicht auf Favoriten-Level

Jorge Martin

Jorge Martin erwartet nicht, dass Marquez direkt wieder der Alte sein wird

Foto: Motorsport Images

Und was sagt Jorge Martin, der vor zwei Wochen in Losail bei seinem zweiten MotoGP-Rennen direkt auf das Podium gefahren ist und damit für diese Errungenschaft nur ein Rennen länger gebraucht hat als Marquez selbst in seiner eigenen MotoGP-Rookie-Saison 2013?

"Wir befinden uns in einem Stadium der Saison, in dem die Favoriten schon seit geraumer Zeit trainiert haben und Rennen bestritten haben. Ob es die Leute hören wollen oder nicht, aber für Marc geht das jetzt erst los. Daher könnte es für ihn zu Beginn ein bisschen schwierig werden. Ich bin aber überzeugt, dass er schon bald wieder Rennen gewinnen wird", so Martin.

KTM-Pilot Miguel Oliveira ist für Marquez "in erster Linie froh, dass er nach einem so schrecklichen Unfall wieder ein gesunder Mensch ist und er jetzt wieder das tun kann, was er am liebsten tut, nämlich Motorradfahren". Und da der sechsmalige MotoGP-Weltmeister als "der Dominator vergangenen Jahre in dieser Klasse jetzt wieder da ist, sind wir alle noch ein bisschen mehr motiviert", sagt Oliveira.

Oliveiras Teamkollege Brad Binder stimmt zu: "Es ist cool, dass Marc wieder da ist. Er war ja fast ein Jahr weg, was eigentlich unglaublich ist. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie aufgeregt er sein muss, jetzt wieder fahren zu können. Großartig, dass der Champ wieder da ist. Ich freue mich schon darauf, die Strecke wieder mit ihm zu teilen."

Weiterer Co-Autor: Matteo Nugnes, Lewis Duncan. Mit Bildmaterial von Honda.

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