Rookie Darryn Binder nach Test mit MotoGP-"Biest": "Speed ist wahnwitzig"

Von der Moto3 in die MotoGP: Darryn Binder spürt trotz Kritik keinen Druck - Er lässt es langsam angehen und schildert seine Eindrücke - Highsider beim Jerez-Test

Rookie Darryn Binder nach Test mit MotoGP-"Biest": "Speed ist wahnwitzig"

Darryn Binder ist der erste Fahrer seit Jack Miller, der die Moto2-Klasse überspringt und direkt von der Moto3 in die Königsklasse wechselt. Der jüngere Bruder von KTM-Star Brad Binder fährt 2022 im Yamaha-Satellitenteam RNF eine M1 Jahrgang 2021.

An den beiden Testtagen in Jerez spulte Binder seine ersten Kilometer mit dem MotoGP-Bike ab. Er kam auf 104 Runden. Der einzige Zwischenfall war ein Highsider. Vom ersten auf den zweiten Tag steigerte sich Binder um zwei Sekunden. Am Ende fehlten drei Sekunden auf die Spitze.

Im Vorfeld hatte es Kritik an der Entscheidung gegeben, Binder von der Moto3 in die MotoGP zu holen. In sieben Moto3-Jahren eroberte er einen Sieg. Speziell nach dem Unfall in der letzten Runde in Portimao stand Binder im Kreuzfeuer.

Spürte der 23-Jährige deswegen vor seinem MotoGP-Debüt Druck? "Überhaupt nicht", entgegnet Binder. "Das Team hat mir sehr geholfen. Jeder ist super entspannt." Die beiden Testtage in Jerez waren in erster Linie ein erstes Kennenlernen.

Interessanter neuer Crewchief im RNF-Team

Mit der richtigen Arbeit wird dann im nächsten Jahr begonnen. Teammanager Wilco Zeelenberg hat für Binder eine teilweise neue Mannschaft zusammengestellt. Sein Crewchief ist Noe Herrera, der in der abgelaufenen Saison der Crewchief von Raul Fernandez in der Moto2 gewesen ist.

Darryn Binder

Darryn Binder muss auch sein neues Team kennenlernen

Foto: Motorsport Images

In der Moto3 durfte der 175 Zentimeter große Fahrer nicht zu schwer für die nur etwa 60 PS starken Motorräder werden. Nun muss Binder in der zweimonatigen Winterpause Muskelmasse aufbauen und körperlich stärker werden.

"Nach zwei Tagen auf diesem Biest habe ich das Gefühl, dass meine Arme länger geworden sind", sagt Binder und freut sich trotzdem über dieses Erlebnis: "Es waren zwei tolle Tage. Es wurde kontinuierlich besser."

"Für mich kam Weihnachten in diesem Jahr früher. Es war schon immer mein Traum, eines Tages MotoGP zu fahren. Es ist alles viel besser als ich mir ausgemalt habe. Der Speed ist wahnwitzig. Jerez ist eine relativ kleine Strecke. Man spürt die Geschwindigkeit. Ich habe es genossen."

Wie kann ihm Bruder Brad helfen?

"Ich gehe es Schritt für Schritt an und fühle mich jede Runde komfortabler. Es ging nur darum, Runden zu drehen und es zu genießen. Wir haben angefangen mit verschiedenen Reifen zu arbeiten und auch die Elektronik zu verstellen. Ich habe auch das Ride-Height-System verwendet."

Brad Binder, Darryn Binder

Brünn 2020: Darryn gratuliert Brad zum ersten MotoGP-Sieg

Foto: Motorsport Images

Wie kann ihm eigentlich Bruder Brad helfen? Müssen beide mit Details aufpassen, weil sie für unterschiedliche Marken fahren? "Er hat mich zum Beispiel vor den Reifen gewarnt", sagt Darryn Binder. "Ich glaube, dass alles so weitergeht wie immer."

"Sollte es etwas geben, dann wird mir mein Bruder helfen, damit ich auf Tempo komme. Als wir beim Abendessen waren, hat er gemeint, dass er von meiner Rundenzeit beeindruckt war. Ich habe ihm geantwortet, dass ich das nicht war", lacht der jüngere Binder.

Ein Highsider wegen zu kalter Reifen

Reifen sind ein wichtiges Thema, das der MotoGP-Rookie am zweiten Tag hautnah erlebte. Binder war gegen Mittag in einer Aufwärmrunde per Highsider abgeflogen. "Die Reifentemperatur ist eine knifflige Sache. Ich muss davon lernen und darf diesen Fehler nicht erneut machen."

"Schon davor bin ich mit dem Medium-Reifen zwei Runs gefahren. Dabei habe ich bemerkt, dass es eine gute Runde dauert, diesen Reifen auf Temperatur zu bringen. Viele haben mir gesagt, dass ich die Reifen auf Temperatur bringen muss, bevor ich attackieren darf."

Darryn Binder

Im Yamaha-Satellitenteam RNF fährt Binder eine M1 Jahrgang 2021

Foto: Motorsport Images

Binder schildert, was passiert ist: "Als ich aus der Box fuhr, sah ich, dass ein anderer Fahrer hinter mir war. Die ersten Kurven bin ich normal gefahren und anschließend auf der Geraden auf die Seite, um den schnelleren Fahrer vorbeizulassen."

"Weil ich wahrscheinlich zu langsam gefahren bin, ist der Reifen abgekühlt. Ich habe beim Sturz gar nicht attackiert. Ich bin recht langsam in die Kurve gefahren. Der Hinterreifen hat mich per Highsider abgeworfen. Der Wind hat vielleicht auch Schmutz auf die Strecke geblasen."

Unter dem Strich war der Jerez-Test für Binder nur ein erster Shakedown mit seinem neuen Team und dem MotoGP-Bike: "Im nächsten Jahr beginnen wir mit der Arbeit. In Malaysia haben wir den Shakdown-Test für Rookies und anschließend den richtigen Test."

"Bis dahin geht es darum, alles langsam aufzubauen. Ich muss lernen, wie ich dieses Motorrad fahren muss. Es gibt keine Eile, dafür gibt es keinen Grund. Ob ich 1:39 oder 1:38 fahre - ich wäre immer noch zwei Sekunden hinten - machte jetzt keinen Unterschied."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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