Rossi & Zarco erklären: Darum ist Yamaha in Le Mans so stark

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Rossi & Zarco erklären: Darum ist Yamaha in Le Mans so stark
Autor: Maria Reyer
Co-Autor: Oriol Puigdemont
18.05.2018, 16:57

Mit den Plätzen drei und vier setzt Yamaha in Le Mans ein Ausrufezeichen - Rossi nach Mugello-Test dennoch besorgt - Zarco sieht Marquez & Vinales vorne

Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing
Maverick Viñales, Yamaha Factory Racing
Johann Zarco, Monster Yamaha Tech 3
Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing
Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing
Maverick Viñales, Yamaha Factory Racing
Johann Zarco, Monster Yamaha Tech 3
Maverick Viñales, Yamaha Factory Racing
Johann Zarco, Monster Yamaha Tech 3
Maverick Viñales, Yamaha Factory Racing
Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing
Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing
Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing
Aleix Espargaro, Aprilia Racing Team Gresini, Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing
Johann Zarco, Monster Yamaha Tech 3
Johann Zarco, Monster Yamaha Tech 3
Maverick Viñales, Yamaha Factory Racing
Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing
Johann Zarco, Monster Yamaha Tech 3
Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing
Valentino Rossi, Yamaha Factory Racing
Johann Zarco, Monster Yamaha Tech 3

Nach einem Desaster-Wochenende in Jerez lichteten sich am Freitag in Le Mans die Gemüter in der Yamaha-Garage. Das Team, das seit 2015 in Frankreich ungeschlagen ist, schaffte es in beiden Trainingssessions in die Top 6. Valentino Rossi, Maverick Vinales und auch Johann Zarco waren frohen Mutes, dass auf dem Circuit Bugatti die Kehrtwende gelingen kann.

"Ich bin überrascht, da ich etwas anderes erwartet habe", meint Rossi in seiner Medienrunde am Donnerstag mit einem Lächeln. Im Gesamtergebnis vom Freitag reihte sich der Italiener auf Platz drei ein, nur die WM-Rivalen Andrea Dovizioso und Marc Marquez waren noch schneller. 0,243 Sekunden fehlten dem "Doktor" im zweiten Training auf die Bestzeit.

Nach Testfahrten in Jerez und Mugello scheint Yamaha in Le Mans wieder zu den Favoriten zu zählen. Dennoch sorgt sich der Superstar: "In Jerez wusste ich, dass wir leiden würden. Aber auch in Mugello waren wir langsam, das hat mir Sorgen bereitet - auch wegen Le Mans. Aber auf dieser Strecke funktioniert unser Bike wirklich gut", ist er - zumindest für dieses Wochenende - erfreut.

"Verbindung von Strecke, Bike & Reifen"

Im zweiten Training fuhr der Routinier drei Versuche, zweimal ging er auf dem harten Hinterreifen auf die Strecke, im letzten Run ließ er den weichen Reifen aufziehen. Damit ist er schließlich auch seine schnellste Zeit, eine 1:32.179 Minuten, gefahren. Vier Runden schaffte er am Nachmittag im 1:32er-Bereich. Im Vergleich dazu schaffte Dovizioso fünf Runden in diesem Bereich, Marquez sechs.

Angesprochen auf die plötzliche Trendwende und Leistungssteigerung der zuletzt schwächelnden Yamaha-Truppe muss Rossi selbst mit den Schultern zucken. "Die M1 mag Le Mans einfach aufgrund des Layouts. Auch der Asphalt ist sehr gut, man hat hier viel Grip. Auch die niedrigeren Temperaturen passen. Zwar scheint die Sonne, aber es ist nicht zu heiß. Das sind die perfekten Bedingungen für uns." Zwar stiegen die Streckentemperaturen auf über 40 Grad Celsius am Nachmittag, die Lufttemperatur pendelte sich aber bei niedrigen 21 Grad ein.

Wie Rossi bereits angesprochen hat, dürfte das Layout der Strecke der Yamaha entgegenkommen. Die 14 Kurven sind meist recht kurz - ein Vorteil? "Diese Stop-and-Go-Passagen sehen auf dem Papier nicht nach einer Yamaha-Strecke aus. Daher fragen sich viele, warum wir hier so stark sind", weiß Rossi, um gleich daraufhin die Antwort zu geben: "Aber ich weiß es nicht", lacht er. "Das ist sehr schwierig zu beantworten. Wir kommen von Jerez, wo wir sehr große Probleme hatten, hierher und alles ist okay. Das ist diese Verbindung zwischen dem Bike, dem Reifen und der Strecke, die einfach funktioniert."

Elektronik weniger wichtig - Reifen länger haltbar

Durch diese kurzen Kurven kommt es auf dem 4,185 Kilometer langen Kurs vor allem auf die Beschleunigung auf den Geraden an, die Elektronik-Probleme wirken sich daher weniger stark aus. "Ja, auf dieser Strecke hat man traditionell weniger Wheelspin, weil die Kurven kürzer sind und der Asphalt mehr Grip hat. Wenn diese beiden Dinge zusammenlaufen, dann ist die Elektronik nicht mehr so wichtig. Und daher leiden wir hier auch weniger", schlussfolgert der 39-Jährige. "Das zeigt, dass das Bike gut ist. Dennoch müssen wir uns noch in manchen Bereichen steigern, was nicht so einfach ist."

Ein Problem, mit dem sich Yamaha bereits seit 2017 auseinandersetzen muss, ist die abfallende Performance im letzten Renndrittel auf gebrauchten Reifen. Rossi bemerkt: "Wir hatten auch deutlich weniger Schwierigkeiten auf dem gebrauchten Reifen. Ich konnte einen guten Rhythmus fahren, das ist wichtig für das Rennen. Wir haben versucht, uns deutlich zu steigern - vor allem mit dem Reifentest, um die richtige Wahl zu treffen. Das war ein guter Start heute." Nachsatz: "Zwar ist es erst Freitag, aber so macht es doch deutlich mehr Spaß im Vergleich zu Jerez", grinst Rossi.

Auch Tech-3-Pilot Johann Zarco wurde nach dem zweiten Training gefragt, warum die Yamaha (er fährt den 2016er-Rahmen) auf seiner Heimstrecke so gut funktioniert. Und auch der Franzose rätselt: "Ich weiß nicht so recht, warum die Yamaha hier gut funktioniert. Le Mans ist eine kurze Strecke, man pusht das Bike nie bis ganz ans Limit." Seine Theorie lautet: "Man muss in allen Kurven weich fahren. Man braucht guten Kurvenspeed, daher sind wir vielleicht so gut hier. Die Pace der Yamaha, mit der Elektronik und Aufhängung, ist ziemlich gut. Wir können hier sofort schnell mitfahren."

Zarco hat Marquez und Vinales im Blick

Zarco konnte sich im Gesamtergebnis auf Platz fünf hinter den Werksbikes einreihen, er lag knappe 0,075 Sekunden hinter der Zeit von Vorjahressieger Maverick Vinales und insgesamt nur 0,343 Sekunden hinter der Dovizioso-Bestzeit. Dennoch merkt er an, noch nicht das richtige Set-up für seine Yamaha gefunden zu haben. Sollte ihm das am Samstag gelingen, dann würde er um den Sieg mitkämpfen.

Seine schärfsten Konkurrenten an diesem Wochenende? "Marc ist seine schnellste Runde auf dem harten Reifen gefahren, das bedeutet, dass er schnell ist. Auch Vinales war gut, auch auf gebrauchten Reifen konnte er noch Pace finden. Das bedeutet, dass er mit dabei ist", lobt der Satellitenfahrer seinen Markenkollegen.

Vinales selbst war besonders mit seiner Leistung im ersten Training zufrieden. Am Vormittag trennten ihn 0,067 Sekunden von der Bestzeit. "Ich habe mich gut gefühlt, ich hatte am Vormittag einen guten Rhythmus. Am Nachmittag habe ich etwas anderes ausprobiert, was mir aber nicht so sehr gefiel. Wir haben daher viel Zeit in der Box liegengelassen. Daher konnte ich im zweiten Training nur drei, vier Runden voll fahren. Ich bin aber zufrieden mit dem Bike. Wir müssen nur die Elektronik noch etwas an die Strecke anpassen", verrät er.

Am Nachmittag reihte er sich auf dem vierten Rang hinter Rossi ein, er absolvierte insgesamt ebenfalls drei Versuche. Zweimal setzte Vinales auf den Medium-Hinterreifen, am Ende ging er auf dem weichen auf die Strecke - damit schaffte er auch seine 1:32.204 Minuten. Zwar habe er am Vormittag bereits eine gute Rennpace fahren können, dennoch beklagt sich der Spanier über ein instabileres Bike an der Front. Sein Fazit: Am Samstag müsse er die M1 noch besser auf die Strecke anpassen. Alle drei Yamaha-Piloten konnten sich vorläufig für Q2 qualifizieren.

Mit zusätzlichen Informationen von William Zinck

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