Schwantz kritisiert Espargaro-Crash: "Gefahr war extrem hoch"

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Schwantz kritisiert Espargaro-Crash:
Autor: Maria Reyer
Co-Autor: Sebastian Fränzschky
17.07.2018, 05:36

Suzuki-Legende Kevin Schwantz fordert bessere Selbsteinschätzung und Rücksicht von Pol Espargaro - Crash mit Suzuki-Piloten hätte viel schlimmer enden können

Pol Espargaro sorgte beim Grand Prix von Deutschland für verärgerte Mienen in der Suzuki-Garage. Der KTM-Pilot verursachte eine Kollision mit Andrea Iannone, infolgedessen Alex Rins ebenso zu Sturz kam. Das Rennen der drei Fahrer war ruiniert, die Suzuki-Piloten forderten eine Strafe. Auch Suzuki-Legende Kevin Schwantz kritisiert den Spanier im exklusiven Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Der Weltmeister kann Espargaros Verhalten nicht verstehen.

"Pol war sehr weit draußen und kam dann auf den Randstein. Es ging nur noch um die Frage, wie viele Piloten er mitreißen würde", schildert der US-Amerikaner seine Sichtweise. Der 500er-Weltmeister der Saison 1993 wirft dem Spanier vor: "Er hat ja nicht einmal wirklich versucht, die Kurve zu bekommen."

Aus eigener Erfahrung weiß Schwantz: "Das war so eine Aktion, wo du vielleicht ein, zwei Positionen gutmachen kannst, wenn es aber schiefläuft, dann nimmt man gleich drei, vier Leute mit ins Aus. Außerdem ist die Gefahr für Verletzungen extrem hoch." Schließlich sei das Risiko, einen anderen Piloten im Pulk zu treffen oder gar zu überfahren zu Rennbeginn besonders hoch. "Wir haben schon die schlimmsten Unfälle - auch Tote - in den ersten Runden gesehen, wenn sich alle duellieren. In dieser Rennphase geht es immer darum, Positionen aufzuholen, die werden aber ganz schnell irrelevant, wenn du ein paar Leute abschießt."

Fahrer müssen "realistische Erwartungen haben"

Nachsatz: "Da musst du schon ein bisschen mitdenken." Das haben auch Iannone und Rins dem KTM-Piloten mit auf den Weg gegeben. Espargaro hat seine Schuld eingestanden und sich sogar beim Spanier für den Ausfall entschuldigt. Er hat seine übermotivierte Attacke auf seine gute Pace im Warm-up und die Qualifying-Schwäche der KTM zurückgeführt.

"Natürlich" sei Espargaro nach seiner überraschenden Bestzeit am Sonntagvormittag zu euphorisch gewesen, meint Schwantz. "Er war Schnellster und an der Spitze. Aber er ist wohl nicht mit voller Benzinlast gefahren und es war am Vormittag auch noch nicht so heiß", gibt der Ex-Rennfahrer zu bedenken. "Da gibt es noch mehr Parameter, die man sich anschauen muss. Außerdem kann er nicht sicher sein, dass er das nachher noch einmal schafft. Als Fahrer muss man realistische Erwartungen haben", rät der Champion.

Die Vorgeschichte:

Er erinnert sich an seine aktive Zeit zurück, allerdings fällt ihm nur ein vergleichbarer Zwischenfall aus seiner Ära ein: "Einmal in meiner Karriere habe ich einen Fahrer in der ersten Runde abgeschossen, das war Ron Haslam beim Grand Prix in Großbritannien 1988. Die Carbonbremsen waren einfach noch etwas kälter, als ich dachte", erklärt er.

"Was man mal sagen muss: Wir denken alle, dass Pol beim nächsten Mal cleverer ist", so der 54-Jährige. "Alle denken sich: 'Ich kann es schaffen und wenn es funktioniert, dann hole ich zwei Plätze auf'. Aber man sollte für einen Augenblick auch darüber nachdenken, was passiert, wenn es schiefläuft."

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