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Sete Gibernau: Rossi-Rempler in Jerez 2005 hat Präzedenzfall geschaffen

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Sete Gibernau: Rossi-Rempler in Jerez 2005 hat Präzedenzfall geschaffen
Autor:
Co-Autor: Lewis Duncan
10.04.2020, 08:09

Sete Gibernau blickt auf den Rempler von Valentino Rossi in Jerez 2005 zurück - Der Spanier glaubt, dass das die Türe für weitere aggressive Manöver geöffnet hat

Am 10. April 2005 fand der MotoGP-Saisonauftakt in Jerez de la Frontera statt. Das Rennen ging in die Geschichte ein. Zu dieser Zeit befand sich die Rivalität zwischen Valentino Rossi und Sete Gibernau auf dem Höhepunkt. Das Duell der beiden bestimmte damals das Renngeschehen auf der andalusischen Strecke und endete mit einer kontroversen Kollision in der letzten Kurve der letzten Runde.

Rossi, damals amtierender Weltmeister im Yamaha-Werksteam, hatte am Samstag die Pole-Position erobert. Vizeweltmeister Gibernau, damals im Sattel einer Honda im Gresini-Team, startete daneben als Zweiter. Nach einer turbulenten Anfangsphase, in der sich Rossi und Gibernau mehrmals überholten, übernahm schließlich Gibernau auf heimischem Boden die Führung.

Der Spanier führte das Rennen auch lange an, aber Rossi blieb ihm dicht auf den Fersen. In der vorletzten Runde attackierte Rossi und schaffte das Überholmanöver. Die Entscheidung schien gefallen zu sein, denn die blaue Yamaha konnte sich einen kleinen Vorsprung herausfahren. Dann machte Rossi aber einen Fehler. Gibernau schlüpfte durch und begann die letzte Runde in Führung liegend.

Sete Gibernau, Honda; Valentino Rossi, Yamaha

Sete Gibernau, Honda; Valentino Rossi, Yamaha

Foto: Gauloises Fortuna Racing

Dann passierte es! In der letzten der 27 Runden zog Rossi vor der engen Zielkurve, die links herum führt, nach innen und probierte ein alles entscheidendes Überholmanöver. Gibernau war außen. Als er nach innen einbog, war dort Rossi. Es kam zur Kollision, bei der auch der vordere Kotflügel der Honda brach. Gibernau wurde durch den Rempler nach außen getragen und kam neben die Strecke. Rossi fuhr innen durch und als Sieger über die Ziellinie.

Gibernau konnte im Kiesbett einen Sturz verhindern und schaffte es noch als Zweiter ins Ziel. Er war wütend über Rossis Manöver. Genauso waren es seine Fans. Während bei der Siegerehrung die italienische Hymne gespielt wurde, pfiffen die spanischen Gibernau-Anhänger Rossi aus. Trotzdem verzichtete das Gresini-Team auf einen Protest. Die Saison 2005 hatte gleich mit einem großen Knall begonnen.

Sete Gibernau blickt aus heutiger Sicht zurück

Wie blickt Gibernau heute, 15 Jahre später, auf dieses Manöver von Rossi zurück? "Ich weiß nicht, wie oft wir über diese Kurve gesprochen haben, aber je mehr Zeit vergeht, desto mehr verstehe ich, dass sich danach die Dinge verändert haben. Viele Leute haben dieses Manöver gesehen. Das hat die Türe geöffnet, dass so etwas viel öfter passiert ist."

 

"Zwischen Valentino und mir herrschte damals eine große Rivalität", blickt Gibernau in der Serie 'Greatest Races' von 'BT Sport' zurück. "Wir wussten beide, wie wichtig dieses Rennen für uns beide war. Wir beide haben das gemacht, was unserer Meinung nach das Beste für unsere Meisterschaftsambitionen war."

Nach diesem Jerez-Rennen stand Gibernau nur noch drei weitere Male als Zweiter auf dem Podest. Gewonnen hat er nie mehr. Er glaubt, dass der Rempler von Rossi prägend war für junge Fahrer, die damals im Fernsehen zugesehen haben: "Meiner Meinung nach haben sich die Dinge in der MotoGP verändert. Wie das Verständnis für das Racing ist."

Speziell in den vergangenen sieben Jahren gehen die Fahrer im Zweikampf härter miteinander um. Berührungen sind keine Seltenheit. Schwarze Kampfspuren von Remplern und leichten Kollisionen sind häufig auf den Lederkombis zu erkennen. Marc Marquez fuhr beispielsweise in Jerez 2013 in der Zielkurve fast das gleiche Manöver gegen Jorge Lorenzo im Duell um Platz zwei.

Gibernau: Solch gefährliche Situationen sollten vermieden werden

Bei Rossi/Gibernau griffen die Rennkommissare nicht ein, genauso wenig wie bei Marquez/Lorenzo Jahre später an der gleichen Stelle. Deswegen glaubt Gibernau nicht, dass heute die Rennkommissare anders handeln würden: "Ich glaube nicht, aber ich sehe das anders. Es sind meine Gedanken. Ich muss nicht richtig oder falsch liegen."

Sete Gibernau

Foto aus dem Parc Ferme: Sete Gibernau war stinksauer auf Rossi

Foto: Motorsport Images

"Jeder hat seine eigene Meinung. Wenn ich mich jetzt in die Situation versetzen würde und ich sehe eine Situation wie damals. Zwei Fahrer riskieren in einer schwierigen letzten Kurve ihr Leben, indem sie sich berühren. Und wenn ich mit meinem Sohn, der gerne Rennfahrer werden möchte, zuschauen würde, und alle würden dem Kerl, der den anderen berührt hat, den Sieg geben - dann möchte ich nicht, dass so etwas passiert."

"Ich will nicht, dass sich jemand verletzt. Das ist eine Priorität für mich. So verstehe ich den Sport und das Racing", hält Gibernau fest. "Die MotoGP ist ohnehin sehr gefährlich. Meiner Meinung nach sollten wir all unser Wissen verwenden, um solche Situationen zu vermeiden. Ist es schwierig, das zu tun? Ja. Ist es unmöglich? Das glaube ich nicht."

"Es ist die Verantwortung von demjenigen, der die Meisterschaft leitet. Es müssen Regeln definiert werden, damit solche Situationen verhindert werden, denn wir riskieren mehr als nur einen Sturz", vertritt Gibernau einen klaren Standpunkt. "Aber trotzdem blicke ich zurück und sehe es als großartiges, außergewöhnliches Rennen. Mental sehr fordernd. Ich habe es genossen, bis auf die letzte Kurve."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Artikel-Info

Rennserie MotoGP
Autor Gerald Dirnbeck