Stefan Pierer hält fest: MotoE ist nichts für KTM

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Stefan Pierer hält fest: MotoE ist nichts für KTM
Autor: Gerald Dirnbeck
19.08.2018, 10:14

KTM-Boss Stefan Pierer hält nichts von Elektrorennserien und glaubt, dass der Verbrennungsmotor auch die nächsten 20 Jahre im Überlandverkehr nicht zu ersetzen sein wird.

Ab 2019 wird es in der Motorrad-WM den neuen MotoE-Weltcup geben, in der ein neues Elektromotorrad von der italienischen Firma Energica zum Einsatz kommen wird. Zwölf private Teams sind ab dem nächsten Jahr in der neuen Einheitsrennserie dabei. Langfristig will man auch die Hersteller für diese Serie begeistern. "Das ist Schwachsinn", winkt KTM-Boss Stefan Pierer ab. "Ich halte nichts von dem. Wir sind führend als Elektro-Motorradhersteller. Ich kenn mich aus. Und ich betrüge auch nicht die Leute wie Elon Musk."

Die MotoE ist somit für KTM kein Thema. Dennoch setzt das Unternehmen neben Elektrofahrrädern zum Beispiel auf das Motocross-Motorrad Freeride E-XC, dessen Elektromotor eine Höchstleistung von 18 kW hat. "Ich sehe die Elektromobilität bei der kurzen Strecke und bei leichten Fahrzeugen, sprich in der Stadt", sagt Pierer. "Die Fahrräder sind durch, jetzt kommen die Mopeds. Es wird auch leichte Autos geben, zum Beispiel für die Zustelldienste. Im Überlandverkehr sehe ich sie nicht."

Derzeitige Batterietechnologie ab einer bestimmten Größe ein Problem

In den Städten sieht der Österreicher gute Anwendungsmöglichkeiten für Elektrofahrzeuge, aber nicht außerhalb der Metropolen: "Da sehe ich die nächsten 20 Jahre keine Chance, den Verbrenner zu ersetzen. Wir können diskutieren über synthetische Kraftstoffe. Aber mit dieser Batterietechnologie? Etwa 75 Prozent des primären Energiebedarfs der Welt wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen, also Kohle, Gas und Öl. Dann kommt das über ineffiziente Leitungen in eine Batterie rein, damit man in der Stadt emissionsfrei fahren kann."

Stefan Pierer, KTM

Stefan Pierer, KTM

Foto: Gold and Goose / LAT Images

Kleine Batterien für Fahrräder, Motorräder und Kleinfahrzeuge machen für Pierer Sinn. Alles andere nicht: "Sobald die Batterie groß wird, frisst es dir die Marge auf. Es gibt ja nur fünf, sechs Hersteller weltweit, die nach deiner Augenfarbe sagen, du kriegst was, oder eben nicht. LG, Samsung, Murata und dann gibt es noch zwei chinesische Firmen. Da zahlt man vorher eine Bankgarantie ein und dann bekommt man vielleicht etwas."

Deutliche Worte findet Pierer für Tesla-Gründer Musk: "Es gibt einen, der diesbezüglich die Leute zur Perfektion verarscht, der heißt Elon Musk. Die Leute haben ein kurzes Denken und es gibt so viel Geld, mit dem herumspekuliert wird. Aber das ist kein fundamentaler Business Case. Richtig angewandt wäre es in der Stadt sehr gut. In der Stadt sehe ich das kommen, aber nicht im Überlandverkehr. Reine Elektromobilität ist ein Verlustgeschäft. Die Hersteller sind gezwungen, es wegen der CO2-Vorgaben zu tun. Dieselgate ist auch nicht hilfreich gewesen."

Hybrid-Modelle sieht der Manager dagegen positiv: "Es ist für die Konsumenten ideal. In der Stadt kannst du elektrisch fahren und an der Ortstafel boosten." Und wie ist KTM beim Thema Elektromobilität aufgestellt? "Mit dem Power-Twowheeler, sprich dem Motor-Zweirad, sind wir für Elektromobilität ideal aufgestellt. Wirklich Geld verdienst du nur im unteren Bereich, das sind E-Bike und die kleinen Mopeds." Vorreiter diesbezüglich sind einige Städte in Asien und vor allem in China. KTM generiert mittlerweile rund 50 Prozent des Umsatzes außerhalb Europas.

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Rennserie MotoGP
Autor Gerald Dirnbeck
Artikelsorte News