Suzuki vs. Espargaro: "Nächstes Mal Köpfchen einschalten!"

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Suzuki vs. Espargaro:
Autor: Maria Reyer
Co-Autor: Sebastian Fränzschky
16.07.2018, 06:41

Die Suzuki-Piloten Andrea Iannone & Alex Rins können nicht glauben, dass KTM-Pilot Pol Espargaro für den Crash in Runde eins in Deutschland nicht bestraft wird

Der Grand Prix von Deutschland auf dem Sachsenring war für vier Piloten bereits in der ersten Runde entschieden. In Kurve 3 kollidierte KTM-Pilot Pol Espargaro zunächst mit Suzuki-Fahrer Andrea Iannone, der Spanier ging daraufhin zu Boden und riss dessen Teamkollege Alex Rins mit ins Aus. Pramac-Ducati-Pilot Jack Miller musste den beiden ausweichen und verlor wie auch Iannone viele Positionen. Beide Suzuki-Piloten fordern nun eine Strafe für Espargaro.

"Unser Rennen wurde komplett zerstört", tönt Iannone völlig verärgert nach dem Rennen. Der Italiener wurde durch Espargaros übermotivierte Attacke von Startplatz acht bis auf Position 18 zurückgeworfen. "Ich glaube nicht, dass Pol in den ersten drei Kurven viel mitgedacht hat. Es ist ja okay, wenn ein Fahrer versucht, Positionen aufzuholen - aber mit ein bisschen mehr Köpfchen", so der "Maniac".

Er wurde in Kurve 3 am Hinterrad von der KTM getroffen. "Es war einfach nicht genügend Platz, er kam daher und ist beim Richtungswechsel komplett auf dem Randstein weitergefahren innen - das ist unglaublich", schildert der Italiener fassungslos. "Ich habe das Bike schon gehört und versucht, mein Bike langsam aufzurichten, weil ich eine Kollision bereits befürchtet habe. So konnte ich meinen Sturz noch verhindern, dennoch habe ich mehr als zehn Positionen verloren."

Rins hatte keine Chance: "Das war eigenartig"

Auch Teamkollege Rins ist von Espargaros Aktion nicht angetan. "Das war eigenartig. Ich sah Pol auf der Außenseite in Kurve 2, er war da schon am Limit. Als wir die Richtung änderten, ist er auf der Innenseite auf dem Randstein maximale Schräglage gefahren. Er hat dabei Andrea berührt und ist dann gestürzt. Ich konnte ihm nicht ausweichen", erklärt der Spanier den Sturz aus seiner Perspektive. Dies war bereits sein fünfter Ausfall in dieser Saison, dementsprechend enttäuscht und frustriert ist er.

 

Pol Espargaro selbst ist sich seiner Schuld bewusst: "Ich möchte nicht behaupten, dass ich Pech hatte, da ich alles ausgelöst habe. Ich war auf der Außenseite in Kurve 2 und wurde von ein paar Fahrern ein bisschen nach außen gedrückt, das ist aber normal", schildert er seine Sichtweise. "Beim Richtungswechsel in Kurve 3 habe ich realisiert, dass ich super weit innen war, zu weit."

"Und Iannone war vor mir. Ich glaube, er hat die Innenseite abgedeckt, damit ihn niemand überholen konnte und er war etwas langsamer als üblich. Ich habe darauf gewartet, bis er die Bremse loslässt und mich meine Kurve fertig fahren lässt, er hat aber so sehr abgedeckt und ich konnte das Bike nicht stark genug abbremsen." Daher ist Espargaro gestürzt.

Espargaro bedauert Rins' Ausfall: "Tut mir sehr leid"

"Es tut mir sehr leid für Alex, da mein Bike oder Körper, ich weiß nicht genau, sein Bike getroffen hat. Er konnte das Rennen dadurch ebenfalls nicht zu Ende fahren, was ich sehr bedauere", gesteht Espargaro ein. Er hat sich nach dem Rennen beim Suzuki-Piloten entschuldigt. "Er kam in meinen Raum und wir haben ganz ehrlich geredet", bestätigt Rins. "Er hat sich entschuldigt und ich habe das angenommen. Manchmal passiert so etwas eben. Wenn wir allerdings so weitermachen und die Rennleitung nichts dagegen unternimmt, wird das in einem Chaos enden", gibt er zu bedenken.

Zwar hat die Rennleitung den Vorfall nach dem Rennen untersucht, allerdings wurde keine Strafe gegen Espargaro ausgesprochen. Die beiden Suzuki-Fahrer können diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Sie hätten den Spanier bestraft. "Er hat nicht nur mein Rennen, sondern auch jenes von Miller und Alex ruiniert", argumentiert Iannone. "Ich habe mit Davide (Brivio, Suzuki-Teammanager; Anm. d. Red.) gesprochen, er war bei der Rennleitung. Sie haben aber keine Strafe verhängt, nichts", kann Rins die Entscheidung ebenso nicht nachvollziehen. "Nein, ehrlich gesagt nicht. Aber so läuft das im Racing manchmal."

Welche Strafe würden Iannone und Rins verhängen? "Ich weiß nicht. Ich bin ja nicht die Rennleitung, nur ein Fahrer", entgegnet der Italiener, "aber ich erwarte Gerechtigkeit. Ich verstehe ja, dass Pol am Start Positionen gutmachen möchte, aber in der MotoGP kann das schnell gefährlich werden, weil manche Fahrer am Kurveneingang ihren Kopf ausschalten. Daher ist es wichtig, auch für die Zukunft eine gerechte Strafe auszusprechen, um an diese Situation zu erinnern. Und nächstes Mal sollte er besser vorher nachdenken", richtet er seinem Konkurrenten aus.

Suzuki verliert viele Punkte: Mit Top 5 gerechnet

Iannone konnte das Rennen mit Schaden am Heck schließlich noch auf Position zwölf beenden, Miller kämpfte sich vom letzten Platz noch zurück in die Punkte auf Platz 14. "Auf dieser Strecke ist es sehr schwierig, zu überholen - auch wenn ein langsamerer Pilot vor dir fährt", gibt Iannone zu. Was wäre für den Suzuki-Mann in Deutschland ohne Zwischenfall möglich gewesen? "Als ich dann allein gefahren bin, konnte ich zwar nicht die Pace der Top 3 gehen, aber die Plätze fünf bis acht wären heute drin gewesen. Ich bin einfach nicht zufrieden. Wir haben so hart gearbeitet das gesamte Wochenende, nur leider ist es so ausgegangen."

 

Besonders bitter: Iannone war in allen vier Freien Trainings jeweils in den Top 3 zu finden. Auch Rins hat sich am Sonntag ein Top-5-Ergebnis ausgerechnet. "Das ist kein Wochenende zum Vergessen, da wir sehr gut gearbeitet haben. Ich war auf gebrauchten Reifen konkurrenzfähig und hatte eine gute Pace. Wenn man sich das Ergebnis ansieht, wären wir mit Bautista und Petrucci gefahren, denke ich. Aber was passiert wäre, wissen wir nicht." Die beiden Ducati-Piloten beendeten das Rennen auf den Rängen vier und fünf.

Nicht nur den Suzuki-Piloten bleibt als Trost die gute Rennpace, auch Espargaro hadert mit seinem Vergehen. Auch der KTM-Pilot hat sich angesichts des zehnten Platzes von Teamkollege Bradley Smith viel erhofft. "Das ist sehr blöd gelaufen, dass das ausgerechnet in der ersten Kurve passiert. Ich konnte daher nicht zeigen, was wir draufhatten. Ich hatte ein sehr gutes Gefühl auf dem Bike und war bereit, ein gutes Rennen zu fahren, aber genau im schlechtesten Zeitpunkt der Saison passiert das. Ich konnte nicht zeigen, wo die KTM steht. Bradley ist in die Top 10 gefahren und ich denke, wir hätten sehr gut abschneiden können."

Crash-Ursachen: Warm-up-Bestzeit & Quali-Schwäche

Besonders in Anbetracht dessen, dass Espargaro im Warm-up am Sonntagvormittag völlig überraschend die Bestzeit aufstellen konnte. "Ich war selbst überrascht über das Warm-up", muss der Spanier zugeben. Er ist zwar mit dem gewöhnlichen Bike gefahren, hatte aber ein paar Modifikationen angeschraubt.

"Als wir uns auf unser ursprüngliches Bike fokussiert haben, hat es plötzlich geklappt auf dem Medium-Reifen. Ich war sehr überrascht, weil es ganz einfach von der Hand ging. Ich konnte mich mit Dovi spielen, als wäre er ein Hinterbänkler", zeigt er sich erstaunt. "Ich dachte schon, dass das ein toller Tag werden könnte. Dadurch bin ich gestürzt, weil ich am Ende der ersten Runde in einer guten Position sein wollte."

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Das Grundproblem macht er allerdings an einer anderen Stelle aus: "Ich wollte Positionen aufholen, weil wir wieder einmal viel im Qualifying verloren hatten. Würden wir uns besser qualifizieren, hätten wir dieses Problem nicht. Startet man weiter hinten, können solche Dinge eben passieren." Espargaro musste sich in Q1 mit Position sechs zufriedengeben, er startete schließlich von Platz 15.

"Der Rhythmus im Rennen war langsamer als am Vormittag und ich hatte das Gefühl, dass ich mithalten konnte. Wir wären hundertprozentig in den Top 10 gelandet. Am Vormittag hatte ich einen guten Rhythmus, ich war besser als die Top 7. Aber ich habe es etwas übertrieben, da ich wusste, dass ich in den Top 7 mithalten konnte."

Mit zusätzlichen Informationen von David Gruz

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