Topnews 2016 - #10: Jorge Lorenzo wechselt zu Ducati

Den Anfang der Top 10 in unserem Countdown der 20 größten Motorsport-Geschichten 2016 macht Jorge Lorenzos riskanter MotoGP-Wechsel von Yamaha zu Ducati.

Für viele hochkarätige Rennserien gilt, dass die Silly-Season von Jahr zu Jahr früher zu beginnen scheint. Es fällt aber schwer, sich an eine ungewöhnlichere Silly-Season zu erinnern als jene, die wir in diesem Jahr in der MotoGP-WM erlebt haben. Schließlich machten die Gerüchte für Teamwechsel für 2017 schon zahlreich die Runde, bevor in Katar überhaupt das 1. Rennen der Saison 2016 gestartet wurde.

Was folgte, war eine Kettenreaktion, die im vielleicht signifikantesten Fahrerwechsel mündete, seit Valentino Rossi für die Saison 2004 von Honda zu Yamaha gewechselt war. Kurz vor dem Saisonauftakt 2016 in Katar bot Yamaha sowohl Rossi als auch Jorge Lorenzo vergleichbare neue Zweijahresverträge an.

Doch nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Ereignisse aus der Schlussphase der Saison 2015 schien klar, dass entweder Rossi oder Lorenzo bei Yamaha würden gehen müssen. Die Logik sagte dabei, dass der japanische Hersteller früh mit Lorenzo verlängern würde und Rossi dann entscheiden lassen würde, ob er sich 2 weitere Jahre in der Königsklasse würde vorstellen können oder nicht.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits bekannt, dass Ducati seine Fühler in Richtung Lorenzo ausgestreckt hatte. Doch die Tatsache, dass Yamaha seinen beiden Piloten zeitgleich neue Verträge anbot, machte eines deutlich. Es war Bestätigung für die Angst, die Lorenzo schließlich dazu bewog, für 2017 zu Ducati zu wechseln. Er hatte einfach Sorge, dass egal, wie er sich entscheidet, Yamaha immer Rossis Team bleiben würde.

So war Rossi derjenige, der als 1. MotoGP-Toppilot seinen Vertrag für 2017 in trockenen Tüchern hatte. Die offizielle Bestätigung dazu erfolgte am Vormittag des Qualifying-Tages in Katar. Anschließend dauerte es nicht lange, bis Rossi Psychospielchen in Richtung Lorenzo auffuhr. So sagte der Italiener, dass sein Rivale nicht die "Eier" habe, auf ein Motorrad zu wechseln, dass er selbst in den Jahren 2011 und 2012 als unzähmbar eingestuft hatte.

Als der MotoGP-Zirkus seine Zelte in Argentinien aufschlug, gab es bereits intensive Spekulationen, wonach sich Lorenzo tatsächlich für den Wechsel zu Ducati entschieden habe. Der Spanier aber gab sich schmallippig – bis der Wechsel am Montag vor dem 4. Saisonrennen, dem Grand Prix von Spanien in Jerez, offiziell verkündet wurde.

Die weiteren Dominosteine fallen

Sobald Lorenzos Wechsel zu Ducati offiziell wurde und damit der Abschied aus dem Team, für das er bislang jedes einzelne seiner MotoGP-Rennen bestritten hatte, stellte sich eine neue Frage. Wer würde die Herausforderung annehmen, 2017 an der Seite von Rossi für Yamaha zu fahren? Dabei stand Suzukis Kronjuwel Maverick Vinales von Beginn an ganz oben auf der Kandidatenliste. Er ist jung, schnell und – ganz wichtig für Yamahas Titelsponsor Movistar – Spanier.

Auch Dani Pedrosa wurde gerüchteweise mit Yamaha in Verbindung gebracht, doch er entschied sich für den Verbleib bei Honda, sobald Vinales seine Entscheidung basierend auf seinem Kopf (Lorenzo ersetzen) und nicht basierend auf seinem Herzen (bei Suzuki zu bleiben) getroffen hatte.

Lorenzos Wechsel zu Ducati bedeutete auch, dass es dort keinen Platz mehr für Andrea Iannone gibt. Der Italiener verlor daraufhin wenig Zeit, sich den Zuschlag für die von Vinales geräumte Suzuki zu sichern. Das wiederum führte dazu, dass sich Aleix Espargaro dem Aprilia-Lager angeschlossen hat. Die Folge dieses Wechsels waren weitere wie der von Alvaro Bautista zum Aspar-Team und der von Stefan Bradl zu Honda in die Superbike-WM.

Zwar hat Ducati mit der GP16 dank je eines Sieges von Andrea Iannone und Andrea Dovizioso die erfolgreichste Saison seit der Ära Casey Stoner hingelegt, doch Lorenzos Wechsel bleibt weiterhin ein großes Risiko. Das gilt ganz besonders für einen Fahrer, der seit seinem Aufstieg in die MotoGP-Klasse nichts anderes als eine Yamaha pilotiert hat.

Mit dem Risiko kommt aber auch das Potenzial für große Belohnung. So darf man durchaus die These aufstellen, dass für Lorenzo ein WM-Titel mit Ducati mindestens so viel Gewicht hat wie deren 3 WM-Titel mit Yamaha. Ob dem Spanier der ganz große Schlag gelingt oder nicht, ist eine der spannendsten Fragen mit Blick auf die nahe MotoGP-Zukunft.

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