Verbrennungen & Übelkeit: MotoGP-Piloten in Thailand besonders gefordert

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Verbrennungen & Übelkeit: MotoGP-Piloten in Thailand besonders gefordert
Autor: Maria Reyer
Co-Autor: Oriol Puigdemont
08.10.2018, 11:36

Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius stellen die MotoGP-Stars vor besondere Herausforderungen - Körper und Reifen leiden unter den Bedingungen

Die MotoGP-Piloten mussten sich beim Grand-Prix-Debüt von Thailand nicht nur auf eine neue Rennstrecke, sondern auch auf ungewohnt heiße Bedingungen und spezielle Reifen einstellen. Während Altmeister Valentino Rossi mit 39 Jahren keinerlei Ermüdungserscheinungen erkennen ließ, berichten jüngere Kollegen von Verbrennungen und Übelkeit.

32 Grad Celsius Luft- und 49 Grad Streckentemperatur wurden am Sonntag um 14 Uhr pünktlich zum Start des MotoGP-Rennens auf dem Buriram-International-Circuit gemessen. Bereits am Vormittag kletterte das Quecksilber beim Warm-up auf über 30 Grad. Das gesamte Wochenende über blieb die Wettersituation unverändert: sonnig und warm. Davon zeigte sich auch Reifenlieferant Michelin überrascht, da in Thailand aktuell Regenzeit herrscht und mit deutlich niedrigeren Temperaturen gerechnet wurde.

Der letzte Regenschauer zog allerdings am Donnerstag über die Strecke, weshalb die Piloten an ihre körperlichen Grenzen gebracht wurden. Im Durchschnitt spulten die Fahrer pro Tag rund 40 Runden ab. Im Rennen mussten 26 Runden (118,404 Kilometer) absolviert werden. Um keinen Hitzekollaps zu erleiden, kühlten sich viele Fahrer vor dem Rennen im Eisbad und tranken bis zu zehn Liter Wasser täglich. "Das waren wirklich extrem heiße Bedingungen", schildert Pramac-Ducati-Pilot Jack Miller. "Ich habe ein paar Verbrennungen an meinem Fuß, da das Bike extrem heiß war."

Crutchlow: "Scheiße, das war wirklich heiß!"

Auch Aprilia-Pilot Scott Redding ist an seine Grenzen gestoßen: "Der Körper wurde so heiß, dass mir unterm Helm schon ganz übel wurde. Das war mir aber egal, solange ich weiterfahren konnte." Dennoch war der Brite froh darüber, eine gute Vorbereitung absolviert zu haben. "Es ist oft sehr schwierig, motiviert zu bleiben zu Hause. Aber heute hat sich das harte Training wirklich ausgezahlt. Zwei Runden vor Rennende dachte ich: 'Jetzt musst du alles rausholen'. Und ich konnte es." Er hätte sich selbst nicht im Stich lassen wollen.

"Das war ein schwieriges Rennen für meinen Körper. Die Hitze und die Intensität waren schwierig zu meistern", gibt auch Tech-3-Pilot Johann Zarco an. "Aber es hat mich motiviert, denn es war nicht nur für mich so hart sondern für alle", schildert er seine mentale Taktik. Er war bereits in den vergangenen Rennen in Aragon und Misano sehr erschöpft, da er mehr gegen seine Yamaha kämpfen musste als irgendeinen Gegner. In Thailand waren nun die Bedingungen zwar schwierig, Kampf sei es aber keiner gewesen.

Viele Piloten sahen das Rennen als gute Vorbereitung für Malaysia an. Anfang November gastiert die Königsklasse im benachbarten Land, wo eine noch höhere Luftfeuchtigkeit erwartet wird. "Ich denke, dass dieses Rennen viel härter ist als jenes in Malaysia. Die Luftfeuchtigkeit in Malaysia ist höher, hier fühlt es sich gleich heißer an", widerspricht LCR-Honda-Pilot Cal Crutchlow. "Ich denke, es hat mit der Strecke zu tun. Malaysia ist einfacher zu fahren. Die Strecke [in Thailand] ist trotz der beiden Geraden körperlich sehr anstrengend. Auch die Hitze vom Bike war unglaublich. Scheiße, das war wirklich heiß!"

Rossi: "Das war wie in einem Radrennen"

Der Brite spricht laut aus, was sich wohl viele seiner Kollegen denken: "Keiner mag die Hitze besonders gern, weil es auf dem Bike so heiß wird." Nur an der Spitze hätte man durch die freie Fahrt und die frische Luft einen kleinen Vorteil. Valentino Rossi blieb das gesamte Rennen über in der Führungsgruppe. Trotz seiner 39 Jahre fühlte er sich der Aufgabe körperlich gewachsen: "Ich habe mich sehr gut gefühlt. Ich hatte zu Rennende noch genügend Energie, um mitzukämpfen."

Am Ende reichte es knapp nicht für das Podium. Im Kampf um die Spitzenplätze war die körperliche Verfassung der Fahrer nicht entscheidend. Denn Andrea Dovizioso, Marc Marquez und die Yamaha-Piloten legten das Rennen taktisch an: "Ich habe das gesamte Rennen versucht, den Reifen zu schonen. Das war wie in einem Radrennen. Manchmal hat einer für zwei Runden gepusht, dann haben wieder alle gewartet."

"Wir pushen aber nie mehr über eine gesamte Renndistanz", verrät der Italiener. "Ich habe es versucht, nur leider hatte ich in den letzten Runden mehr Probleme. Mir gingen zwei, drei Zehntelsekunden ab, aber zum Glück hatte ich kein körperliches Problem."

Thema Reifen: Stärkerer Abbau als erwartet

Abgesehen von der körperlichen Anstrengung wirkten sich die extremen Bedingungen vor allem auch auf die Reifen aus. Die schwarzen Gummis von Michelin - alle entschieden sich für den harten Reifen - waren extra für die Premiere in Thailand speziell gestaltet worden. Mit einer anderen Karkasse, die zuletzt in Österreich zum Einsatz kam, sollte das Überhitzen der Reifen vermieden werden. Dennoch hatten alle Piloten mit den Pneus zu kämpfen, wie auch der zweitplatzierte Dovizioso zugibt: "Wir mussten den Reifen stark schonen - mit Hilfe der Elektronik und des Fahrstils."

Am Ende des Rennens sei der Reifen dennoch "am Ende" gewesen, schildert der Italiener. Als das Duell um den Sieg zwischen dem Ducati-Fahrer und dem Weltmeister in den letzten Runden endgültig in die heiße Phase ging, hatte Dovizioso kaum noch Grip. Auch Marquez erging es ähnlich. "Ich habe erwartet, dass ich die Reifen etwas besser schonen könnte. Ich bin in den Sessions mit sehr gebrauchten Reifen gefahren und habe mich dennoch stark gefühlt. Aber aus irgendeinem Grund sind die Reifen am Ende ziemlich eingebrochen und ich hatte Probleme."

Er musste sein Set-up im Laufe des Wochenende stark an die veränderte Karkasse anpassen, verrät Marquez. "Der harte Reifen hat dennoch gut funktioniert. Das war die richtige Wahl für alle." Am Ende ging der WM-Führende nach einem Herzschlagfinale als Sieger hervor. Bis auf Crashpilot Dani Pedrosa sahen alle MotoGP-Piloten die Zielflagge - mehr oder weniger ausgebrannt.

Mit zusätzlichen Informationen von Scherazade Mulia Saraswati

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Autor Maria Reyer
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