Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Johann Zarco

Johann Zarco bezeichnet sich nach Aragon selbst als "der Verlierer des Tages" - Seit der Sommerpause hat der Ducati-Fahrer den Faden verloren

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Johann Zarco

Liebe MotoGP-Fans,

das Duell zwischen Francesco Bagnaia und Marc Marquez um den Sieg in Aragon war beste Werbung für unseren Sport. So muss das sein! Hart, aber zu jeder Zeit fair. Wie man es nicht macht, haben Max Verstappen und Lewis Hamilton in Monza gezeigt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Für unsere traditionelle Montagskolumne würden diesmal mehrere Kandidaten infrage kommen. Da wäre zum Beispiel ein Jack Miller, der im Schatten seines Ducati-Teamkollegen Bagnaia stand. Aber Miller bekam ein Problem mit dem linken Bein und hatte Mühe beim Gangwechsel.

Fabio Quartararo wäre nach dem achten Platz auch ein Kandidat. Aber er hat einen schlechten Hinterreifen erwischt. Das war schlichtweg Pech. Deshalb wäre Michelin wegen der Qualitätsunterschiede ein Kandidat. Das ist aber noch ein sehr heikles Thema.

Fabio Quartararo, Jorge Martin

Fabio Quartararo wurde mit einem schlechten Hinterreifen Achter

Foto: Motorsport Images

Selbst einige Fahrer meinen, dass sie diesen Unterschied spüren, man das anhand der Daten aber kaum belegen kann. Deswegen ist diese Situation für Michelin auch schwierig zu verstehen. Analysen laufen auf Hochtouren.

Ein Alex Rins erlebte ein komplett verkorkstes Wochenende, wenn man bedenkt, dass er im Vorjahr in Aragon gewonnen hat. Auch der Suzuki-Fahrer bekam große Gripprobleme. Und bei Miguel Oliveira setzte sich die Misere seit der Sommerpause fort.

Bei Johann Zarco läuft es nicht mehr

Nach dem Rennen gab es aber einen Fahrer, der ganz klar gesagt hat: "Ich bin der Verlierer des Tages." Diese Worte stammen aus dem Mund von Johann Zarco. Und wenn sich der Franzose selbst für unsere Kolumne nominiert, dann komme ich seinem Wunsch natürlich gerne nach.

Zarco wählte als einziger Fahrer im Feld den Medium-Vorderreifen. Er glaubt nicht, dass das falsch war, denn mit dem harten Reifen hatte er prinzipiell kein gutes Gefühl. Er war schlicht nicht schnell genug und sammelte als 17. keinen WM-Punkt.

Johann Zarco

In Aragon kam Johann Zarco außerhalb der WM-Punkte ins Ziel

Foto: Motorsport Images

Zarco bezog seine Aussage auf das Gesamtbild. Wir erinnern uns, dass er als WM-Zweiter in die Sommerpause gegangen ist. Sein Plan lautete, fahrerisch den nächsten Schritt zu machen, um endlich sein erstes Rennen zu gewinnen und vielleicht noch Quartararo herauszufordern.

Das hat nicht geklappt. Seit der Sommerpause zeigt Zarcos Formkurve nach unten. Platz sechs in Spielberg 1, Ausfall in Spielberg 2, Platz elf in Silverstone und nun Rang 17. Er hat schon selbst zugegeben, dass er sich psychologisch zu sehr unter Druck gesetzt hat.

Gleichzeitig hat sein Pramac-Teamkollege Jorge Martin in Österreich beide Polepositions erobert und ein Rennen gewonnen. Und nun hat auch Bagnaia einen Sieg geholt. Von den vier Ducati-Fahrern mit aktuellem Werksmaterial stand nur Zarco noch nicht auf der höchsten Stufe des Podiums.

Dabei hat es in der ersten Saisonhälfte mit vier zweiten Plätzen danach ausgesehen, dass sein erster MotoGP-Sieg demnächst passieren könnte. Davon ist der 31-Jährige mittlerweile sehr weit weg. In der WM wurde er von Bagnaia und Joan Mir überholt.

Geht es auch bald um seine Zukunft?

Die verbleibenden fünf Rennen werden auch perspektivisch gesehen sehr wichtig. Bagnaia, Miller, Martin und Zarco haben in ihrem jeweiligen Team Verträge für 2022. Aber wir wissen, dass Vertragsverhandlungen für 2023 sehr früh beginnen werden.

Vielleicht schon im Winter, spätestens im Frühling. Aus dem Umkreis von Ducati war zuletzt auch schon leise Kritik an Miller zu hören. Er sei insgesamt zu inkonstant und macht zu viele Fehler, um wirklich ein WM-Kandidat zu sein.

Das ist natürlich alles noch sehr weit weg und zu diesem Zeitpunkt reine Spekulation. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass Ducati 2023 mit Bagnaia und Martin fährt. Gleichzeitig könnten Miller und Zarco aussortiert und junge Talente bei Pramac platziert werden.

Johann Zarco, Jack Miller

Jack Miller fährt nicht um die WM, Johann Zarco steht im Schatten von Jorge Martin

Foto: Motorsport Images

Ein Enea Bastianini wäre theoretisch so ein Kandidat, denn mit der zwei Jahre alten Ducati zeigt er wirklich tolle Leistungen. Im nächsten Jahr wird "Bestia" bei Gresini geparkt. Dort wird er aber auch nicht aktuelles Werksmaterial zur Verfügung haben.

Noch ist es für all das natürlich viel zu früh. Aber Zarco muss sportlich wieder den Umschwung schaffen, denn langfristig wird es auch um seine Zukunft gehen. Als Typ und als Charakter hat er sich in den vergangenen zwei Jahren stark weiterentwickelt.

Er ist offen, locker und wirkt ganz anders als noch in seiner Zeit bei Tech 3 und KTM. Dass er mit einer alten Ducati aus dem Jahr 1981 einen Roadtrip nach Aragon gemacht hat, ist eine super Geschichte. Zarco wirkt wie der Kumpel von nebenan. Und genau solche Charaktere bereichern das MotoGP-Feld.

Sportliche Grüße

Gerald Dirnbeck

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Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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