Las Vegas: Brad Keselowski bezwingt Kyle Busch und Wetterchaos

Brad Keselowski gewinnt ein ungewöhnliches NASCAR-Rennen in Las Vegas vor Joey Logano und Jimmie Johnson – Kyle Busch verliert Heimsieg kurz vor Schluss – Heftige Winde sorgen für Wirbel.

„Sin City“ als „Windy City“: Unter anfangs bewölktem Himmel und bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h war die diesjährige Auflage des Kobalt 400 auf dem Las Vegas Motor Speedway ein äußerst ungewöhnliches NASCAR-Rennen. Leichte Regenfälle hatten den Start des dritten von 36 Sprint-Cup-Saisonläufen um 20 Minuten verzögert.

Als das Rennen einmal in den Gang gekommen war, ließ sich kurzzeitig sogar die Sonne blicken, doch es blieb extrem windig. Um die 200. der 267 Runden kam es sogar zu einem Sandsturm, der zur Verlängerung der vierten von insgesamt sechs Gelbphasen führte.

Die vorentscheidende Gelbphase aber war die fünfte in Runde 215, ausgelöst durch einen Crash von Regan Smith (Baldwin-Chevrolet; 25.) und Kyle Larson (Ganassi-Chevrolet; 34.). Zu diesem Zeitpunkt lag ein weiterer Regenschauer in der Luft und so setzte man beim Team Penske auf Risiko. Nachdem zuvor vor allem Brad Keselowski kaum Akzente hatte setzen können, blieben sowohl er als auch Teamkollege Joey Logano während dieser fünften Gelbphase auf der Strecke.

Die Spitze, angeführt von Jimmie Johnson im Hendrick-Chevrolet, kam zum Boxenstopp und musste sich beim anschließenden Restart hinter dem Penske-Duo und dem ebenfalls draußen gebliebenen Austin Dillon (Childress-Chevrolet) einreihen. Alle Augen waren auf die erste Reihe mit den beiden Penske-Piloten gerichtet, als Kyle Busch (Gibbs-Toyota) den Restart des Rennens zeigte.

Kyle Busch mit dem Restart des Rennens

Von der sechsten Position kommend katapultierte sich Kyle Busch mit seinem gelben Toyota Camry in den Turns 1/2 außen an Jimmie Johnson, Austin Dillon und seinem eigenen Gibbs-Teamkollegen Matt Kenseth vorbei. Wenige Meter später schnappte sich der Lokalmatador auf der Innenbahn von Turn 3 auch noch die beiden Penske-Piloten Joey Logano und Brad Keselowski.

Wenige Sekunden nach Kyle Buschs unglaublichem Restart gab es den heftigsten Crash des Rennens. Matt Kenseth verlor seinen Gibbs-Toyota im Duell mit Martin Truex Jr. (Furniture-Row-Toyota; 11.) in der unruhigen Luft und krachte in die Mauer von Turn 2. Der nachfolgende Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet) hatte keine Chance auszuweichen und wurde ebenfalls aus dem Rennen gerissen.

Beim letzten Restart setzte sich Spitzenreiter Kyle Busch zügig vom Feld ab, während sich in seinem Rücken die Penske-Piloten Logano und Keselowski um Rang zwei balgten. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelang es Keselowski auf der Innenbahn des Start/Ziel-Bogens, Logano zu überholen. Fortan blies der Fahrer des weißen Penske-Ford mit der Startnummer 2 zur Attacke auf Spitzenreiter Kyle Busch, doch es war ein Kampf mit ungleichen Waffen.

Brad Keselowski entreißt Kyle Busch den Heimsieg

Zwar musste sich Keselowski aufgrund der Tatsache, dass er die letzten 68 Runden ohne Tankstopp absolvierte, um seine Spritvorräte sorgen. Doch Kyle Busch kämpfte mit einem ärgeren Problem: An seinem Gibbs-Toyota gab es rechts vorn extreme Vibrationen. Somit konnte der Lokalmatador, der am Samstag vor eigener Haustür das Xfinity-Rennen gewonnen hatte, den Angriffen Keselowskis nichts entgegensetzen. Sechs Runden vor Schluss zog der Penske-Pilot vorbei und kreuzte wenig später zum zweiten Mal nach 2014 den Zielstrich des Las Vegas Motor Speedway als Sieger.

„Ich liebe dieses Aero-Paket. Der Longrun am Schluss hat mir geholfen“, so der erste Kommentar von Keselowski, der sich in Runde 178 zu allem Überfluss noch eine Durchfahrtsstrafe für eine zu schnelle Ausfahrt aus der Boxengasse eingefangen hatte. Der dadurch entstandene Rückstand gab für Crewchief Paul Wolfe schließlich den Anstoß, in Runde 223 auf der Bahn zu bleiben und damit die verlorene Track-Position wieder aufzuholen. Es war ein goldrichtiger Schachzug, der allerdings nur deshalb mit dem Sieg gekrönt wurde, weil Kyle Buschs rechter Vorderreifen in die Knie ging.

„Ich hatte riesige Vibrationen. Ich weiß nicht, ob sich der Reifen aufgelöst hat ob es ein anderes Problem gab, jedenfalls stimmte irgendwas überhaupt nicht“, konstatierte Kyle Busch, der in der letzten Runde auch noch Joey Logano und Jimmie Johnson ziehen lassen musste und somit „nur“ als Vierter abgewinkt wurde. „Wenn man bedenkt, wo ich gestartet bin, war es trotzdem noch ein guter Tag. Die Siege werden kommen“, so der amtierende Champion, der sein erstes Sprint-Cup-Heimrennen seit 2014 nur vom 23. Startplatz unter die Räder genommen hatte.

Fotos: Kobalt 400 in Las Vegas

Dem sechsmaligen Champion Jimmie Johnson blieb nach 76 Führungsrunden lediglich Platz drei hinter dem in Sachen Strategie risikofreudigeren Penske-Duo Keselowski/Logano. Platz fünf hinter Kyle Busch ging trotz einer Durchfahrtsstrafe an Austin Dillon. Der Childress-Enkel verzichtete in Runde 223 wie Keselowski und Logano auf einen Boxenstopp und holte sich somit ebenfalls die zuvor verlorene Track-Position zurück.

Platz sechs ging an den starken Rookie Ryan Blaney im Ford der Wood Brothers. Kevin Harvick (Stewart/Haas-Chevrolet; 7.), Dale Earnhardt Jr. (Hendrick-Chevrolet; 8.), Polesitter Kurt Busch (Stewart/Haas-Chevrolet; 9.) und Kasey Kahne (Hendrick-Chevrolet; 10.) rundeten die Top 10 eines turbulenten Las-Vegas-Rennens ab. Hier geht's zum kompletten Rennergebnis.

Brad Keselowski ist nach Denny Hamlin (Daytona) und Jimmie Johnson (Atlanta) der dritte Sieger beim dritten Saisonrennen. Saisonstation Nummer vier und gleichzeitig die zweite Station des West-Coast-Swing ist am kommenden Wochenende das Ein-Meilen-Oval in Phoenix.

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Über diesen Artikel
Rennserien NASCAR Cup
Veranstaltung Las Vegas
Rennstrecke Las Vegas Motor Speedway
Artikelsorte Rennbericht