NASCAR Atlanta: Jimmie Johnson erreicht Dale Earnhardts Marke von 76 Siegen

Mit Sieg in Atlanta zieht Jimmie Johnson in der ewigen NASCAR-Bestenliste mit dem unvergessenen Dale Earnhardt gleich – Erste Anwendung der Overtime-Regel.

Jimmie Johnson (Hendrick-Chevrolet) fuhr beim zweiten Rennen der NASCAR Sprint-Cup-Saison 2016, dem Folds of Honor QuikTrip 500 in Atlanta, zum Sieg. Mit der Wiederholung seines Vorjahressieges hat der sechsmalige Champion, nach Einzelsiegen in der höchsten NASCAR-Liga gerechnet, mit dem siebenmaligen Champion Dale Earnhardt gleichgezogen. Johnsons Weg dorthin war durchaus beschwerlich.

Beim Saisondebüt des Low-Downforce-Package wurde den Zuschauern vor Ort und vor den TV-Geräten ein lebhaftes Rennen präsentiert, in dessen nahezu komplettem Verlauf die Piloten sichtlich mit unruhigem Fahrverhalten zu kämpfen hatten. Im ersten Stint des Rennens aber war die größte Herausforderung eine andere: Bedingt durch die weichere Reifenmischung von Goodyear war der Reifenabrieb bis zum ersten Green-Flag-Stop (um Runde 40) extrem hoch.

Ryan Newmans Reifenplatzer sorgt für Overtime

Abflüge blieben dennoch bis in die absolute Schlussphase aus. Es dauerte bis zur 210. der letztlich 330 Runden, bis zum ersten Mal die Gelbe Flagge geschwenkt wurde. Grund war kein Crash, sondern ein auf der Gegengerade liegendes Kleinteil (Debris). Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch lediglich elf der 39 gestarteten Piloten in der Führungsrunde.

Mit einem Reifenplatzer hinten links brachte Ryan Newman (Childress-Chevrolet) in der 323. von ursprünglich geplanten 325 Runden die letzte Gelbphase heraus. Somit war klar, dass zum ersten Mal bei einem Sprint-Cup-Punkterennen die für diese Saison in allen drei NASCAR-Ligen eingeführte Overtime-Regel zur Anwendung kommen würde.

Die Spitzengruppe kam angeführt von Jimmie Johnson zum letzten Vier-Reifen-Stopp an die Box. Johnson ging als Führender wieder auf die Bahn und verteidigte die Spitzenposition beim Restart. Eine halbe Runde später kam es auf der Gegengerade zu einem Crash mit Aric Almirola (Petty-Ford), Landon Cassill (Front-Row-Ford), David Ragan (BK-Toyota) und Regan Smith (Baldwin-Chevrolet). Zu diesem Zeitpunkt hatte Spitzenreiter Johnson die Overtime-Linie bereits überquert. Die Reihenfolge wurde somit eingefroren und war offiziell.

Kevin Harvick von Chad Knaus und Radmutter ausgetrickst

Platz zwei ging an Johnsons Hendrick-Teamkollege Dale Earnhardt Jr. vor dem vom Ende des Feldes gestarteten Kyle Busch (Gibbs-Toyota). Unterdessen reichte es für Kevin Harvick (Stewart/Haas-Chevrolet) nach langer Führung nur zu Platz sechs. Den letzten Restart hatte Harvick neben Johnson aus Reihe eins unter die Räder genommen, fand anders als der Hendrick-Pilot aber nicht die nötige Traktion und musste neben Dale Earnhardt Jr. und Kyle Busch auch seinen eigenen Stewart/Haas-Teamkollegen Kurt Busch (4.) und Carl Edwards (Gibbs-Toyota; 5.) ziehen lassen.

Zuvor hatte Harvick das Rennen lange Zeit im Griff gehabt. Die Führung nach 131 auf Platz eins verbrachten Runden verlor er im Zuge des letzten Green-Flag-Stops in Runde 277. Der zu diesem Zeitpunkt auf Rang drei liegende Jimmie Johnson wurde von Crewchief Chad Knaus als Erster hereingerufen. Die Konkurrenz musste nachziehen, um von Johnsons frischbereiftem Hendrick-Chevy nicht überrollt zu werden.

Bei Harvick allerdings ging der Boxenstopp in die Hose. Weil am linken Vorderrad eine Radmutter klemmte, verlor der Stewart/Haas-Pilot viel Zeit und ging mit 13 Sekunden Rückstand auf Johnson zurück auf die Strecke. Bis zu der von Ryan Newman ausgelösten Gelbphase in Runde 323 hatte Harvick seinen Rückstand halbiert. Aus eigener Kraft hätte er Johnson aber nicht mehr abgefangen. Die Traktionsprobleme beim letzten Restart raubten dem Stewart/Haas-Piloten schließlich auch die letzte Chance auf den Sieg.

Historischer Sieg für Jimmie Johnson

So freute sich Jimmie Johnson in der Victory Lane zunächst über den gelungenen Schachzug von Crewchief Chad Knaus. „Das war definitiv ein mutiger Zug, aber die 4 (Kevin Harvick; Anm. d. Red.) war wirklich stark und kaum zu knacken. Es hat funktioniert“, so der Sieger in Anspielung auf den frühen letzten Green-Flag-Stop.

Dass es für ihn zum 76. Sieg und damit zur Einstellung der Marke des unvergessenen Dale Earnhardt gereicht hat, kommentierte Johnson wie folgt: „Das ist eine unglaubliche Ehre. Durch das Chaos am Schluss hatte ich daran gar nicht mehr gedacht. Leider hatte ich nie die Chance, gegen ihn zu fahren. Jetzt seine Siegesmarke eingestellt zu haben, bedeutet mir unglaublich viel.“

Zum Vergleich: Dale Earnhardt erreichte seinen 76. Sieg (Oktober 2000 in Talladega) beim 671. Start. Jimmie Johnson hat dies nun beim 509. Start seiner Karriere geschafft. Jeff Gordon, der den 76. seiner 93 Siege im April 2007 in Phoenix erreichte, gelang dies bereits beim 481. Start. An der Spitze der ewigen Bestenliste liegt unangefochten "King" Richard Petty mit stolzen 200 Siegen.

Fotos: Folds of Honor QuikTrip 500 in Atlanta

Was im Zusammenhang mit dem historischen Sieg von Jimmie Johnson unterging: Der neue Teamkollege Chase Elliott, der bei Hendrick Motorsports die Nachfolge des zurückgetretenen Jeff Gordon angetreten hat, hielt sich beim zweiten Rennen seiner Rookie-Saison absolut schadlos und kam als einer von nur zwölf Piloten in der Führungsrunde ins Ziel – auf Platz acht hinter dem unglücklichen Kevin Harvick (6.) und Martin Truex Jr. (Furniture-Row-Toyota; 7.). Die Top 10 (hier das komplette Rennergebnis) wurden von Brad Keselowski (Penske-Ford; 9.) und Ricky Stenhouse (Roush-Ford; 10.) vervollständigt

Matt Kenseth verliert möglichen Sieg an der Box

Derweil gehörte Daytona-500-Sieger Denny Hamlin zu den zahlreichen Fahrern, denen es nicht gelang, das von nur drei Gelbphasen gekennzeichnete Rennen in der Führungsrunde zu beenden. Er brachte seinen Gibbs-Toyota mit Handlingsproblemen auf Platz 16 über die Distanz. Direkt dahinter kam Ty Dillon mit dem Stewart/Haas-Chevrolet des verletzten Tony Stewart auf Platz 17 ins Ziel.

Matt Kenseth lag wie schon vor einer Woche in Daytona auch diesmal aussichtsreich im Rennen, nur um am Ende erneut mit leeren Händen dazustehen. Bis zum dritten Green-Flag-Stop (Runde 117) hatte der Gibbs-Pilot 47 Führungsrunden gesammelt.

Als Kenseth in Führung liegend seinen Routinestopp absolvierte, fing er sich aber eine Durchfahrtsstrafe ein, weil der für die Betankung zuständige Mechaniker gleichzeitig eine Veränderung am Fahrwerk (Wedge-Adjustment) vorbereitete, indem er die Kurbel auf den Kofferraumdeckel legte. Dies ist laut NASCAR-Reglement während des Tankvorgangs verboten. Nicht nur Kenseths Crewchief Jason Ratcliff wusste davon nichts...

Mit zwei Runden Rückstand aufgrund der Durchfahrtsstrafe war für Kenseth nicht mehr als Platz 19 zu holen. Der Gibbs-Pilot war jedoch nicht der einzige Fahrer, der sich eine Strafe einfing. Joey Logano (Penske-Ford; 12.) und Kyle Larson (Ganassi-Chevrolet; 26.) kassierten beim vierten Green-Flag-Stop (Runde 150) jeweils eine Durchfahrtsstrafe, weil sie nicht ordnungsgemäß in die Boxengasse einbogen.

Am kommenden Wochenende steht ein weiteres 1,5-Meilen-Oval auf dem Sprint-Cup-Fahrplan: der Las Vegas Motor Speedway, die Heimstrecke von Kyle und Kurt Busch.

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Über diesen Artikel
Rennserien NASCAR Cup
Veranstaltung Atlanta
Rennstrecke Atlanta Motor Speedway
Artikelsorte Rennbericht