NASCAR in Indianapolis: Kasey Kahne gewinnt dramatisches Brickyard 400

Kasey Kahne siegt beim Brickyard 400 in Indianapolis nach 3 Roten Flaggen, einem Crash der Protagonisten Kyle Busch und Martin Truex Jr. und einer doppelten Verlängerung.

Bildergalerie: Brickyard 400 in Indianapolis

In Indianapolis ist nach 3 Unterbrechungen und 2 Overtime-Anläufen die 24. Auflage des Brickyard 400 über die Bühne gegangen. Kyle Busch (Gibbs-Toyota) hatte das über eine Distanz von 160 Runden geplante Rennen über weite Strecken dominiert. Bis Runde 110 sammelte er von der Pole-Position kommend 2 Stage-Siege und stolze 87 Führungsrunden an.

Dann aber kam es 50 Runden vor dem geplanten Ende bei einem Restart im Kampf um die Führung zum Crash zwischen Kyle Busch und Martin Truex Jr. (Furniture-Row-Toyota) und dem Aus für beide.

Als nach Verlängerung und insgesamt 166 Runden kurz vor 21:00 Uhr Ortszeit und somit unmittelbar vor Sonnenuntergang die Karierte Flagge fiel, hatte Kasey Kahne (Hendrick-Chevrolet) die Nase vorn. Er holte sich seinen 1. Saisonsieg vor Brad Keselowski (Penske-Ford) und Ryan Newman (Childress-Chevrolet).

Für Kasey Kahne ist damit eine lange Durststrecke zu Ende gegangen. Zuletzt hatte er vor knapp 3 Jahren, im August 2014 in Atlanta, triumphiert. In der abwechslungsreichen Saison 2017 der Monster Energy NASCAR Cup Series ist Kahne nach 20 Rennen bereits der 13. Saisonsieger.

Rennergebnis: Brickyard 400 in Indianapolis

Gewitter sorgt für knapp 2 Stunden Pause

Wie auf dem Indianapolis Motor Speedway üblich, bestimmte Single-File-Racing über weite Strecken der Distanz das Geschehen. Schon nach 12 Runden musste das Renngeschehen mit der Roten Flagge unterbrochen werden.

Grund für die 1. von insgesamt 3 Unterbrechungen war ein heftiges Gewitter, das für eine Evakuierung der riesigen, aber nur spärlich gefüllten Tribünen sorgte. Nach einer Wartezeit von knapp 2 Stunden war das 2,5-Meilen-Oval dank des Einsatzes der Air-Titans wieder getrocknet.

2 Stage-Siege für Kyle Busch

Beim Restart führte der Fahrer, der auch die Anfangsphase von der Pole-Position kommend bestimmt hatte: Kyle Busch im roten #18 Gibbs-Toyota. Als nach 50 Runden das 1. Rennsegment beendet war, hatte Busch die Nase aber nur knapp vor Martin Truex Jr. im blauen #78 Furniture-Row-Toyota. Abgeschlagener 3. in diesem Segment: Ryan Blaney (Wood-Ford).

In Stage 2 holten sich Blaney und Erik Jones (Furniture-Row-Toyota) ein paar Führungsrunden, weil sie auf einer abweichenden Boxenstoppstrategie unterwegs waren. Bei Ende dieses Segments freilich hatte erneut Kyle Busch die Oberhand, und zwar erneut vor Truex Jr. und Blaney.

Crash Kyle Busch vs. Martin Truex Jr. beim Restart

Das entscheidende 3. Rennsegment begann mit Martin Truex Jr. an der Spitze, weil er für einmal an der Box schneller abgefertigt wurde als Kyle Busch. Der erste Restart in diesem Segment ging mit Truex Jr. auf der Außenbahn über die Bühne und ging gut. Beim nächsten Restart aber entschied sich der Furniture-Row-Pilot für die Innenbahn – mit Folgen.

In Turn 1 versuchte Kyle Busch auf der Außenbahn die Führung zu übernehmen. Das Manöver gelang nicht ganz, denn er schnitt Truex Jr. den Weg ab. Der wiederum hatte auf der Innenbahn mit Übersteuern zu kämpfen und konnte sein Auto nicht mehr einfangen. Es kam zur Kollision. Die beiden dominierenden Fahrzeuge des Rennens krachten in die äußere Streckenbegrenzung und waren draußen.

"Wir haben einen weiteren Weg gefunden, ein solches Rennen zu verlieren", so Kyle Busch, um anzufügen: "Ich hätte mich hier gerne in die Geschichtsbücher eingetragen als erster Fahrer, der dieses Rennen 3 Mal in Folge gewinnt. Das hat nicht geklappt." Damit wartet der NASCAR-Champion von 2015 nicht nur weiterhin auf seinen 1. Saisonsieg 2017, sondern er wartet nun auch so lange wie noch nie zuvor in seiner Cup-Karriere auf einen weiteren Sieg.

Truex Jr. gab zu Protokoll: "Ich habe das Auto mit Übersteuern aus der Kontrolle verloren. Es war komplett meine Schuld und es tut mir leid für Kyle. Ich hätte allerdings nicht damit gerechnet, dass er die Kurve derart schneidet. Rückblickend hätte ich die Außenbahn wählen sollen." Bemerkenswert: Als Furniture-Row-Pilot gehört Truex Jr. zum erweiterten Aufgebot von Joe Gibbs Racing und ist damit Quasi-Teamkollege von Kyle Busch...

Stewart/Haas-Crash sorgt für 2. Unterbrechung

Nach dem Crash der beiden Protagonisten erbte ein anderer Gibbs-Pilot die Führung: Matt Kenseth. Doch es gab unterschiedliche Strategien im Feld. Als Kenseth unter Grün an die Box kam, übernahm Brad Keselowski (Penske-Ford) die Führung. Doch 10 Runden vor Schluss gab es eine 2. Rennunterbrechung mit der Roten Flagge. Es sollte nicht die letzte gewesen sein.

Kyle Busch und sein Quasi-Teamkollege Martin Truex Jr. waren nämlich nicht die einzigen, die sich näher kamen als geplant. In Runde 150 gab es einen Crash mit den Stewart/Haas-Teamkollegen Clint Bowyer und Kurt Busch. In diesen war auch Furniture-Row-Pilot Erik Jones verwickelt.

Bowyer und Jones waren ausgangs Turn 4 kollidiert. Kurt Busch konnte nicht ausweichen und krachte in Bowyer. Somit war auch für diese 3 Fahrer vorzeitig Feierabend. Alle zu diesem Zeitpunkt noch im Rennen befindlichen Fahrer mussten im Sinne der Aufräumarbeiten die 2. Rotphase abwarten, bevor es in die chaotische Schlussphase ging.

Chaotische Schlussphase

Die letzten Runden wurden mit Kasey Kahne und Ryan Newman in Reihe 1 in Angriff genommen, nachdem sie die 2. Rotphase nicht zum Boxenstopp genutzt hatten. Dahinter führte Brad Keselowski die Gruppe der Fahrer an, die an der Box waren.

Beim Restart hatten Kahne und Newman aber keinen großen Nachteil. Sie waren im Gegensatz zur Konkurrenz kurz vor der Rotphase unter Grün an der Box gewesen. Kahne diktierte auf der Innenbahn das Tempo, während sich Keselowski direkt an Newman vorbeischob.

5 Runden vor Schluss jedoch gab es einen weiteren Crash auf der Start/Ziel-Gerade. Diesmal war es Kyle Larson (Ganassi-Chevrolet), für den das Rennen gelaufen war. Vorausgegangen war ein Block von Ty Dillon (Germain-Chevrolet), woraufhin Larson nach Kontakt mit Ryan Blaney in die Mauer krachte.

Beim Restart hatte Kasey Kahne ganz vorn wieder die Innenbahn, diesmal aber Brad Keselowski neben sich. Durch die Turns 1/2 fuhren beide nebeneinander, auf der Gegengerade machte der nach einem Getriebewechsel vom Ende der Startaufstellung gekommene Jimmie Johnson (Hendrick-Chevrolet) die 3. Spur auf. Das ging schief. Johnson, dessen Auto qualmte, drehte sich in Turn 3 in die Mauer. Kahne und Keselowski kamen mit viel Glück gerade so davon.

Sieg für Kasey Kahne nach 3. Rotphase

Somit ging es in die Verlängerung. Beim 1. Overtime-Restart wählte Spitzenreiter Kasey Kahne die Außenbahn, Brad Keselowski beschleunigte folgerichtig auf der Innenbahn. Kahne kam nicht gut weg, Keselowski aber schon. Doch direkt dahinter brach ab Reihe 2 rund um Trevor Bayne (Roush-Ford) das Chaos los.

Die resultierende Massenkarambolage noch vor Turn 1 brachte 8 Piloten um die Früchte der Arbeit, darunter neben Trevor Bayne auch Ryan Blaney sowie Austin Dillon (Childress-Chevrolet), Denny Hamlin (Gibbs-Toyota) und Aric Almirola (Petty-Ford). Die Folge war die 3. Unterbrechung des Tages mit der Roten Flagge.

Daraufhin gab es den 2. Overtime-Restart. Dieser sah Brad Keselowski als Spitzenreiter und der wählte diesmal die Außenbahn. Auf der Innenbahn beschleunigte Kasey Kahne. Kahne kam besser weg, übernahm in Turn 1 die Führung und führte das Feld über die Overtime-Linie auf der Gegengerade, während es dahinter um Denny Hamlin, Ty Dillon und Paul Menard (Childress-Chevrolet) ein letztes Mal in diesem Rennen krachte.

Kahne fuhr unter Gelb als Sieger ins Ziel und hat damit seine knapp 3-jährige Durststrecke beendet. Keselowski musste sich knapp geschlagen geben, womit "Captain" Roger Penske beim Brickyard 400 nun schon zum 5. Mal einen Fahrer auf Platz 2 ins Ziel gebracht, aber noch nie einen Sieg gefeiert hat.

Früher Frust im Hendrick-Lager

Im Hendrick-Lager überwog angesichts des Sieges von Kasey Kahne die Freude, doch es herrschte nicht nur gute Laune. Abgesehen vom Crash von Jimmie Johnson beendete auch Dale Earnhardt Jr. das Rennen - sein letztes Brickyard 400 - nicht.

"Junior" war im Getümmel eines Restarts im 2. Rennsegment auf Trevor Bayne aufgefahren und hatte sich dabei den Kühler nachhaltig beschädigt. Chase Elliott war zu diesem Zeitpunkt aufgrund eines Motorschadens schon nicht mehr mit dabei.

Nach dem dramatischen Brickyard 400 geht es am kommenden Wochenende mit dem 2. diesjährigen Auftritt auf dem "Tricky Triangle" in Pocono weiter. Das dortige Juni-Rennen wurde von Ryan Blaney gewonnen.

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Über diesen Artikel
Rennserien NASCAR Cup
Veranstaltung Indianapolis
Rennstrecke Indianapolis Motor Speedway
Fahrer Ryan Newman , Kasey Kahne , Martin Truex Jr. , Brad Keselowski , Kyle Busch
Teams Hendrick Motorsports
Artikelsorte Rennbericht
Tags brickyard, brickyard 400, chaos, crash, cup, durststrecke, gewitter, indianapolis, nascar, restart, unfall, unterbrechung