Wildes Talladega: "Big One", zwei Überschläge und Keselowski-Sieg

Brad Keselowski gewinnt das hochdramatische Restrictor-Plate-Rennen der NASCAR in Talladega: "Big One" mit 21 Autos – Überschläge von Kenseth und Buescher – Crash auf der Ziellinie.

Brad Keselowski (Penske-Ford) ist der Sieger des ebenso spannenden wie dramatischen zweiten Restrictor-Plate-Rennens der Saison 2016 im NASCAR Sprint-Cup. Beim Geico 500 auf dem Talladega Superspeedway überstand Keselowski zehn Gelbphasen und gewann vor Titelverteidiger Kyle Busch (Gibbs-Toyota).

Trotz drohender dunkler Regenwolken ging das Rennen über die volle Distanz von 188 Runden. Die Zieldurchfahrt geschah unter Gelb, weil es kurz vor der Ziellinie einen Crash gab, bei dem sich Kevin Harvick (Stewart/Haas-Chevrolet) um ein Haar am Fangzaun überschlagen hätten. Ricky Stenhouse (Roush-Ford), Martin Truex Jr. (Furniture-Row-Toyota), A.J. Allmendinger (JTG/Daugherty-Chevrolet), Bobby Labonte (FAS-Ford) und Cole Whitt (Premium-Toyota) waren ebenfalls in den finalen Crash verwickelt.

Zuvor hatte das dramatische Rennen bereits eine Massenkollision mit 21 Autos (Runde 161) und je einen Überschlag von Matt Kenseth (Runde 181) und Chris Buescher (Runde 96) gesehen. So dramatisch die Unfälle allesamt aussahen, so schnell gab es Entwarnung, weil sich die betroffenen Piloten jeweils sofort aus eigener Kraft aus dem Auto befreien beziehungsweise in einzelnen Fällen das Rennen sogar fortsetzen konnten.

Bildergalerie: Geico 500 in Talladega

Vierter Talladega-Sieg für Brad Keselowski

Als sich das Chaos nach 188 Runden gelichtet hatte, jubelte Brad Keselowski über seinen zweiten Saisonsieg nach Las Vegas. "In Daytona lief es für uns nicht wie gewünscht, aber hier hatten wir ein richtig schnelles Auto", so der Penske-Pilot, der sich stolze 46 der 188 Führungsrunden gutschreiben ließ und die Meute selbst dann hinter sich ließ, wenn ihm diese in 3-Wide-Formation im Nacken saß.

Vom Chaos, das hinter ihm passierte, bekam Keselowski nicht viel mit. "Wenn du der Spitzenreiter bist, hast du keine Kontrolle darüber, was hinter dir passiert", sagte er und freute sich über seinen bereits vierten Talladega-Sieg: "Das ist einfach überwältigend."

Fotostrecke: Alle Restrictor-Plate-Sieger seit 2005

Der Sprint ins Ziel wurde einläutet durch einen dramatisch aussehenden Überschlag von Matt Kenseth (Gibbs-Toyota). Sieben Runden vor Schluss kam es im Pulk auf der Gegengerade zu einer Berührung zwischen Michael McDowell (Circle/Leavine-Chevrolet) und Danica Patrick (Stewart/Haas-Chevrolet).

Patrick bog nach links ab und erwischte Kenseth, was diesem nach zuvor 39 Führungsrunden aller Chancen beraubte. Auch Joey Logano (Penske-Ford) verlor bei dieser Gelegenheit alle Chancen auf einen möglichen ersten Saisonsieg.

Patricks Stewart/Haas-Chevy schlug heftig in die SAFER-Barrier auf der Innenseite der Strecke ein. Kenseths Gibbs-Toyota tat dies ebenfalls, allerdings mit dem Dach voran. Kaum, dass der wilde Flug beendet war, löste Kenseth sofort das Sicherheitsnetz im linken Seitenfenster: In der NASCAR das eindeutige Zeichen, dass der Fahrer bei Bewusstsein ist. Danica Patrick kam ebenfalls mit dem Schrecken davon.

"Big One" mit 21 Autos

20 Runden zuvor hatte es eine der bei Restrictor-Plate-Rennen stets gefürchteten Massenkollisionen, einen sogenannten "Big One", gegeben. Insgesamt 21 Autos wurden verwickelt, als es Kurt Busch (Stewart/Haas-Chevrolet) mit dem Anschieben am Heck von Jimmie Johnson (Hendrick-Chevrolet) übertrieb.

Neben den beiden ehemaligen NASCAR-Champions waren auch Jamie McMurray, Austin Dillon, Regan Smith, Danica Patrick, Denny Hamlin, Greg Biffle, Ricky Stenhouse, Kyle Busch, Ryan Blaney, Paul Menard, Ryan Newman, David Gilliland, Landon Cassill, Kyle Larson, Aric Almirola, Brian Scott, A.J. Allmendinger, Martin Truex Jr. und Michael McDowell verwickelt.

Videogalerie: Die wildesten NASCAR-Unfälle in Talladega

Die Beschädigungen an den Fahrzeugen fielen dabei unterschiedlich stark aus. Kyle Busch wurde schließlich Zweiter, Austin Dillon Dritter und Jamie McMurray Vierter. Platz fünf ging an Polesitter Chase Elliott, der mit seinem Hendrick-Chevrolet einer der ganz wenigen Fahrer im Feld war, die nicht in einen der zahlreichen Crashs verwickelt waren.

Mehrfacher Überschlag von Chris Buescher

Der "Big One" mit 21 Autos war nicht die erste dramatische Szene im Geico 500. Angesichts des drohenden Regens hieß die oberste Maßgabe zunächst, 94 der 188 angesetzten Runden zurückzulegen. Grund: Sind mindestens 50 Prozent der Renndistanz absolviert, geht das Rennen offiziell in Wertung und wird im Falle von Regenschauern nicht fortgesetzt.

Kaum, dass die Halbzeitmarke erreicht war, krachte es: In der 96. Runde zeigte Chris Buescher (Front-Row-Ford) auf der Gegengerade einen mehrfachen Überschlag. Auslöser war eine leichte Berührung zwischen Jamie McMurray und Austin Dillon.

Dillon erwischte Bueschers Front-Row-Teamkollege David Gilliland und drückte ihn in die äußere Streckenbegrenzung. Gleichzeitig drehte sich Jimmie Johnson nach innen weg. In diesem ganzen Chaos erwischte Michael Annett (HScott-Chevrolet) den gelben Front-Row-Ford von Buescher und schickte ihn in den mehrfachen Überschlag.

"Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich weiß nur, dass ich angeschoben wurde. Ganz ehrlich: Diese Superspeedway-Rennen gehen mir einfach auf den Geist", so Buescher, seines Zeichens amtierender Xfinity-Champion und in diesem Jahr einer von vier Sprint-Cup-Rookies, die ein Vollzeitcockpit haben.

Tony Stewart: "Das ist beschissen"

Was in all den Kaltverformungen beinahe unterging: Der seit dem vergangenen Wochenende wieder aktive Tony Stewart fuhr beim zweiten Rennen seiner letzten NASCAR-Saison wie geplant nicht die komplette Distanz. In Runde 52 übergab Stewart seinen Stewart/Haas-Chevrolet mit der Startnummer 14 während der ersten Gelbphase an Ersatzfahrer Ty Dillon.

"Das ist beschissen", so Stewarts erste Reaktion darauf, dass er sein Cockpit mitten im Rennen räumen musste. Wohl wissend, was der Grund dafür war, schob "Smoke" aber sofort hinterher: "Ich hatte keine Wahl. Wenn ich mir nicht den Rücken gebrochen hätte, dann wäre es jetzt nicht zu dieser Situation gekommen." Ty Dillon lieferte eine tadellose Vorstellung ab und brachte das Auto für den Stewart/Haas-Boss auf Platz sechs ins Ziel. Die 35 dafür vergebenen Punkte für die Sprint-Cup-Gesamtwertung werden gemäß NASCAR-Regelbuch Tony Stewart zugeschrieben.

Auslöser der ersten Gelbphase, die Anlass für den Fahrerwechsel Stewart/Dillon gab, war ausgerechnet ein Crash von Restrictor-Plate-Spezialist Dale Earnhardt Jr. (Hendrick-Chevrolet). "Junior" war gerade dabei, den vom Ende der Startaufstellung losgefahrenen Stewart zu überrunden, als er ausgangs Turn 2 im Windschatten das Auto verlor. Beim Abbiegen nach rechts erwischte der Hendrick-Pilot zu allem Überfluss noch Teamkollege Kasey Kahne. "Ich habe das Auto einfach verloren. Wir müssen wohl unser Setup ein wenig überdenken", so Earnhardt Jr., dem beim Daytona 500 ein vergleichbares Malheur passiert war.

Zwei Crashs von Restrictor-Plate-Spezialist Dale Earnhardt Jr.

Nach langer Reparatur kehrte Earnhardt Jr. ins Rennen zurück, doch in Runde 110 war für den NASCAR-Publikumsliebling endgültig Feierabend: Bei einem in Turn 1 aufgetretenen Defekt am Gibbs-Toyota von Carl Edwards hatte "Junior" keine Chance auszuweichen. Unabhängig davon hatte der Hendrick-Pilot auch selbst Probleme, denn nach dem Reparaturstopp hatte sich kurzzeitig das Lenkrad selbstständig gemacht.

Auch Kasey Kahne sah trotz Rückkehr ins Rennen nach der Kollision mit Earnhardt Jr. nicht die Zielflagge. In der 128. Runde zerlegte er seinen Hendrick-Chevy in Turn 4. Auslöser für den endgültigen Crash war laut Kahne ein Folgeschaden, der aus dem ersten Crash resultierte.

Die Top 10 des ereignisreichen zweiten Restrictor-Plate-Rennens der Saison wurden von Clint Bowyer (HScott-Chevrolet; 7.), Kurt Busch (Stewart/Haas-Chevrolet; 8.), Ryan Blaney (Wood-Ford; 9.) und Trevor Bayne (Roush-Ford; 10.) komplettiert. Unterm Strich ließen sich 17 Piloten mindestens eine Führungsrunde gutschreiben, ein intaktes Auto hatten im Ziel freilich die wenigsten...

Rennergebnis: Geico 500 in Talladega

Weiter geht es am kommenden Wochenende in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit dem Flutlichtrennen auf dem Kansas Speedway.

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Über diesen Artikel
Rennserien NASCAR Cup
Veranstaltung Talladega
Rennstrecke Talladega Superspeedway
Fahrer Matt Kenseth , Kevin Harvick , Brad Keselowski , Chris Buescher
Teams Team Penske , Joe Gibbs Racing , Stewart-Haas Racing , Front Row Motorsports
Artikelsorte Rennbericht