Fanprojekt: NASCAR Team Germany?

Neue Wege, neuer Anlauf: Gelingt es Stefan Oberndorfer, mit Hilfe der Fans in der NASCAR Whelen Euro Serie ein deutsches Team an den Start zu bringen?

Frankreich, Spanien, Italien, England, Österreich, Schweiz, Belgien, die Niederlande, zuletzt sogar Israel, Brasilien und viele andere Länder mehr: Die NASCAR Whelen Euro Series (NWES) hat sich in den vergangenen Jahren zu einer waschechten Stock-Car-Europameisterschaft entwickelt.

2012 erlangte die NWES den Status einer offiziell von NASCAR sanktionierten Serie, seit 2013 ist mit Whelen ein potenter Titelsponsor an Bord. 2014 fuhr man unter anderem im Rahmenprogramm des Truck-GP-Wochenendes auf dem Nürburgring.

Was der Automobilnation Deutschland allerdings bislang fehlte, war ein deutsches Team oder wenigstens ein deutscher Pilot.

Das könnte sich nun ändern.

Zumindest wenn es nach Stefan Oberndorfer geht. Der 56-jährige Münchner ist nicht nur seit über 30 Jahren im Rennsport unterwegs. Er betreibt auch seit vielen Jahren eine eigene NASCAR-Fahrschule auf dem Lausitzring und bald auch auf dem neuen Oval in der Nähe von Meppen.

"Ich bin so ziemlich alles gefahren, was vier Räder hat", sagt der bekennende NASCAR-Enthusiast gegenüber Motorsport.com. "Formelwagen, Sportwagen, Tourenwagen, Dragster"

"Auch in den USA habe ich einige Zeit auf den dortigen Ovalen verbracht und seit 2015 fahre ich in den Niederlanden in einer Late-Model-Serie mit. Auch da gibt es jede Menge US-Feeling, weil sie auf einem Oval stattfindet und mit reinrassigen V8-Boliden gefahren wird."

"Einer meiner Träume war und ist es immer noch, einmal an einer von NASCAR sanktionierten Serie teilzunehmen", betont Oval-Spezialist Oberndorfer. "Da diese nun in Europa existiert, ist dieser Wunsch auch gar nicht so abwegig. Es fehlt jedoch an der Finanzierung."

Crowdfunding statt Groß-Sponsoren

In der Tat ist Deutschland in Sachen StockCar-Sponsoring ein weißer Fleck auf der Landkarte. Das hat auch der Münchner in den vergangenen Jahren am eigenen Leib verspüren müssen: Die Sponsorensuche blieb erfolglos.

Warum? "Beim Thema NASCAR verdrehen in Deutschland viele sogenannte Fachleute die Augen, weil es ja nur im Kreis herumgeht", schildert er. "Doch mittlerweile hat sich hierzulande eine richtig engagierte, treue NASCAR-Fangemeinde entwickelt."

"Und so kam mir die Idee, ob man die Begeisterung für den NASCAR-Sport nicht kanalisieren, und in ein erfolgsversprechendes Projekt packen könnte. Auf diese Art und Weise entstand die Idee zum Crowdfunding, obwohl es dies im herkömmlichen Sinne eigentlich gar nicht ist. Nennen wir es besser ein Fanprojekt."

Und so soll es funktionieren: "Es geht es darum, dass alle Fans und Anhänger der deutschen NASCAR-Szene einen Betrag in jeder erdenklichen und beliebigen Höhe dafür einzahlen können, um Teil des ersten deutschen NASCAR-Teams zu werden."

"So etwas hat es noch nie gegeben und wird es so schnell wahrscheinlich auch nicht wieder passieren.

"Auch kleine Beträge sind willkommen, am Ende zählt das Ganze."

Nach dem Motto: Wenn Sponsoren und Fachleute mit dem Kopf schütteln, dann hilft nur noch die Eigeninitiative.

Das erste Etappenziel sind laut Oberndorfer 25.000 Euro, die ersten Beträge sind bereits eingetroffen.

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Rahmenbedingungen passen

Die Vorbereitungen sind bereits in vollem Gange. Oberndorfer berichtet: "Ein erfahrenes Team steht Gewehr bei Fuß, mein Crewchief ist ein Kanadier, der seit zwanzig Jahren nichts anderes als Racing macht. Das Auto wird gerade aufgebaut und dürfte bis Ende März fertig sein."

Noch ist also genügend Zeit. Der Saisonauftakt der NASCAR Whelen Euro Serie erfolgt am 23. April 2016 im spanischen Valencia. Danach geht es auf den wunderschönen Short-Track im niederländischen Venray (15./16. Mai), dann folgen Brands Hatch und das kleine, flache Oval im französischen Tours.

Nach der Sommerpause besucht die NWES noch den Adria Raceway in Italien und zum Finale im Oktober das belgische Zolder.

Natürlich bekommen die Fans einen einen entsprechenden Gegenwert.

"Zum Beispiel durch ein Foto oder einen Schriftzug auf dem Auto oder, bei einem größeren Engagement, als Gast-Teammitglied direkt an der Strecke, um das Projekt hautnah und live mit zu verfolgen. Alles ist möglich!"

Oberndorfer weiß: "Damit hat man als Fan endlich einmal die Möglichkeit, das wirkliche Rennfeeling nicht nur von der Tribüne, sondern als Teil des ganzen Geschehens mit zu erleben. Mehr NASCAR geht in Deutschland absolut nicht."

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