Horst Saiger: Wheelies, Wheelies, Wheelies

Horst Saiger zieht nach der North West 200 eine gemischte Billanz: Neben zu vielen Regenreifen im Gepäck, hat er zu wenige Vorderreifen gebraucht.

Wenn einer früh bis spät nur arbeiten geht, um sich seinen Lebenstraum zu erfüllen, dann sagt das ziemlich viel aus. An sich schon.

Wenn derjenige dann auch noch in zwei Punkten verkalkuliert, dann ist das die Road-Racing-Ulknudel Horst Saiger. Der gebürtige Österreicher ist dabei keineswegs einer, der Schmarrn quatscht und nichts leistet. Im Gegenteil! Saiger hat sich im vorderen Feld der besten Straßenrennfahrer etabliert.

Was Fans und Fahrerkollegen aber an ihm schätzen, ist sein lockeres Mundwerk – und dass er aus allem einen Scherz drehen kann.

So zum Beispiel letzte Woche bei der North West 200 in Nordirland, wo es normalerweise wie aus Gieskannen „schifft“. Im Live-Stream zum Event, weil die Sonne schien, dachten die Moderatoren Saiger würde sich einmal nicht über das Wetter beschweren. Fehlanzeige. „Seid’s deppert, ich hab nen ganzen Bus voll Regen- und Intermediate-Reifen mit, ich bin maßlos enttäuscht“, grinste der sympathische Kawasaki-Pilot in die Kamera.

Motorsport.com hat Saiger nun nach der North West 200 – und kurz vor dem Start des berühmtesten Rennens der Welt, der Isle of Man TT, Rede und Antwort gestanden.

„Wir sind jetzt mit zwei Bussen auf der Isle of Man angekommen“, beginnt Saiger seine Ausführungen.

„Der Samstag auf der North West war ziemlich lang, gerade mit dem traurigen Ausgang, wie ihr ja sicher alle wisst.“

Malachi Thomas-Mitchell hatte im SuperTwin-Rennen nach einem Sturz sein Leben verloren und die noch beiden anstehenden Rennen von jeweils ein Mal Superbike und Superstock wurden abgesagt.

Wheelie, Wheelie, Wheelie

Saiger hätte am letzten Samstag fünf Rennen bestreiten müssen: Ein Mal Supersport und je zwei Mal Superbike und Superstock.

„Für mich war es sowieso hart, weil ich gedacht habe: Fünf Rennen hintereinander, das schaffe ich gar nicht“, so der Österreicher, der im Vorjahr bei er NW200 schwer gestürzt war und dann die Isle of Man TT auslassen musste.

„Mit den 1000er-Motorrädern vier Rennen, das ist ziemlich am Anschlag, vor allem, wenn die Motorräder noch nicht sehr ruhig liegen. Da verkrampfen auch die Unterarme sehr schnell.“

"Somit kann ich nie richtig durchbeschleunigen. Das Einzige, was daran jetzt wirklich schlecht ist, ist, dass ich nicht richtig durchbeschleunigen kann." - Horst Saiger

„Wir haben dann immer alles umgebaut, umgebaut, umgebaut, immer wieder. Ich habe das erste Mal in meinem Leben das Problem, dass ich zu viel Motorleistung habe. Der Motor hat Wahnsinns-Leistung, aber leider bleibt das Vorderrad nie am Boden.“

„Somit kann ich nie richtig durchbeschleunigen. Das Einzige, was daran jetzt wirklich schlecht ist, ist, dass ich nicht richtig durchbeschleunigen kann. Und das müssen wir in den Griff bekommen.“

„Im ersten Rennen bei der North West war ich nach der ersten Kurve im Wheelie raus, Wheelie, Wheelie, Wheelie. Ich habe das Vorderrad einfach nicht an den Boden gebracht.“

„Da habe ich dann die Richtung über die Linkroad nicht richtig erwischt und der Jeremy McWilliams ist mir voll ins Motorrad gefahren, hat dabei meinen Kupplungshebel weggerissen und auch in die Verkleidung vorn ein riesen Loch rein geschlagen. Den Kotflügel hat es auch noch erwischt.“

Alle Fotos von der North West 200

„Ohne Kupplungshebel habe ich gedacht ich muss aufhören und bin im Kreisverkehr links rein gefahren, bin nur noch langsam gerollt und wollte gerade stehenbleiben. Da fiel mir ein: Mein Gott, das Motorrad hat doch eine Blipper-Funktion, du kannst doch weiterfahren.“

Beim Blipper wird die Kupplung heute nur noch zum Anfahren und Anhalten gebraucht, die Hoch- und Runter-Schaltvorgänge finden elektronisch per Schaltautomat statt.

„Da habe ich das Rennen wieder aufgenommen, natürlich als Stock-Letzter von der Gruppe, was ja aber egal war, denn danach war ja gleich Rennabbruch.“

„Dann haben wir für jedes Rennen immer wieder umgebaut, umgebaut, umgebaut. Was wir jetzt wenigstens herausgefunden haben ist ein Weg, der überhaupt nicht funktioniert.“ - Horst Saiger

Saiger bleibt aber optimistisch. Die North West 200 diente hauptsächlich als Vorbereitung auf die Isle of Man TT-Rennen, welche in rund zwei Wochen losgehen. Doch auch wenn beides Straßenkurse sind, ist der Charakter von Triangle- und Mountain-Course doch sehr unterschiedlich.

„Für die Isle of Man habe ich jetzt sehr viel gelernt“, so Saiger weiter. „Wenn das Motorrad dort ruhig liegt und gut zu fahren ist, dann ist das die halbe Miete – das Wheelie-Problem werden wir dort so nicht haben.“

„Dort gibt es keine Schikanen, wo man das Motorrad schnell aufstellen muss und voll durchbeschleunigt, dort werden wir diese Probleme nicht haben.“

„Trotzdem haben wir noch viel Arbeit“, macht der Kawasaki-Pilot klar.

Saiger kommt auch nicht umher, noch einmal auf den Verlust von Mitchell-Thomas einzugehen.

„Traurig ist natürlich, dass der Junge, der sicher ein Mega-Talent war, dort sein Leben hat lassen müssen“, grübelt der Österreicher. „Der Unfall war genau auf der gleichen Stelle wie zwei Tage zuvor der Ryan Farquhar. Du siehst also, dass es auch komplett einen treffen kann, der es schon 20 Jahre gemacht hat und schon alle Rennen, die es in Irland gibt, gewonnen hat, Rekordsieger ist.“

„Aber eben auch einen ganz jungen, der noch nie dort war. Im Supersport Rennen hat er eine wahnsinnige Leistung gezeigt und war als Newcomer schon auf dem vierten Platz. Ich denke, bei dem ist die ganze, große Zukunft verloren gegangen. Es ist natürlich doppelt traurig, wenn es einen so ganz jungen, tollen Fahrer erwischt.“

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Über diesen Artikel
Rennserien Straßenrennen , Motorrad
Veranstaltung North West 200
Rennstrecke The Triangle
Fahrer Horst Saiger
Artikelsorte News
Tags horst saiger, kawasaki, north west 200, nw200, real road racing, road racing, straßenrennen