Cyndie Allemann

Kolumne von Cyndie Allemann: "Die Formel E passt zur Schweizerischen Mentalität“

Unsere Kolumnistin äussert sich zum anstehenden ersten Rennen der Formel E in der Schweiz, zu den jüngsten Äusserungen von Carmen Jordá und zur Situation von weiblichen Piloten im Allgemeinen.

Nun hat die Motorsportsaison 2018 also begonnen. Im Juni wird das erste Formel-E-Rennen auf Schweizer Boden stattfinden. Ich würde mir natürlich wünschen, dass dadurch die Türen auch für andere Rennserien geöffnet werden, doch das dürfte schwierig werden. 

 

Die Formel E passt zur Schweizerischen Mentalität aufgrund des ökologischen Aspekts. Man hat damit aber grundsätzlich einen wichtigen Schritt gemacht: Die Schweiz bewilligt ein Autorennen in den Strassen einer der wichtigsten Städte des Landes.

Ein Rennen in einer Schweizer Stadt – unglaublich! Hoffentlich erkennen die Behörden den positiven Effekt einer solchen Veranstaltung, beispielsweise auf den Tourismus. Und vielleicht resultiert das Ganze ja sogar im Bau einer brandneuen Strecke, was sowieso dringend notwendig wäre. 

Aber wir müssen uns bewusst sein, dass es gar nie so weit gekommen wäre, wenn es sich hierbei nicht um ein Rennen mit elektrisch angetriebenen Rennwagen handeln würde. Für mich persönlich wird es mit Sicherheit gewöhnungsbedürftig sein, ein solches Rennen zu schauen.

Ich verbinde den Motorsport noch immer stark mit dem Lärm und dem aggressiven Charakter. Es wird seine Zeit brauchen, bis man sich daran gewöhnt hat, nur noch das Geräusch eines Elektromotors zu hören.

Eine Frau in der F1? Wolff war nicht weit weg von den Besten!

Ich möchte auch auf die kürzlich von Carmen Jorda gemachten Aussagen bezüglich Frauen im Motorsport zu sprechen kommen. Als sie im Rahmen eines E-Prix einen Formel-E-Wagen testen konnte, wurde sie von einem Journalisten gefragt, ob sie finde, ein Formel E sei für eine Frau einfacher zu fahren.

 

Jorda antwortete: "Ich denke schon. Es ist ein Auto, das körperlich weniger anstrengend ist als ein Formel 1. Das ist klar. Das Problem, das wir Frauen in der Formel 2 und der Formel 1 haben, ist ein körperliches, und ich denke, in der Formel E werden wir das nicht haben.“ 

 

 

"[...] Es ist nicht an mir, zu entschieden, was im Motorsport gut oder schlecht für die Frauen ist, doch aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass es in der Formel 2 und in der Formel 1 eine körperliche Hürde gibt. Ich glaube, dass das ein grosses Problem für die Frauen ist, und dass es deswegen keine weiblichen Piloten in diesen Meisterschaften hat.“ 

Es scheint, dass Jordá niemals einen F1 auf der Strecke getestet hat – so lange man nicht wirklich damit gefahren ist, sollte man auch nicht darüber urteilen. Andere Frauen, die Tests gefahren sind, haben sehr gut abgeschnitten, beispielsweise Susie Wolff (ex-Williams), die nicht weit hinter den Referenzzeiten ihrer männlichen Kollegen zurücklag. Wenn es wirklich zu schwierig oder körperlich zu anstrengend wäre, hätte sie das niemals geschafft. Es ist eine Frage des Willens und des Trainings.

Vielleicht ist ein Formel E tatsächlich einfacher zu fahren, doch wenn man sich die Fahrer anschaut, die dort fahren, wird klar, dass es sich um eine sehr hochklassige Meisterschaft handelt. Es hat viele Piloten mit enorm viel Talent, die es aber nie in die Formel 1 geschafft haben oder sich dort nicht festsetzen konnten, aus welchen Gründen auch immer.

 

Nun, Carmen Jordá ist in den letzten Jahren mit ihren Leistungen nie in der Lage gewesen, an der Spitze mitzumischen, egal, wo sie angetreten ist, und oft reichte es nicht mal für die Punkte. Von daher fand ich ihre Aussagen ziemlich unangebracht, auch wenn sie das Ganze im Anschluss versucht hat zu relativieren.

Zuerst Tatiana Calderón in die F1, danach Sophia Flörsch

Es ist gut, dass Tatiana Calderon Testpilotin bei Sauber ist. Das ist eine gute Chance für sie und ihr Name wird dadurch bekannt. Jetzt müssen einfach noch die entsprechenden Resultate kommen. Sie ist drei Saisons in der Formel 3 gefahren, und nun bereits zwei in der GP3.

Ich glaube nicht, dass sie von Sauber einfach nur deswegen engagiert wurde, weil sie eine Frau ist, denn das würde sich im Endeffekt für das Team nicht auszahlen. Sie hat bereits bewiesen, dass sie schnell ist, aber man muss das immer wieder zeigen, um sich die Türen zur Formel 1 offen zu halten. 

Ich würde ihr natürlich wünschen, dass sie es schafft, aber dazu muss sie mit dem Schweizer Team Jenzer Motorsport weiterhin gute Resultate in der GP3 abliefern. Ich denke, sie muss im Minimum regelmässig in die Top 10 kommen.

Daneben verfolge ich auch aufmerksam die Karriere von Sophia Flörsch. Sie ist erst 17 Jahre alt und fuhr die letzten Saisons in der Formel 4. Ihre Leistungen waren sehr vielversprechend, aber ich wiederhole mich noch einmal: Es ist auch wirklich wichtig, dass die Frauen gute Resultate bringen. 

 

Sie sollen nicht nur aus wirtschaftlichen Interessen in die Formel 1 kommen, oder weil sie schön angezogen sind. Es sind die Leistungen auf der Strecke, die entscheidend sein müssen.

Ich wünsche Ihnen allen eine gute Saison 2018! 

Matthias Malmedie et Cyndie Allemann
Matthias Malmedie et Cyndie Allemann

Photo de: Vodafone Deutschland

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Über diesen Artikel
Rennserien Special projects , Formel 1 , Formel E
Veranstaltung Kolumne: Cyndie Allemann
Unterveranstaltung Kolumne
Fahrer Cyndie Allemann , Carmen Jorda , Tatiana Calderon , Sophia Flörsch
Teams Sauber , Williams , Jenzer Motorsport
Artikelsorte Chronologie
Tags formel 1, formel e, frauen, schweiz
Topic Cyndie Allemann