Carl Fogarty exklusiv (2/6): WSBK wegen Rea zu nett und zu vorhersehbar

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Carl Fogarty exklusiv (2/6): WSBK wegen Rea zu nett und zu vorhersehbar
Autor: Sebastian Fränzschky
18.12.2018, 08:08

Im zweiten Teil der exklusiven Interviewreihe spricht Carl Fogarty über Jonathan Reas Charisma und erinnert sich an Charaktere wie John Kocinski und Colin Edwards

Jonathan Rea ist mit einem Blick in die Statistik der Superbike-WM der erfolgreichste Fahrer. In der abgelaufenen Saison holte der Kawasaki-Pilot seinen vierten WM-Titel und zog mit WSBK-Legende Carl Fogarty gleich. Bereits im Sommer überholte er "King Carl" bei der Anzahl der Laufsiege. Doch trotz der sportlichen Erfolge gelingt es Rea nicht, die Massen so zu begeistern, wie es "Foggy" in den 1990ern tat. Im zweiten Teil der exklusiven Interviewreihe spricht Fogarty über Reas Charisma und vergleicht ihn mit MotoGP-Pilot Cal Crutchlow.

Im Spätsommer machte Dorna-Manager Gregorio Lavilla auf sich aufmerksam, als er Rea fehlendes Charisma unterstellte. Mangelt es Rea tatsächlich an Persönlichkeit? "Ich stimme nicht zu", kommentiert Fogarty und erklärt: "Ich denke, dass die heutigen Fahrer keine Persönlichkeiten mehr sein dürfen. Sie können nicht mehr sagen, was sie möchten, wie ich, Scott Russell, John Kocinski oder Colin Edwards es taten. Die Sponsoren wünschen sich diese ganzen Nettigkeiten, wie es bei Rossi der Fall ist."

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Carl Fogarty, Ducati

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Superbike-Weltmeister 1999: Carl Fogarty, Ducati

Superbike-Weltmeister 1999: Carl Fogarty, Ducati
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Carl Fogarty, Ducati

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Fogarty ist von der aktuellen Superbike-WM gelangweilt. "Ein Brite gewinnt beinahe jedes Rennen. Und wenn der eine Brite nicht gewinnt, dann gewinnt ein anderer Brite. Normalerweise sind drei Briten in den Top 3. Das sollte für die Fans fantastisch sein. Doch das ist es nicht, weder für die Fans noch für mich. Wir möchten einen Briten sehen, der gegen einen Fahrer aus den USA oder aus Australien kämpft und ihn nicht mag, wie es zu meiner Zeit der Fall war. Aktuell ist es alles zu nett, zu sicher, zu langweilig und zu vorhersehbar", stellt Fogarty im Gespräch mit 'Motorsport.com' fest.

Jonathan Rea vs. Cal Crutchlow

WSBK-Champion Rea fuhr in der abgelaufenen Saison von Sieg zu Sieg und war von Juni an ungeschlagen. Euphorisiert von der Erfolgswelle ließ sich der sonst eher bescheidene Nordire dazu hinreißen, sehr selbstbewusste Interviews zu geben. Im Gespräch mit uns erklärte Rea, dass er überzeugt ist, in der MotoGP bessere Ergebnisse erreichen zu können als Cal Crutchlow. Die Karrieren der beiden Briten kreuzten sich teilweise. Oft war tatsächlich Rea derjenige, der sich durchsetzen konnte.

"Schwierig zu sagen, welcher der beiden der bessere Fahrer ist", grübelt Fogarty. "Ich weiß es nicht. Es ist sehr schwierig, das festzulegen. Beide sind richtig gut, sehr schnell und talentiert. Ich denke, Jonathan Rea ist konstanter. Vielleicht ist er aber auch nur konstanter, weil er in der WSBK fährt und nicht in der MotoGP."

MotoGP-Chance nicht richtig genutzt?

Vor sechs Jahren erhielt Rea die Chance, sein Talent in der MotoGP zu beweisen. Er sprang in Misano und in Aragon ein, um Casey Stoner im Honda-Werksteam zu ersetzen. Rea beendete beide Rennen in den Top 8, erhielt daraufhin aber nie wieder die Chance, in der Königsklasse zu fahren.

Jonathan Rea, Repsol Honda Team

Jonathan Rea, Repsol Honda Team

Foto: Repsol Media

"Er hat die Welt nicht in Brand gesteckt. Er fuhr sehr vorsichtig", kommentiert Fogarty die Einsätze von Rea. "Vielleicht würde er mehr riskieren und ans Limit gehen, wenn er noch einmal die Chance bekommen würde. Er fuhr sehr sicher und verhielt sich sehr erwachsen. Ich hätte es anders gemacht, wenn ich diese Chance bekommen hätte. Vielleicht hat es ihm nicht gerade geholfen."

Fogarty kann Reas MotoGP-Absage verstehen

Im Sommer beendete Rea alle MotoGP-Spekulationen und verlängerte für zwei weitere Jahre bei Kawasaki. "Ich glaube, Jonathan hatte Chancen, zu wechseln. Ich bin mir aber nicht sicher. Er wollte lieber in der WSBK bleiben und diesen Weg fortführen. Man kann es ihm nicht vorwerfen", bemerkt Fogarty.

 

"Wenn man in die MotoGP wechselt, dann will man das beste Motorrad fahren. Wenn man zwei Jahre Zeit bekommt, dann kann man gewinnen. Diese Chancen gibt es aber nicht allzu oft. Normalerweise landet man in einem Satelliten-Team und dann auch nur für ein Jahr. Es ist schwierig, zuzusagen, wenn man so etwas Gutes hat wie er mit Kawasaki in der Superbike-WM", so Fogarty.

Familie wichtiger als MotoGP?

Die Familie nimmt in Reas Leben einen wichtigen Stellenwert ein. Die beiden Söhne begleiten Rea oft zu den Europarennen. "Ich hatte das gleiche Problem. Ich wurde als Familienmensch angesehen. Zu meiner Zeit hatte niemand eine Familie. Ich hatte im Alter von 25 oder 26 Jahren zwei Kinder. Das half sicher nicht. Jonathan steckt bezüglich der Kinder in der gleichen Situation. Unsere Wege sind sich sehr ähnlich - sehr sehr ähnlich sogar", vergleicht "Foggy".

Jonathan Rea, Kawasaki Racing

Jonathan Rea, Kawasaki Racing

Foto: Gold and Goose / LAT Images

Waren die Kinder ein Hindernis in Reas Karriere? "Ich denke nicht, dass das der Fall war und wenn es der Grund war, dann sollte das nicht so sein. Man sollte danach beurteilt werden, wie schnell man ein Motorrad fahren kann. Und er ist bei allen Bedingungen sehr schnell. Er fährt richtig aggressiv und gleichzeitig sehr sanft. Er ist in allen Bereichen stark, während Cal nur in den meisten Bereichen stark ist, aber nicht in allen."

Im dritten Teil der exklusiven Interview-Reihe mit Carl Fogarty werden das Ende der Zweizylinder in der Superbike-WM und die enttäuschende Bilanz der Ducati Panigale thematisiert.

Bisherige Stories:
Carl Fogarty exklusiv (1/6): Als die WSBK größer war als der Grand-Prix-Sport

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Rennserie Superbike-WM
Fahrer Jonathan Rea , Carl Fogarty
Autor Sebastian Fränzschky