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Chance oder Gefahr: Wird die Superbike-WM in wenigen Jahren elektrisch?

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Chance oder Gefahr: Wird die Superbike-WM in wenigen Jahren elektrisch?
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18.12.2018, 08:41

Die Hersteller rüsten sich für die Zukunft: Wir sind im Fahrerlager der WSBK auf Stimmenfang gegangen und haben bei Fahrern und Managern Meinungen eingeholt

Ab der Saison 2019 bereichert die MotoE bei fünf Rennwochenenden das Rahmenprogramm der MotoGP. Auch wenn momentan kaum elektrisch angetriebene Motorräder verkauft werden, so lässt sich der Trend zu E-Antrieben nicht aufhalten. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Verbrennungsmotoren durch Elektromotoren ersetzt werden. Durch die direkte Verknüpfung zur Serie wird die Superbike-WM laut Experten eher betroffen sein als der Grand-Prix-Sport. Wir haben uns in der abgelaufenen WSBK-Saison mit Fahrern und Teammanagern über das Thema E-Racing unterhalten.

"E-Bikes sind toll, um die Technologie zu präsentieren und keine Schadstoffe auszustoßen", erklärt Jonathan Rea, outet sich wenig später aber als Gegner einer rein elektrisch angetrieben Rennserie: "E-Bikes sind kein echter Rennsport. Es gibt keinen Sound und keine Atmosphäre. Ich lebe auf der Isle of Man und habe das TT-Zero-Rennen verfolgt. Da herrscht überhaupt keine Atmosphäre. In meinen Augen gehören Motorräder, Benzin, Sound und Atmosphäre zusammen. Ich bin aber von der Technologie der E-Bikes fasziniert."

Superbike-Routinier Marco Melandri hat ebenfalls eine klare Meinung und sieht die MotoE eher als eine Art Entertainment an: "Elektrisch angetriebene Motorräder sind vermutlich die Zukunft. Im Moment ist es eine reine Show und kein echter Sport. Die Motorräder sind sehr schwer und halten nicht lange durch. Ich bin mir nicht sicher. Die Autos in der Formel E sind unterhaltsam für die Zuschauer. Ich weiß aber nicht, ob sie sich gut fahren lassen"

 

"Das Gute an der MotoE ist, dass viele Leute zuschauen werden, weil es an den MotoGP-Wochenenden stattfindet. Doch andererseits wird es so sein, dass die MotoE im direkten Vergleich mit der MotoGP eine andere Welt ist. Die Leute mögen den Sound der MotoGP", weiß Melandri.

Chaz Davies: E-Motoren hoffentlich erst nach dem Karriereende

Ex-Teamkollege Chaz Davies hat sich ebenfalls mit dem Gedanken beschäftigt, in Zukunft elektrisch angetrieben zu werden. "Es ist vermutlich die Zukunft. Ich schaue im April zum ersten Mal ein Formel-E-Rennen, als die Serie in Rom gastierte. Ich schaute zumindest einen Teil der Übertragung. Ich denke, die meisten Leute werden zustimmen, dass es bedauerlich ist, diesen Weg einzuschlagen. Andererseits leben wir im Jahr 2018 und es gibt gute Gründe für den Wechsel", schildert der Waliser.

Chaz Davies, Aruba.it Racing-Ducati SBK Team

Chaz Davies, Aruba.it Racing-Ducati SBK Team

Foto: Gold and Goose / LAT Images

"Ich weiß nicht so recht. Ich denke, der Zeitpunkt ist richtig, um diese Meisterschaft zu starten. Ich hoffe, dass ich nicht bald ein E-Motorrad fahren muss. Ehrlich gesagt hoffe ich, dass ich den Rest meiner Karriere mit den Verbrennungsmotoren bestreiten kann", kommentiert Davies. "Ich kann die Beweggründe aber gut nachvollziehen, warum es 2019 ein Teil der MotoGP ist. Ich verstehe die Politik dahinter, warum die Dorna es macht. Eines Tages wird es darauf hinauslaufen, doch das dürfte noch eine Weile dauern. Man kann sich aber nie sicher sein. Alles verändert sich ziemlich schnell. Es bleibt interessant."

Jake Gagne: Entkoppelt sich der Rennsport von der Serie?

Und auch Jake Gagne outet sich als absoluter "Petrolhead": "Ich denke, die meisten Leute werden zustimmen, dass wir den Motorsport lieben, weil sich alles um Motoren dreht. Ich bin gespannt, wie die Leute auf die MotoE reagieren. Ich muss aber für mich sagen, dass ich ein großer Fan von richtigen Motoren bin. Ich mag den Klang, ich mag den Geruch und das Gefühl. Doch die Technologie entwickelt sich weiter."

MotoE-Bike

MotoE-Bike

Foto: Gold and Goose / LAT Images

"Eines Tages könnten elektronisch angetriebene Motorräder richtig schnell sein. Es ist eine interessante Entwicklung, doch ich bin und bleibe ein Fan von echten Motoren", gesteht der US-Amerikaner. "Je mehr Elektroautos es auf den Straßen gibt, desto mehr werden die Leute den Motorsport zu schätzen wissen. Vielleicht wird es eines Tags so kommen, dass es auf den Straßen keine Verbrennungsmotoren mehr gibt, doch im Rennsport schon, weil es für die Zuschauer spannender ist. Das wird die Zeit zeigen."

Ronald ten Kate: "Es Spaß macht, Benzin zu verbrennen"

WSBK-Urgestein Ronald ten Kate ist überzeugt, dass es zu einem Wechsel kommen wird. Richtig vorstellen kann er es sich aber noch nicht: "Irgendwann wird es in der Zukunft soweit sein, dass wir aufhören, Verbrennungsmotoren zu verwenden und auf elektrisch angetriebene Fahrzeuge setzen. Ich gehe davon aus, dass wir diese Umstellung im Autobereich ziemlich bald erleben werden. Die Motorradbranche wird mit einer Verzögerung nachziehen. Der Grund dafür ist, dass Motorrad hauptsächlich zum Spaß genutzt werden."

"Und es ist nun einmal so, dass es Spaß macht, Benzin zu verbrennen. Ich vermute, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis man auch im Rennsport zu E-Bikes wechselt. Es ist gut, dass die Industrie ein Auge darauf geworfen hat. Ich habe aber Probleme damit, mir vorzustellen, dass die Umstellung bereits in den kommenden fünf Jahren über die Bühne geht. Es dürfte eine Weile länger dauern", prophezeit der Holländer.

 

"Ich weiß noch, wie es war, mit Vergasermotoren zu arbeiten. Der Wechsel zu den Einspritzermotoren war für uns eine Revolution. Ich hadere damit, mir vorzustellen, mit elektronisch angetriebenen Motorrädern zu fahren", so ten Kate.

WSBK-Manager Kervin Bos: E-Racing ist kein echter Rennsport

Und auch Ex-Teammanager Kervin Bos wünscht sich, noch eine Weile mit Verbrennungsmotoren zu fahren: "Ich liebe Motoren. E-Racing ist im Moment kein echter Rennsport in meinen Augen. Das ist aber nur meine persönliche Meinung. Als ich das TT-Zero-Rennen auf der Isle of Man sah, hatte ich nicht das gleiche Gefühl wie bei einem richtigen Rennen. Man spürt nicht die Begeisterung, die ein richtiges Motorrad erzeugt – den Sound, die Drehzahl, die Möglichkeiten bei den Einstellungen und so weiter. Sicher wird es die Zukunft sein. Ich kann mir aber auch Hybridlösungen wie in der Formel 1 vorstellen."

 

"Superbike-Rennsport bedeutet, käufliche Motorräder an ihr Limit zu bringen. Wenn es in zehn Jahren elektrische Superbikes gibt, dann werden wir sicher damit fahren. Ich kann es mir momentan aber nicht vorstellen, dass es in zehn Jahren soweit ist. Es ist für alle ein grauer Bereich. Ich kann mir aber überhaupt nicht vorstellen, dass wir ein volles Superbike-Starterfeld mit E-Bikes haben und Fahrer geräuschlos vor 50.000 Leuten starten", so der ehemalige Teammanger des Ten-Kate-Teams.

In der Formel E engagieren sich zahlreiche Hersteller, um ihre Marke zu promoten. "Jeder möchte seiner Marke gern einen grünen Anstrich verpassen. Die Herstellung der Batterien fügt der Umwelt aber einen viel größeren Schaden zu. Ich habe das Gefühl, dass die Leute das irgendwann hinterfragen werden. Was passiert dann?", fragt Bos.

Bei den MotoGP-Events in Jerez (Spanien), in Le Mans (Frankreich), auf dem Sachsenring (Deutschland), in Spielberg (Österreich) und Misano (Italien) können die Fans die MotoE erleben. Im Starterfeld tauchen bekannte Fahrer wie Sete Gibernau, Randy de Puniet, Bradley Smith und Nico Terol auf.

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Rennserie Superbike-WM , MotoE
Autor Sebastian Fränzschky