WSBK-Ausblick 2019: Wenn Ducati keinen V2 mehr einsetzt...

Ducats V2-Superbikes bescherten der Superbike-WM jahrzehntelang einen besonderen Touch und einige Kontroversen, doch ab 2019 ist damit Schluss.

Das Ende naht, zumindest wenn es um die Zukunft der Zweizylinder in der Superbike-WM geht. Seit der WSBK-Debütsaison 1988 duellierten sich stets Vierzylinder mit den V2-Superbikes von Ducati. Die Italiener gewannen mit der 851/888, 916/996/998, 999 und 1098/1198 zahlreiche Titel und gaben der Serie eine besondere Note. Das aktuelle Superbike, die Ducati Panigale, steht vor ihrer finalen Saison in der Serie und wird 2019 vom V4-Nachfolger abgelöst. In der Saison 2018 hat Ducati somit zum letzten Mal die Chance, mit der V2-Panigale einen Titel einzufahren. Ansonsten wäre die 1199 das erste Modell von Ducati, das in der WSBK leer ausgeht. Wird der Superbike-WM ohne die bollernden V2-Ducatis etwas fehlen?

"Die Panigale R erfüllt nicht die Euro4-Norm und wird deshalb nicht mehr angeboten. Lediglich die Panigale 1299 erfüllt diese Norm, doch wir dürfen maximal 1200 Kubikzentimeter haben", begründet Ernesto Marinelli im Gespräch mit 'Motorsport.com' das drohende Aus für die Zweizylinder. Der Italiener war bis Ende der abgelaufenen Saison für das Superbike-Projekt von Ducati verantwortlich, verabschiedete sich aber nach dem privaten Test in Jerez Ende November und wird ab 2018 für Auspuffhersteller Termignoni tätig sein.

"Ich blicke auf 20 Jahre zurück, in denen ich mit Ducati Zweizylinder an den Start schickte. Wir arbeiten aber gleichzeitig auch in der MotoGP an einem V4-Projekt. Es muss nicht das Ende der Maschine in der Serie sein, denn die Homologation gilt noch für ein paar Jahre", fügt Marinelli hinzu und stellt klar: "Es ändert sich immer alles."

Tradition und/oder eine erfolgreiche Zukunft?

Dass Ducati die V2-Superbikes ins Museum schickt, dürfte einigen Ducatisti das Herz brechen. "Es ist schade, wenn es irgendwann keine V2-Superbikes mehr in der Serie gibt. Das wird merkwürdig sein", bemerkt Werkspilot Chaz Davies, der seit 2014 mit dem V2-Bike aus Bologna um Siege und WM-Titel kämpft. Der Waliser weiß, dass Ducati mit der Zeit gehen muss. Den Wechsel zum V4 stuft er als sinnvoll ein.

Traditionen sind toll, doch wenn sich jeder an Traditionen hält, würden wir nicht in dieser modernen Welt leben. Man muss sich weiterentwickeln und mit der Zeit gehen. Ich bin absolut überzeugt, dass Ducati nicht nur einen fantastischen V4-Motor entwickelt sondern den besten V4-Motor, den es aktuell gibt", erklärt uns Davies.

Wenig überraschend outet sich Davies als Fan des V4-Konzepts und trauert dem V2 nicht hinterher: "Ich denke, ein neues Motorrad hätte mehr Potenzial. Man muss Traditionen manchmal in den Hintergrund rücken und mit der Zeit gehen. Ich denke, dass ein V4 mehr Potenzial hat", so der Vizechampion von 2015 und 2017.

Stefan Bradl erinnert an das Ende der Zweitakter

Was sagt die Konkurrenz zum V2-Aus in der Superbike-WM? "Ob der Superbike-WM etwas verloren geht? Das dachte man auch, als die Zweitakter aus der MotoGP verschwanden", erinnert sich Stefan Bradl. "Damals befürchteten alle, dass es niemals wieder so sein wird, wie es war. Doch jetzt spricht niemand mehr von Zweitaktern. Die Zeit schreitet voran. Zwei oder vier Zylinder? Es macht keinen Unterschied."

"Momentan sind sie sehr erfolgreich. Es wird aber seine Gründe haben, wenn sie ein neues Konzept an den Start bringen", grübelt Bradl. "Vielleicht wird etwas Zeit nötig sein, um den Stand von jetzt mit einem neuen Konzept zu erreichen. Sie haben sehr viel Erfahrung."

Die Ducati-Konkurrenz stichelt

Honda zählte jahrelang zu den größten Gegnern von Ducati. Unvergessen sind die Duelle der Ten-Kate-Piloten mit den roten Werks-Ducatis. WSBK-Urgestein Ronald ten Kate wirkt überrascht über Ducatis Kurswechsel: "Ich erwartete nicht, dass so etwas passiert. Die V2-Superbikes machen Ducati aus", kommentiert er, als wir ihn auf das neue V4-Superbike von Ducati ansprechen.

"Deren Motorrad läuft momentan sehr gut. Wenn sie nicht konkurrenzfähig wären, dann könnte ich es verstehen. Was ist der Grund, warum sie wechseln möchten?", fragt sich der Holländer und schießt Giftpfeile in Richtung Ducati-Corse-Chef Luigi Dall'Igna, der vor einigen Jahren von Aprilia zu Ducati wechselte: "Gigi meinte immer, dass das Reglement immer im Sinne der Zweizylinder-Maschinen ist. Jetzt setzt er ein V2-Superbike ein. Nun gut."

Sie benötigten drei Jahre mit der Panigale, bis sie konkurrenzfähig waren", erinnert sich ten Kate. "Ich denke, sie haben aktuell keine Leistungsprobleme. Sie kämpfen mit anderen Problemen. Ein V4-Motor dürfte das perfekte Konzept sein. Vielleicht sollte Honda auch einen V4 bauen."

Das Ende der Diskussionen

Die Balance of Performance überschattete stets die Ducati-Erfolge. Zu Beginn durften die V2-Motoren 1.000 Kubikzentimeter haben, während die Vierzylinder nur 750 Kubikzentimeter groß sein durften. Ab 2003 war das Hubraumlimit einheitlich, doch trotzdem dominierte Ducati die Serie. Erst seit 2008 haben die Twins wieder einen Hubraumvorteil. Ab 2019 kämpft Ducati unter gleichen Voraussetzungen. Die Diskussionen haben dann ein Ende.

"Ich jahrelang Ingenieur und bin seit einer Weile Teammanager. Ich muss bestimmte Dinge jetzt anders sehen. Aus Sicht eines Technikers finde ich den Wechsel zum V4 sehr interessant", kommentiert Mick Shanley, der in der abgelaufenen Saison als Teammanager für Milwaukee-Aprilia tätig war und 2019 für Honda als Ingenieur arbeitet.

"Es wird der Serie sicher ein bisschen Charakter verloren gehen", befürchtet Shanley, der das V4-Projekt von Ducati sehr interessiert verfolgt: "Ich bin gespannt, was für einen Motor sie bauen. Es ist toll, wenn die Motoren unterschiedlich klingen. Die Ducati ist einmalig. Ihr Klang ist charakteristisch, genau wie der von der Aprilia und der von der Yamaha. Beide unterscheiden sich von den übrigen Vierzylindermaschinen. Es wäre nicht so toll, wenn alle gleich klingen und gleich aussehen."

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Artikelsorte News
Tags 2019, ducati, panigale, superbike, v2, v4, wsbk