Mülhauser: “Auf den Arm genommen und benutzt aus finanziellen Gründen”

Der wütende Schweizer Motorradfahrer spricht mit Motorsport.com Schweiz über die bittere Trennung von dem PTR Honda Team. “Ich wurde abgesägt, weil ich mich gewehrt habe. Ich habe festgestellt, dass alle gegen mich gespielt haben.”

Robin Mülhauser ist zurück, heftig und aggressiv. Auf der Piste, aber vor allem ausserhalb der Kurven der Supersport-Meisterschaft, einer SBK-Support-Kategorie, die Modellen vorbehalten ist, die aus der Serienproduktion abgeleitet wurden.

Es ist ein heisser Sommer für den Schweizer Motorradfahrer, der im Handumdrehen und ohne Vorwarnung vom Rennstall PTR Honda abserviert wurde.

Der Grund? Um die Reparaturkosten für einen Lkw zu begleichen, der in Flammen aufgegangen war, bat das Team Robin, die Kosten zu tragen.

Mülhauser selbst erzählt seine Version der Tatsachen in einem Interview für Motorsport.com Schweiz.

Robin, erzähl uns was wirklich passiert ist?

“Nach dem Rennen in Misano haben wir uns alle auf friedliche Weise verabschiedet, weil alles in Ordnung war. Die Teammitglieder konnten es nicht erwarten, die Batterien für die 2. Phase der Saison wieder aufzuladen. Auf dem Rückweg nach Hause ist der Lkw der Mannschaft in Flammen aufgegangen. Also hat mir der Boss eine Email geschickt, in der er mich bat, bis zum 30. Juni die Kosten für den letzten Monat der Saison vorzustrecken, da sie “unerwartete Ausgaben” gehabt hatten. Meine Entourage hat bis zum 23. Juni alles bezahlt, weil es meine Absicht war, ihnen entgegenzukommen.”

Bis dahin war also alles ok?

“Ach was. Eine Woche später fingen die Probleme erst richtig an. Der Boss hat mir eine Email geschickt, in der es hiess: ich beabsichtige, den Vertrag zu brechen, der uns bindet, da du die Punkte 5.5 und 5.6 nicht respektiert hast”.

 

Robin Mulhauser, CIA Landlord Insurance Honda
Robin Mulhauser, CIA Landlord Insurance Honda

Photo by: Gold and Goose / LAT Images

Das bedeutet?

“Einmal habe ich einen Pitwalk verpasst. In diesem Moment war ich irgendwo im Paddock, niemand vom Team hat mich aufgesucht. Das Lächerliche daran ist, dass das im Mai passiert ist und bis Ende August nie ein Problem für irgendjemanden war. Der zweite Aspekt betrifft eine Frage des Debriefing. Nach jedem Rennen haben wir 1-2 Stunden lang geredet. Bei einer bestimmten Gelegenheit musste ich einen Flug um 18 Uhr erwischen und machte deshalb das Debriefing via Mail, wie es mit dem Team vereinbart war”.

Sie sind dir aber nicht entgegengekommen, oder?

“Absolut nicht, im Gegenteil. In der Kündigungs- Mail wurde mir sogar gesagt, dass ich weitere 20.000 Euro einzahlen müsste, wenn ich bei ihnen weitermachen wolle. Der Grund für die Entlassung ist nur finanzieller Natur, um ihre Ausgaben zu decken”.

Was ist dann passiert?

“Zusammen mit meinen Sponsoren und meinem Anwalt habe ich beschlossen, ihre Erpressungen abzulehnen. Also haben sie mich abserviert, da ich nicht auf ihre Forderungen eingegangen bin. Wir sind reingelegt worden, wir haben 100 Prozent für die Saison gezahlt, bzw. 120000 Euro. Auf diese Weise haben wir die Hälfte für die 2. Phase der Saison verloren. Es ist schwierig, Sponsoren in der Schweiz zu finden, ich bin sicher, dass diese Leute von Anfang an mein ganzes Geld wollten”.

Hat man dich auf den Arm genommen?

“Nicht nur das, sie haben mich auch als Sponsor des Ex-Kollegen Jules Cluzel benutzt. Ich habe für ihn bezahlt, dessen bin ich mir sicher. Er hatte immer das beste Material, die besten Mechaniker, das beste Motorrad, etc.....jeder kann sagen, dass meine Ergebnisse dem Team Recht geben, aber vom ersten Tag an musste ich gegen Leute rudern, die mich auf den Arm nahmen und die es freute, wenn ich in Schwierigkeiten war.”

Ist dir das während deines Aufenthalts beim Team CIA Landlords Insurance Honda klargeworden?

“Ich habe nicht verstanden, warum das Motorrad von Cluzel eine bessere Leistung als meines erbrachte. Mittlerweile habe ich die eine oder andere Antwort gefunden. Auf den geraden Strecken fuhr ich ca.10 km/h langsamer als er! Laut den Telemetriedaten schien ich besser als er zu beschleunigen. In Australien bin ich zum Team gegangen und habe gefragt, warum ich im Vergleich zu meinem Kollegen so langsam war. Antwort? 'Du bist schwerer als Jules, also ganz normal...' .”

Dabei war die Geschwindigkeit nie dein schwacher Punkt?

“Im Gegenteil! Sie müssen mir erklären, wie es möglich ist, dass ich bis jetzt den Geschwindigkeitsrekord in Qatar und Catalunya in Moto 2 halte. Und vertraut mir, wenn ich sage, dass z. B. Alex Rins ungefähr 15 Kilo weniger hat als ich”.

Gibt es andere Situationen, die dir nicht normgerecht vorkamen?

“Von Anfang an hatte ich das Gefühl, nicht am richtigen Platz zu sein. Motorrad und Mechaniker entsprachen nicht meinen Erwartungen. Mein Mechaniker war nur deshalb dort, weil er der Sohn des Teamchefs war. Ich riskierte auch, mich wegen falsch montierten Bestandteilen zu verletzen. Jetzt haben sie einen anderen Rennfahrer genommen, der gezahlt hat, was ich hätte zahlen sollen, auf diese Weise hat sich das Team 150 Prozent des Jahresbudgets für ein einziges Motorrad gesichert.”

Welche Zukunft erwartet also Robin Mülhauser?

“Ich möchte nur fahren, auf ehrliche und professionelle Weise. Ich werde am Bol d'Or 2017 auf der Paul Ricard teilnehmen, mit der Kawasaki 2X-10R des Teams Bolliger Switzerland, einem seriösen Rennstall, der exponentiell wachsen will, zusammen mit David Perret und Roman Stamm. Danach hoffe ich, mit ihnen einen Vertrag für die Saison 2018 zu unterzeichnen.”

Keine Motorradweltmeisterschaften am Horizont?

“Es wäre ein Traum, wieder daran teilzunehmen, aber es kostet viel Geld und ich will nicht mehr bezahlen, um Rennen fahren zu können.”

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