Lotterer mit der WEC nicht fertig: Würde auch für Privatteams fahren

Andre Lotterer will mit der WEC nicht brechen: Der dreimalige Le-Mans-Sieger und Ex-Weltmeister kann sich auch vorstellen, für ein Privatteam zu fahren. Aber das würde er nur in der LMP1-Klasse machen.

Die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) steht nach dem Verlust beider Marken des Volkswagen-Konzerns ab 2018 vor der größten Bewährungsprobe ihres Bestehens. Gleichzeitig sind durch die Ausstiege von Audi und Porsche zwölf LMP1-Fahrer binnen ebenso vierler Monate ihren Job losgeworden und müssen sich umorientieren. Zu ihnen gehört Andre Lotterer. Er macht denselben Albtraum bereits zum zweiten Mal durch, nachdem er 2016 bereits vom Audi-Ausstieg überrascht wurde.

Nachdem er nun auch sein Porsche-Cockpit aufgrund des jüngsten LMP1-Ausstiegs verliert, ist Umdenken angesagt, denn ein werksseitiges Auffanglager wie im Winter 2016/17 gibt es momentan nicht. Doch der 35-Jährige erklärt, dass er auch für ein Privatteam fahren würde, sofern es in der LMP1-Kategorie antritt.

 

"Ich würde gerne in der LMP1 weitermachen", sagt er gegenüber Motorsport.com. "Es sollen ja einige Privatteams kommen. Wenn es sich um ein gutes Projekt handelt, würde ich natürlich gerne für sie fahren. Aber erst einmal müssen wir schauen, wer überhaupt kommt." Seit den jüngsten Ankündigungen werden fünf private LMP1-Fahrzeuge erwartet: Zwei von SMP und jeweils eines von DragonSpeed, Manor und ByKolles. Ein weiteres Projekt soll bald verkündet werden.

Hersteller, nicht ACO Schuld an LMP1-Krise

Lotterer jedenfalls geht es nicht darum, um des Fahrens Willen zu fahren. Wenn, dann möchte er etwas aufbauen: "Es muss Sinn machen und ich brauche gute Teamkollegen. Es könnte auch ein Übergangsjahr sein, um etwas Stärkeres für die Zukunft aufzubauen." Leichte Zweifel kommen dem dreimaligen Le-Mans-Sieger und Weltmeister von 2012 noch bei der Balance zwischen Hybriden und Nicht-Hybriden. "Bislang heißt es, sie wollen eine faire Balance herstellen", grübelt er, bleibt aber realistisch. "Wenn Toyota bleiben sollte, was sie voraussichtlich tun werden, sind sie die Favoriten."

Nachdem der ACO viel Kritik nach dem Ausstieg der Volkswagen-Marken sowie dem Nicht-Einstieg von Peugeot ernten musste, bricht Andre Lotterer eine Lanze für die LMP1-Regularien: "Ich denke nicht, dass etwas schiefgelaufen ist. Es haben sich lediglich Audi und Porsche dazu entschieden, etwas anderes zu machen. Man kann ins Feld werfen, dass es zu teuer ist. Aber sie alle wollten die Technologie. Porsche, Toyota und Audi haben immer in Arbeitsgruppen zusammen gesessen und sie wollten all diese Technologien."

Er sieht die Schuld eindeutig nicht beim ACO, sondern führt mehrere Faktoren auf. "Wir wissen alle, dass sich die Dinge in der Automobilindustrie in Richtung elektrische Antriebe verschieben. Und was der Volkswagen-Gruppe passiert ist, hat natürlich auch nicht geholfen", spricht er den Dieselskandal an. "Es ist sehr schade, denn die LMP1 hatte eine großartige Zukunft. Wir haben drei Hybridsysteme erwartet. Die Autos sind großartig und wir haben uns tolle Kämpfe geliefert. In Sachen Racing ist das die großartigste Motorsportkategorie, die es gibt. Es ist sehr schade, dass es nun frühzeitig geendet hat."

Selbst wenn es nicht mit dem WEC-Verbleib klappen sollte, wird sich Andre Lotterer nicht arbeitslos melden müssen: Er hat in der Formel E einen Vertrag mit Techeetah in der Tasche. Außerdem fährt er in der japanischen Super Formula leidenschaftlich gerne Rennen. Er konnte diese Meisterschaft 2011 gewinnen. Und in der Super GT, in der er bereits zweimal Meister war, würde ihn auch jederzeit wieder aufnehmen.

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Tags krise, lmp1, wec 2018/19