Verrücktes WEC-Rennen in Spa: Das sagen die Fahrer von Audi, Porsche und Toyota

Lucas di Grassi, Loic Duval und Oliver Jarvis gewannen das 6-Stundenrennen von Spa mit zwei Runden Vorsprung – aber nur mit viel Glück, weil die Konkurrenz von Porsche und Toyota Pech hatte.

Für Di Grassi und Jarvis war der Sieg in Belgien der erste in der Langstrecken-WM. „Was für ein verrücktes Rennen! Mit diesem Ergebnis haben wir nun wirklich nicht gerechnet“, sagte Di Grassi. „Am Ende ging es um Langstrecken-Qualitäten, und wir sind als einzige Fahrermannschaft in einem Hybrid-Sportwagen ohne Probleme durchgekommen.“

„Die gesamte Mannschaft hat hart gearbeitet und sich den Sieg verdient“, erklärte Duval. „Diese 25 Punkte sind wertvoll für uns alle, denn damit geht eine Durststrecke der Nummer ‚8‘ zu Ende. Nicht vergessen sollten wir, dass sich unser Schwesterauto mit der Nummer ‚7‘ nach vielen Rückschlägen wieder nach vorn gekämpft und ebenfalls wichtige Punkte für Audi gesammelt hat.“

Bildergalerie: 6 Stunden von Spa

Oliver Jarvis freute sich über den ersten gemeinsamen Sieg des Trios. „Ausgerechnet bei diesem Rennen hätten wir kaum damit gerechnet, denn die reinen Rundenzeiten waren an diesem Wochenende nicht gut genug“, sagte er. „Aber wir haben uns aus allem herausgehalten und kamen gut durch. Das ist ein fantastischer Erfolg für das Team, den es sich schon lange verdient hat. Was für ein gutes Gefühl vor Le Mans.“

Weniger Glück hatte dagegen das Schwesterauto von Marcel Fässler, Andre Lotterer und Benoit Treluyer, das mit fünf Runden Rückstand nur auf dem fünften Platz landete.

„Wir hatten in Spa sehr viele Probleme. Ungewöhnlich war, dass wir so viele Kontakte mit anderen Autos hatten“, resümierte Fässler. „Nach den Trainings war die Situation nicht einfach, doch zu Rennbeginn waren wir dann doch ganz gut unterwegs. Dann aber mussten wir den Unterboden wechseln, die Kühler reinigen, ich berührte einen LMP2-Rennwagen, und zum Schluss fuhr mir noch ein Gegner ins Heck. Für das ganze Feld war das Rennen relativ chaotisch.“

Andre Lotterer bezeichnete das Rennen auf der „Ardennenachterbahn“ als „charakterstärkend“: „Uns war klar, dass es schwierig wird. Dazu kam, dass heute viel für uns schiefging im einem Rennen, das einfach verrückt war.“

 

Für den zweitplatzierten Porsche war der Lauf in Spa eine „harte Probe“, Romain Dumas, Neel Jani und Marc Lieb schafften es aber trotz Schwierigkeiten mit dem Hybridsystem, den Porsche 919 auf Platz zwei ins Ziel zu bringen.

„Zum Schluss habe ich das Auto um die Strecke getragen, es war wirklich nicht leicht heute. Die WM-Punkte sind auch eine echte Belohnung für die Mechaniker, die hier extrem viel geschuftet und repariert haben”, sagte Dumas und auch Jani meinte, das Rennen sei „sehr speziell“ gewesen.

„Ohne die volle Leistung vom Hybridsystem fährt sich das Auto ganz anders, man kommt viel schlechter durch den Verkehr und muss auf die Bremstemperatur aufpassen. Wir haben unseren 919 geschont, so gut wir eben konnten, und tatsächlich hat es uns nach vorne gespült.“

Marc Lieb erklärte: „Wir hatten im Cockpit alle Hände voll zu tun, um trotz der technischen Schwierigkeiten ins Ziel zu kommen. Aber das haben wir geschafft und wurden dafür mit vielen WM-Punkten belohnt.“

 

Das Schwesterauto mit der Startnummer eins wurde dagegen nur 27. und die Enttäuschung war groß. „Wir hätten heute auf jeden Fall das Tempo zum Gewinnen gehabt. Das Duell mit Sebastien [Buemi] hat Spaß gemacht. Unsere Strategie passte, ich denke, ich hätte ihn am Ende geschnappt“, war Timo Bernhard sicher.

„Aber im Rennsport ist nun einmal nicht alles kontrollierbar. Ich bin wohl in der letzten Schikane über ein Trümmerteil gefahren, da hatte es zuvor Unfälle gegeben. Mit dem defekten Reifen musste ich noch eine ganze Runde absolvieren, das hat Folgeschäden verursacht –vermutlich auch den Schaden am Vorderachsgetriebe. Aber jetzt heißt es volle Kraft voraus nach Le Mans zum Saisonhöhepunkt.“

Lange Gesichter gab es auch bei Toyota. Nachdem die Japaner nach vier der sechs Stunden noch komfortabel in Front lagen und alles auf den ersten Sieg seit 2014 hindeutete, warfen Motorenprobleme beide TS050 Hybrid aus dem Rennen. Am Ende wurde die Nummer 5 von Anthony Davidson, Sébastien Buemi und Kazuki Nakajima als 26. gewertet, die Nummer 6 mit Stephane Sarrazin, Mike Conway und Kamui Kobayashi musste aufgeben.

 

„Natürlich ist das eine herbe Enttäuschung, nachdem wir im Rennen lange Zeit so gut ausgesehen haben. Wir hätten es heute wirklich verdient und dann wird es uns so brutal weggenommen und das auch noch durch ein Problem, das wir vorher nie hatten. Bei all den Testkilometern ist das niemals passiert. Jetzt müssen wir wieder aufstehen und uns auf Le Mans vorbereiten”, sagte Davidson.

Sebastien Buemi hingegen versuchte, das Positive zu sehen: „Wir haben das Rennen mit großem Vorsprung angeführt und ich kann mich gar nicht erinnern, wann es das so schon mal gegeben hat. Die Leistung ist da und das ist das Positive an diesem Wochenende. Jetzt konzentrieren wir uns auf Le Mans und werden dort zurückschlagen.”

Für Schrecksekunden sorgten aber zwei ganz andere Fahrer in der GTE-Klasse. Erst überschlug sich Aston-Martin-Fahrer Nicki Thiim nach einer unüberlegten Aktion von Simon Dolan (G-Drive), blieb aber unverletzt. Später krachte Stefan Mücke mit seinem Ford GT nach einem Reifenschaden spektakulär in die Reifenstapel. Der Berliner wurde nach einer kurzen Untersuchung im Streckenhospital in eine Klinik gebracht, das Team gab aber schnell Entwarnung: Außer ein paar Prellungen hatte Mücke keine Verletzungen davongetragen.

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Über diesen Artikel
Rennserien WEC
Veranstaltung Spa-Francorchamps
Rennstrecke Spa-Francorchamps
Teams Team Joest , Porsche Team , Gazoo Racing
Artikelsorte News