Wieso der Kampf in der WEC 2016 enger werden könnte denn je

Nach dem überragenden Sieg von Porsche in der Saison 2015 rüstet die Konkurrenz auf. Die nächste Saison könnte daher spannender werden denn je, glaubt Sam Smith.

Die Entwicklung der FIA WEC seit ihrer ersten Saison 2012 ist eine der echten Erfolgsgeschichten im professionellen Motorsport dieses Jahrzehnts.

Das Reglement, ein starkes Feld und die Qualität der Fahrer und Teams sorgten für eine Renaissance des weltweiten Langstreckenrennsports. Daran hatten ACO, Gerard Neveu und sein Team und auch die FIA einen beträchtlichen Anteil.

Sicher wird es 2016 einige Problemchen geben, insbesondere, wenn das technische Reglement für 2018 immer klarer wird. Bei den Herstellern und Teams wird die Stimmung aber wieder positiv sein, wenn sie in den heißen Kampf um die Vorherrschaft auf der Strecke starten.

Porsche will sich weiter verbessern, denn die Truppe aus Weissach hat es sich zum Ziel gesetzt, ihre Blütezeit aus den 1980er-Jahren neu aufleben zu lassen. Die Schwesterfirma Audi will den harten, aber vergeblichen Titelkampf aus dem Jahr 2015 vergessen machen.

Toyota betritt mit einem komplett neuen Design für 2016 derweil Neuland. Die technische Abteilung in Köln schiebt Überstunden, denn nach den Prügeln, die man letztes Jahr bezogen hat, will man unbedingt zurückschlagen.

Und das können wir von den drei Truppen erwarten, wenn die Schlacht im April in Silverstone neu beginnt.

Porsche

Porsche war 2015 der verdiente Sieger und König der neuesten Entwicklungen und hat die Latte sehr hoch gelegt, Audi und Toyota haben das Ziel im Visier.

Porsche versucht zum ersten Mal seit 30 Jahren den Titel zu verteidigen und hat keine einzige Schwachstelle im Team, das vom Meister der technischen Entwicklung, Alex Hitzinger und dem Organisationsgenie Andreas Seidl angeführt wird.

Wenn Porsche im April in Silverstone zum ersten Mal auf die Strecke gehen wird, werden weitere Verbesserungen auf dem Programm stehen. Der 919 hat in den letzten sechs Monaten eine spektakuläre Entwicklungskurve hinter sich. Er wurde ständig getestet, sogar zwischen den Überseerennen in Fuji und Shanghai im letzten Herbst.

Bei dem Test in Monza hat Timo Bernhard die überarbeitete Vorderradaufhängung ausgiebig getestet, eines der Gebiete, das Porsche auch für 2016 zu einem Schlüsselelement machen will.

Im November gab es weitere Tests in Barcelona und dann längere Testfahrten in Aragon im Dezember, bei denen an Modifikationen am Motor, der Elektrik und am Hybridsystem gearbeitet wurde.

Noch einmal Hitzinger weiß, wie groß die Entwicklungsspanne für Verbesserungen am 919 noch ist. Im Laufe der nächsten Testfahrten wollen die Stuttgarter sehen, wie viel sie aus ihrem Meisterauto noch herausholen können.

Porsche wird aber die Dienste seiner gesamten Ingenieursabteilung in Anspruch nehmen müssen, um den revolutionäreren Audi R18 und den komplett neuen Toyota TS 050 in Schach halten zu können. Ob Porsche das schafft oder nicht, wird das Hauptthema der Saison 2016 sein.

Audi

Was gibt es 2016 Neues bei Audi? Das ist einfach – alles. Der R18 e-ron Quattro von 2016 sieht aus wie ein neues Modell und ist es im Grunde auch.

Von der gewagten Aerodynamik, inklusive des Hinguckers Frontpartie, bis hin zum Upgrade der 4MJ zur 6MJ Energierückgewinnung hat Audi alles in seiner Macht getan, um 2016 den Porsche 919 einzuholen.

Audi hatte 2015 keine schlechte Saison, aber zwei Siege in acht Rennen war einfach zu wenig für die erfolgreichste Marke in der jüngeren Sportwagenhistorie.

Audi hat mit dem Modell 2016 eigentlich schon 2013 angefangen. Die ersten Konzepte gab es bereits im November des Jahres. Die ersten CAD-Designs folgten im Sommer 2014.

Das Auto hat sich langsam und stetig entwickelt und wurde im letzten Herbst zum ersten Mal getestet.

Die Entwicklung ist weiter in vollem Gange und wirdc von Jörg Zander und Wolfgang Dieter Appel überwacht. Der Sprung zum 6MJ-Turbo-Diesel und die Umstellung vom Schwungrad-Speichersystem auf Lithium-Ionen-Batterien sind die weitreichendsten Änderungen bei Audi seit Jahren.

Nach ersten Reaktionen der Fahrer sollte Audi auf einem guten Weg sein, das gesteckte Ziel zu erreichen.

Toyota

Nach dem ersten Auftritt des Toyota im vergangenen Frühling in Silverstone konnte man beinahe sehen, wie die Führungsetage der Japaner leichenblass wurde.

Das ist jetzt aber Geschichte und Toyota Motorsport gebührt Lob, dass sie so schnell und entschieden reagiert haben. Sofort nach dem zweiten Rennen in Spa im Mai beschloss das Management, dass das Programm für 2016 zügig in Angriff genommen werden sollte.

Das zeigte sich in der Entscheidung, die Entwicklung des neuen, kompakten V4 Turbo-Triebwerks schon für dieses Jahr voranzutreiben. Ursprünglich war der Einsatz erst für 2017 geplant.

Dadurch hat der TS 50 gegenüber der Konkurrenz am Anfang allerdings einen Testrückstand. In den drei Monaten bis zum ersten Gruppentest in Paul Ricard am Osterwochenende hat Toyota aber Zeit, die vielen Änderungen zu verstehen, die sie für 2016 etwas übereilt entwickeln mussten und eine Strategie zu entwerfen.

Toyota wird die doppelte KERS-Konfiguration beibehalten, bei der die Energierückgewinnung über beide Achsen läuft. Wie Motorsport.com erfahren hat, weist auch das Aerodynamik-Paket des TS 50 einige optisch interessante Konzepte auf.

Kamui Kobayashi wird wohl als Ersatz für Alex Wurz bestätigt werden. Die großen Hoffnungen der Marke ruhen aber wahrscheinlich auf der starken Besetzung Buemi-Davidson-Nakajima, die besonders in der zweiten Saisonhälfte für Ergebnisse sorgen sollten, wenn das neue Paket ausgereift ist.

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