Nico Müller

Kolumne von Nico Müller: Ein wenig stolz darf ich sicher sein

In seiner neuen Kolumne für Motorsport.com erklärt der Schweizer Audi Werksfahrer, wie er im Rallycross Blut geleckt hat und was er sich von der DTM-Schlussphase erhofft.

Meine letzte Kolumne vom 1. August, dem Schweizer Nationalfeiertag, erschien unter dem Titel, dass ich noch ein paar Highlights setzen möchte. Leider gelang es mir seither nicht, einen Pokal in die Höhe zu stemmen, trotzdem konnte ich das ein oder andere erhoffte Ausrufezeichen setzen...  

 Speziell war mein zweiter Einsatz in der Rallycross-Weltmeisterschaft in Lettland. Dank persönlicher Partner, die mich seit meiner Zeit in der Formel Renault begleiten, und dem Team von Mattias Ekström liess sich der zweite Auftritt auf dieser Bühne mit einem Audi S1 EKS RX quattro realisieren. 

 

Praktisch alles, was ich bei meiner Premiere am ersten September-Wochenende in Lohéac gelernt hatte, konnte ich in Riga umsetzen. Mir fehlte in Frankreich einfach die Rennerfahrung - etwa wann es sich lohnt, volles Risiko einzugehen und wann es klüger ist, Tempo rauszunehmen, um sauber durchzukommen - und das nötige bisschen Glück. Das hatte ich mir für das zweite Rallycross-Weekend zu Herzen genommen.

Ein besonders Gefühl neben den RX-Stars

Mit meinem überraschenden Einzug ins Finale klappte dies auch besser, als ich es mir erträumt hatte. Es ist ein sehr spezielles Gefühl, beim ersten zweiten Einsatz in dieser speziellen Disziplin mit Koryphäen wie dem neuen Weltmeister Johan Kristoffersen, Rallylegende Sébastien Loeb und Mattias Ekström gleich um den Sieg in einem Weltmeisterschaftslauf zu fahren. 

 

Wie schon an anderer Stelle bei Motorsport.com zu lesen war, kam ich als Sechster ins Ziel. Es wäre sogar mehr drin gelegen, hätte uns ein Problem mit dem Funk nicht aus dem Konzept gebracht. 

Dass ich dabei aber als erster Schweizer überhaupt eine Menge WM-Punkte erobert habe, macht mich schon ein wenig stolz. Meine Gegner wissen aus jahrelanger Erfahrung, wie man so ein fast 600 PS starkes RX-Supercar auf losem Untergrund bewegt. Ich musste das in kurzer Zeit lernen.

Ganz so einfach ist es nicht

Man könnte das Gefühl kriegen, dies sei ja spielerisch einfach – ist es aber nicht. Offenbar konnte ich eine meiner Qualitäten, nämlich mich schnell an neue Situationen anzupassen, ausspielen. In der DTM benötigst du für dein Auto ein optimales Setup, jedes Detail muss in Betracht gezogen werden. 

Im Rallycross geht es mehr darum, die Situationen zu erkennen und die sich ständig verändernde Strecke zu lesen. Man muss ein Gefühl dafür entwickeln, was auf einen zukommt, bevor man in die nächste Kurve einlenkt. In Riga regnete es zuweilen, daher waren die Verhältnisse auf dem Streckenabschnitt mit losem Untergrund immer wieder anders. 

 In der DTM kommt es viel mehr auf das anhand der Datenanalysen und den Simulationen erarbeitete Setup an. Liegst du daneben, hast du verloren. Hingegen lässt sich das Fahrverhalten eines RX-Supercars hinter dem Lenkrad viel mehr beeinflussen als wir es im DTM-Auto gewohnt sind.  

 

Ein grosser Unterschied zu den DTM-Rennen ist auch die kurze, aber enorme hohe Anspannung. Im Rallycross stehst du vom Start weg für vier Runden in den Qualifikationsläufen und für sechs in den Finalläufen unter Vollstrom. Das Stressniveau ist enorm, dafür ist ein einstündiges DTM-Rennen körperlich anstrengender.  

Spass macht natürlich beides, und darum bin ich froh, diese beiden völlig verschiedenen Welten des Rennsports selbst erlebt zu haben. Dies macht mich zu einem kompletteren Rennfahrer. Nun habe ich definitiv Blut geleckt, und sollte sich wieder mal eine Gelegenheit bieten, werde ich sie sofort ergreifen.

Vorfreude auf das Hockenheimer Finale

Jetzt konzentriere ich mich aber wieder voll auf die letzten DTM-Rennen in Spielberg und Hockenheim. Leider hat es in dieser Saison noch nicht mit dem zweiten Sieg nach Norisring 2016 oder einem Podium gereicht. Gründe dafür gibt es viele, doch war auch der vierte Platz von Zandvoort in dieser Phase der Saison ein gutes Ergebnis.

Am Nürburgring drehte ich im ersten Rennen die schnellste Runde, leider ging jedoch die Strategie mit dem Reifenwechsel bei wechselhafter Witterung nicht auf und ich landete mit zwei anstatt dem obligatorischen einen Boxenstopp auf Rang 11. 

 

Auf jeden Fall wissen alle, wozu ich fähig bin, wenn einmal alles passt. Da die leidigen Performance-Gewichte ab sofort abgeschafft sind, können wir uns wieder aufs Racing konzentrieren. Spielberg ist eine coole Strecke, auf die ich mich freue, und in Hockenheim war ich schon immer schnell. Dort habe ich 2016 meine erste Poleposition und das erste Podium geholt und im vergangenen Frühling war ich im Qualifying zum ersten Rennen der schnellste Audi Fahrer.

Darum hoffe ich, dass ich diese Performance ähnlich wie im Rallycross in ein Top-Ergebnis umsetzen kann. Zumal ich in Nico’s Loge im Südoberrang mit herrlichem Blick ins Motodrom rund 60 Gäste aus der Schweiz erwarte – und denen möchte ich natürlich etwas bieten. Danke für’s Daumendrücken! 

 

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Über diesen Artikel
Rennserien Rallycross-WM , DTM
Veranstaltung Loheac
Unterveranstaltung Sonntag
Rennstrecke Loheac
Fahrer Nico Müller
Teams EKS RX , Team Abt
Artikelsorte Kolumne
Tags schweiz
Topic Nico Müller