Der tödliche Unfall von Henri Toivonen: Die ungeklärte Tragödie

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Der tödliche Unfall von Henri Toivonen: Die ungeklärte Tragödie
Autor:
Co-Autor: David Evans
03.04.2019, 15:42

Vor fast 33 Jahren starben Henri Toivonen und Beifahrer Sergio Cresto bei der Rallye Krosika: Bis heute ist nicht geklärt, wie genau es zu dieser Tragödie kam

Eine unscheinbare Straße in den Bergen Korsikas, wie es sie dort zuhauf gibt. Nur ein kleines Denkmal am Straßenrand erinnert heute daran, welche Tragödie sich dort am 2. Mai 1986 abgespielt hat. An jenem Tag verloren dort nicht nur Henri Toivonen und sein Beifahrer Sergio Cresto ihr Leben. Der Unfall des finnischen Rallyestars war gleichzeitig auch der endgültige Todesstoß für die gleichermaßen spektakuläre und gefährliche Gruppe-B-Ära der Rallye-WM.

Bis heute ranken sich Mythen um den Unfall bei der Rallye Korsika, der weder von Augenzeugen beobachtet wurde noch gefilmt oder fotografiert wurde. Lediglich die Spuren an der Unfallstelle in der Wertungsprüfung "Corte" lassen Schlüsse auf den Hergang zu. Reifenspuren auf dem Asphalt deuten darauf hin, dass Toivonen in der zumachenden Linkskurve die Kontrolle über seinen Lancia Delta S4 verlor.

Während die Außenseite der Kurve heute durch eine Steinmauer begrenzt ist, hielt 1986 nichts das Auto vor dem Sturz in eine Schlucht auf. Dort zerschellte der 600 PS starke Lancia an den Bäumen, die den unter dem Fahrersitz angebrachten Tank aufschlitzten. Im Gegensatz zu Schotterrallyes war dieser bei der Asphaltrallye auf Korsika nicht durch eine zusätzliche Stahlplatte geschützt. Das sollte für Toivonen und Cresto fatal sein.

Toivonen und Cresto verbrennen in ihrem Auto

Das auslaufende Benzin entzündet sich an heißen Motorteilen und verwandelte das Auto in eine Fackel. Da der Unfall zunächst von niemandem bemerkt wurde, gab es für Toivonen und Cresto keine Chance auf Rettung. Das Auto brannte bis auf den Stahlrahmen aus. Die sterbliche Überreste der beiden Insassen wurden dort gefunden, wo sich die Sitze befanden.

Peugeot-Pilot Bruno Saby, der nach Toivonen in die Prüfung gestartet war, bemerkte an der Unfallstelle ein Feuer in der Schlucht, erkannte aber erst auf der anderen Seite derselben, dass es sich um ein Rallyeauto handelt. Damit war ihm klar, dass es sich um seinen Rivale Toivonen handeln musste.

Henri Toivonen

Henri Toivonen galt 1986 als kommender Weltmeister

Schockiert von dem Anblick, machte Saby etwas, was für jeden Rallyefahrer ein absolutes No-go sein sollte: Er wendete seinen Peugeot und fuhr zur Unfallstelle zurück. Dort traf er auf Toivonens Teamkollegen Miki Biasion, der ebenfalls anhielt und feststellen musste, um wessen Auto es sich handelt. Biasions Beifahrer Tiziano Siviero funkte noch verzweifelt an sein Team "Sie brennen, sie brennen", doch helfen konnte Toivonen und Cresto niemand mehr.

Toivonen war bei der Rallye Korsika nicht fit

Der Unfall schickte Schockwellen durch die Rallye- und Motorsport-Welt. Der damals 29-jährige Toivonen galt als neuer Superstar der Rallye-WM und kommender Weltmeister. Wieso, so fragten sich nach dem Unfall viele, kommt einer der besten Rallyefahrer dieser Ära an einer so harmlosen Stelle von der Straße ab?

War am brachiale Lancia Delta S4 etwas kaputtgegangen? Diese Frage konnte nie geklärt werden, da das Auto vollständig ausgebrannt war. Fest steht heute hingegen, dass Toivonen bei der Rallye Korsika nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Eine Grippe mit Fieber schwächte ihn. Laut Aussagen einiger damalige Wegbegleiter nahm Toivonen Medikamente dagegen ein. Solche Mittel können die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen.

Krank an den Start zu gehen, war seinerzeit aus zwei Gründen wenig ratsam. Zum einen waren die Gruppe-B-Boliden extrem heikel zu fahren. Volle Konzentration und schnelle Reflexe waren unabdingbar, um die Fahrzeuge am Limit zu bewegen.

Ende für die spektakuläre Gruppe B

Außerdem waren die WRC-Rallyes damals im Vergleich zu heute wahre Marathon-Veranstaltungen. Insgesamt waren 1986 bei den Wertungsprüfungen der Rallye Korsika 1017 Kilometer zu fahren. Damit mussten die Fahrer pro Tag so viele Kilometer fahren, wie heute bei einer gesamten Rallye.

Henri Toivonen

Nach 1986 verschwanden die Gruppe-B-Autos aus der Rallye-WM

Letztlich wird die Suche nach der Ursache von Toivonen tragischem Unfall ein ungelöstes Rätsel bleiben. Doch der zweite schwere Zwischenfall binnen weniger Wochen - bei der Rallye Portugal war Joaquim Santos mit seinem Ford RS200 in eine Zuschauergruppe gerast und hatte drei Menschen getötet und mehr als 30 verletzt - hatte Folgen.

Wenige Tage später verkündete Jean-Maria Balestre, der Chef des damaligen Motorsport-Weltverbands FISA, das Ende der Gruppe B nach der Saison. Auch die geplante Gruppe S, die noch spektakuläre Autos ermöglicht hätte, wurde beerdigt. Damit endete das wildeste und auch gefährlichste Zeitalter der Rallye-WM. Den Namen Henri Toivonen haben Rallyefans in aller Welt aber bis heute nicht vergessen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

 
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Rennserie Rallye-WM
Autor Markus Lüttgens
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