"Eine Frage der Perfektion": Neuville über Duell mit Ogier

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Autor: Gerald Dirnbeck
11.06.2018, 15:32

In der Powerstage fängt Thierry Neuville noch Sebastien Ogier ab und holt sich den Sieg auf Sardinien. Wie der Hyundai-Pilot das Duell auf höchstem Niveau erlebt hat.

Thierry Neuville führte die Rallye Italien auf der Mittelmeerinsel Sardinien nur nach einer einzigen Wertungsprüfung an – nach der wichtigsten. Nach der 20. und letzten WP schnappte der Hyundai-Fahrer noch Weltmeister Sebastien Ogier (Ford) den Gesamtsieg um 0,7 Sekunden weg. Beide lieferten sich über drei Tage ein enges Kopf-an-Kopf-Duell. Die Konkurrenz konnte dieses Tempo maximal in einzelnen Prüfungen mitgehen, aber nicht über die volle Distanz.

Bemerkenswert für das hohe Niveau war, dass Neuville die Rallye als Erster eröffnen musste und Ogier am Freitag als Zweiter auf der Strecke war. Normalerweise bei einer Schotterrallye ein klarer Nachteil, aber der Regen und das wechselhafte Wetter sorgten während der ersten Etappe für matschige Straßenverhältnisse, wie sie in der Regel oft nur bei der Rallye Wales vorkommen. Ogier sicherte sich insgesamt vier WP-Bestzeiten, während Neuville mit neun Bestzeiten der Schnellere war.

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Ausschlaggebend waren Neuvilles Bestzeiten in den letzten sechs Wertungsprüfungen. Dadurch holte er Ogier noch ein und ermöglichte den dritten Saisonsieg. "Ich war nicht der Einzige, der Vollgas gefahren ist. Seb und Julien sind auch sehr gut gewesen", lobt Neuville seine Konkurrenz. "In dieser Situation ist es eine Frage wie perfekt man ist. Am letzten Tag habe ich einige Linien verpasst, aber ich hatte am Ende immer einen kleinen Vorteil. Dadurch kam ich näher und hielt den Druck hoch."

Spannender konnte eine Rallye kaum entschieden werden. Vor der Powerstage hatte Neuville noch 0,8 Sekunden Rückstand. "In der letzten Prüfung musste man alles geben und durfte sich keine Fehler leisten", schildert der Belgier. "Wenn ich das Auto wegwerfen würde, würde ich wichtige WM-Punkte und die WM-Führung verlieren. Das mussten wir im Hinterkopf behalten." Mit dem Sieg und den fünf Bonuspunkten vergrößerte Neuville seinen WM-Vorsprung auf Ogier auf 27 Punkte.

 

Der Druck war hoch, denn Neuville konnte in der Powerstage alles gewinnen oder alles verlieren. "Es war eine zusätzliche Motivation, dass ich gegen einen fünfmaligen Weltmeister gekämpft habe. Deshalb gibt man mehr, als man sonst für einen Sieg geben würde", so der dreimalige Vizeweltmeister. "Deshalb ist dieser Sieg so großartig und etwas Besonderes für uns." Sardinien war auch Neuvilles zweiter Sieg hintereinander.

Bisher kam er in allen sieben Rallyes in die Punkteränge und stand nur zweimal nicht auf dem Podest. Vor allem für Ogier ist das ein Warnschuss, denn die Kombination Neuville/Hyundai präsentiert sich derzeit in Bestform. "Es war ein schwieriges Wochenende, denn ich musste als Erster die Straßen eröffnen und am Freitagnachmittag regnete es etwas zu stark", blickt Neuville auf die Rallye zurück. "Das war aber die einzige Hoffnung, an diesem Wochenende um einen Podestplatz zu kämpfen."

"Dann waren wir in einer ähnlichen Position wie in Portugal und konnten um den Sieg kämpfen. In diesem Moment haben wir zu uns gesagt, dass wir angreifen wollen und dann sehen, ob wir es auf das Podest schaffen. Am Samstag fuhr ich dann eine perfekte Prüfung und kam Ogier auf fünf Sekunden nahe. Dann war das Duell um den Sieg eröffnet. Wir waren hochmotiviert, um weiter zu attackieren und den Sieg zu schaffen. Es ist ein großartiges Ergebnis für mein Team." In der Marken-WM hat Hyundai nun 28 Punkte Vorsprung auf M-Sport.

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Artikel-Info

Rennserie Rallye-WM
Event Sardinien
Fahrer Thierry Neuville
Teams Hyundai Motorsport
Autor Gerald Dirnbeck
Artikelsorte Reaktion