Nach Traktor-Zwischenfall: WRC prüft Einsatz virtueller Schikanen

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Nach Traktor-Zwischenfall: WRC prüft Einsatz virtueller Schikanen
Markus Lüttgens
Autor: Markus Lüttgens
Co-Autor: David Evans
21.11.2018, 11:08

Geschwindigkeits-Begrenzer statt Strohballen: Nach dem gefährlichen Zwischenfall bei der Rallye Australien erwägt die WRC virtuelle Schikanen einzuführen

Der Automobil-Weltverband FIA gerät nach einem Zwischenfall bei der Rallye Australien in der vergangenen Woche unter Druck, die bisher meist aus Strohballen bestehenden Schikanen durch eine virtuelle Lösung zu ersetzten. Und zieht das auch ernsthaft in Erwägung. "Wir schauen uns alternative Lösungen zur Reduzierung der Geschwindigkeit an, und eine davon sind virtuelle Schikanen", bestätigt FIA-Rallye-Direktor Yves Matton gegenüber 'Motorsport.com'.

Bei der Rallye Australien hatte Hyundai-Pilot Andreas Mikkelsen am vergangenen Freitag bei der Wertungsprüfung "Sherwood" einem Traktor ausweichen müssen und war davon abgelenkt kurz darauf verunfallt. Der Traktor war auf die Straße der Wertungsprüfung gefahren, um einen Strohballen einer Schikane, der zuvor nach einer Berührung von Jari-Matti Latvala verschoben worden war, wieder an die richtige Stelle zu setzen.

Dabei hatten sich die Streckenposten und der Fahrer des Traktors aber verkalkuliert, sodass dieser nicht vor Mikkelsen wieder von der Straße gefahren war. Der gefährliche Zwischenfall hatte bei vielen Fahrern für Empörung gesorgt. "Das ist unentschuldbar und verdammt dumm. Jemand hätte getötet werden können", sagt Esapekka Lappi. "Wenn die Prüfung läuft, darf so etwas nicht passieren."

Eine Alternative zu tatsächlichen Schikanen könnten virtuelle sein. Technisch wäre das laut Hyundai-Teammanager Alain Penasse problemlos umsetzbar. "Es funktioniert in etwa wie ein Geschwindigkeitsbegrenzer für die Boxengasse im Rundstreckensport", sagt er.

"Uns wird vorher gesagt, dass die Autos an einer bestimmten Stelle nicht schneller als beispielsweise 50 km/h fahren dürfen. Diese Geschwindigkeit halten sie für eine festgelegte Distanz und können dann wieder beschleunigen", so Penasse weiter. "Für mich ist das die viel bessere Lösung. Ich hasse Schikanen, die haben schon zu vielen Unfällen gesorgt."

In der Tat sind die Vorrichtungen zum Einbremsen der WRC-Autos seit langem umstritten. Vor einigen Jahren hatten die Organisatoren der Rallye Finnland eine Schikane aus Baggern gebaut, was von den Fahrern scharf kritisiert worden war. 2018 hatte eine umstrittene Strafe gegen Sebastien Ogier bei der Rallye Mexiko für Diskussionen gesorgt. Dort hatte der Franzose eine Barriere aus leichtem Kunststoff verschoben und deshalb die Punkte in der Powerstage verloren.

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