WRC Arctic-Rallye 2021: Ungefährdeter Sieg für Ott Tänak

Hyundai-Pilot Ott Tänak gelingt bei der Arctic-Rallye ein überzeugender Start-Ziel-Sieg: Rallye zum Vergessen für Sebastien Ogier - Oliver Solberg gibt Talentprobe ab

Nach seinem Ausfall beim Saisonstart in Monte-Carlo hat sich Hyundai-Pilot Ott Tänak mit einem überzeugenden Sieg bei der Arctic-Rallye in Finnland, zweiter Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) 2021, eindrucksvoll zurückgemeldet. Der Weltmeister von 2009 führte die Winterrallye, die als Ersatz für die Rallye Schweden in den WRC-Kalender gerückt war, von der ersten bis zur zehnten Wertungsprüfung an.

Ergebnisse Arctic-Rallye

Fotos Arctic-Rallye

Im Ziel hatte Tänak am Sonntag nach 251,08 Kilometern einen Vorsprung von 17,5 Sekunden vor Toyota-Pilot Kalle Rovanperä, der mit Rang zwei und der Bestzeit bei der Powerstage die Führung in der WM-Wertung übernahm, während der bisherige Spitzenreiter Sebastien Ogier (Toyota) fast leer ausging. Dritter wurde Thierry Neuville (Hyundai, +19,8 Sekunden), der Rovanperä trotz einer beherzten Aufholjagd nicht mehr abfing.

"Wenn man zu einer neuen Veranstaltung kommt, ist es immer ein bisschen eine Reise ins Ungewisse. Dieses Wochenende kamen wir in das Heimatland von Toyota und wir erwarteten, dass sie sehr stark sein würden", sagt Tänak. "Der Druck war da und wir wussten, dass es ein schwieriger Kampf werden würde. Am Ende hatten wir ein sehr gutes Wochenende - nicht zu viel, nur ein Fehler gestern."

Kalle Rovanperä, Jonne Halttunen, Toyota Gazoo Racing WRT Toyota Yaris WRC

Kalle Rovanperä, Jonne Halttunen, Toyota Gazoo Racing WRT Toyota Yaris WRC

Foto: McKlein / Motorsport Images

Mit überlegenen Bestzeiten bei den ersten beiden Wertungsprüfungen am Freitag hatte sich Tänak früh einen soliden Vorsprung erarbeitet. Diesen baute er am Samstagmorgen mit zwei weiteren WP-Bestzeiten aus. Auch ein leichter Einschlag in einen Schneewall bei der vierten WP brachte den Esten nicht aus dem Konzept. Anschließend musste Tänak kein übertriebenes Risiko mehr eingehen und fuhr souverän zu seinem 14. WRC-Sieg.

Rovanperä, der vor der Rallye aufgrund seiner Erfahrung auf den vereisten Straßen seiner Heimat als einer der Siegkandidaten gehandelt worden war, musste sich am Ende mit Rang zwei begnügen. Dieser und die fünf Punkte aus der Powerstage brachten dem Finnen aber die WM-Führung ein. Mit 20 Jahren ist er der jüngste Fahrer an der Spitze der WRC-Gesamtwertung.

"Ich wollte an diesem Wochenende um die Spitze kämpfen", sagt Rovanperä. "Ich habe das ganze Wochenende gepusht, die ganze Zeit maximal. Es war ein großartiges Wochenende von meiner und Jonnes Seite. Wir haben alles getan, was wir konnten, und wir sind glücklich, hier P2 zu holen."

Fast wäre Rovanperä am Ende noch von Neuville abgefangen worden. Der Belgier hatte am Freitag durch einen kleinen Fahrfehler Zeit verloren und klagte am Samstag über Kommunikationsprobleme mit seinem Beifahrer Martin Wydaeghe. Im weiteren Verlauf kam Neuville aber immer besser in Fahrt und verpasste Rang zwei am Ende nur um 2,3 Sekunden.

Vierter wurde Carig Breen, der zum ersten Mal seit der Rallye Estland im vergangenen September den dritten Toyota fuhr. Zu Beginn profitierte der Ire von seiner hinteren Startposition, fiel dann aber sukzessive zurück. Die fehlende Routine war ihm anzumerken. Fünfter wurde nach einer farblosen Vorstellung Elfyn Evans (Toyota).

Oliver Solberg, Sebastian Marshall, Hyundai 2C Competition Hyundai I20 Coupé WRC

Oliver Solberg, Sebastian Marshall, Hyundai 2C Competition Hyundai I20 Coupé WRC

Foto: Fabien Dufour / Hyundai Motorsport

Eine der großen Entdeckungen der Arctic-Rallye war Oliver Solberg (Hyundai). Dem 19-jährigen Sohn von Petter Solberg war nicht anzumerken, dass er zum ersten Mal eine WM-Rallye am Steuer eines WRC-Autos bestritt, oder dass er seinen etatmäßigen Beifahrer Aaron Johnston wegen eines positiven Coronatests gegen Sebastian Marshall austauschen musste.

Der Youngster war über weiter Strecken in der Lage, das Tempo der etablierten Piloten mitzugehen und leistete sich nur wenige Fehler. Einer davon passierte ihm kurz vor Ende der Powerstage, als er in einem Schneewall landete und knapp 15 Sekunden verlor. Dadurch fiel er in der Gesamtwertung hinter Toyota-Pilot Takamoto Katsuta auf Rang sieben zurück, doch das konnte den positiven Eindruck kaum schmälern.

Nichts zu holen gab es in Finnland für Ogier. Nach seinem Sieg beim Saisonauftakt in Monte-Carlo litt der siebenmalige Weltmeister am Freitag unter seiner Startposition eins und hatte nach den ersten beiden Wertungsprüfungen schon fast 50 Sekunden Rückstand auf Tänak.

Diesen konnte Ogier auch am Samstag nicht verkürzen. Bei der letzten WP des Tages drehte sich der Toyota-Pilot dann wenige hundert Meter vor dem Ziel nach einem Fahrfehler in einen Schneewall, aus dem er sich erst nach fast 20 Minuten befreien konnte. Ogier verpasste somit die Punkteränge und musste sich mit einem Punkt aus der Powerstage begnügen.

Die Top 10 komplettierte das M-Sport-Ford Duo Teemu Suninen und Gus Greensmith auf den Rängen acht und neun, sowie Esapekka Lappi (VW) als Sieger der WRC2. In einem Duell zweier WRC-Laufsieger setzte sich der Finne mit 47,7 Sekunden Vorsprung vor Andreas Mikkelsen durch. Dritter der WRC2 wurde Nikolai Gryasin in einem weitern VW Polo.

In der WM-Führung führt nach zwei WM-Läufen wie erwähnt Rovanperä. Der Finne hat 39 Punkte auf seinem Konto. Dahinter folgen Neuville (35) und die beiden punktgleichen Ogier und Evans mit je 31 Punkten. In der Herstellerwertung führt Toyota mit 88 vor Hyundai mit 77 Punkten.

Weiter geht es mit der Rallye-WM in knapp zwei Monaten. Vom 22. bis 25. April steht mit der erstmals im Rahmen der WRC gefahrenen Rallye Kroatien der erste Asphaltlauf des Jahres auf dem Programm.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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