WRC Wales: Elfyn Evans siegt, Sebastien Ogier ist Rallye-Weltmeister

Sebastien Ogier krönt sich bei der Rallye Großbritannien zum fünften Mal zum Rallye-Weltmeister. Elfyn Evans feiert den ersten Sieg in der WRC.

Sebastien Ogier (Ford) ist Rallye-Weltmeister des Jahres 2017! Dem Franzosen reichte bei der Rallye-Großbritannien, zwölfter und vorletzter Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) 2017, ein dritter Platz, um den fünften Titelgewinn vorzeitig perfekt zu machen. Außerdem gewann sein Team M-Sport die Herstellermeisterschaft. Der Sieg bei der Rallye Großbritannien ging an Elfyn Evans, der damit in seiner walisischen Heimat seinen ersten Sieg in der Rallye-Weltmeisterschaft feierte.

 

Die Powerstage der Rallye Großbritannien wurde zur großen M-Sport-Party. Gleich dreimal innerhalb von gut 20 Minuten riss die Truppe rund um Malcolm Wilson die Arme nach oben. Zuerst als Ott Tänak das Ziel erreichte, denn damit stand fest, dass M-Sport zum ersten Mal seit 2007 (damals noch als Ford-Werksteam) die Herstellermeisterschaft gewonnen hat.

Dann wurde gespannt zur Uhr geblickt, denn Rang drei alleine hätte Ogier nicht unter allen Umständen zum Titelgewinn gereicht. Mindestens ein Punkt aus der Powerstage war notwendig, um unabhängig vom Ergebnis von Thierry Neuville (Hyundai) den Titel einzufahren. Und Ogier legte eine Punktlandung hin, kam als drittletzter Starter auf Position drei ins Ziel und durfte damit jubeln.

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das war ein schwieriges Jahr. Ich danke Malcolm und allen bei M-Sport. Mit diesem Team Weltmeister zu werden ist einfach toll", sagt Ogier. Mit fünf WM-Titeln ist der Franzose nun hinter seinem Landsmann und Namensvetter Sebastien Loeb zweiterfolgreichster Fahrer in der Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft. Für Ford ist es der erste Fahrertitel, seit Ari Vatanan 1981 am Steuer eines Escort Weltmeister geworden war.

Den größten Jubel gab es im Ziel aber als Evans die letzten Meter erfolgreich absolviert hatte. Der 28-jährige hatte seiner Heimrallye von Beginn an seinen Stempel aufgedrückt und den Vorteil seiner weicheren DMACK-Reifen bei den feuchten Bedingungen perfekt ausgenutzt. Im Ziel hatte Evans 37,3 Sekunden Vorsprung auf Neuville. "Das war eine gute Rallye", bleibt der Waliser im Moment seines größten Erfolgs bescheiden. "Es war eine lange Reise in der WRC. Jetzt habe ich endlich den ersten Sieg, hoffentlich folgen noch viele."

 

Elfyn Evans, Daniel Barritt, Ford Fiesta WRC, M-Sport
Elfyn Evans feierte in der Heimat seinen ersten WRC-Sieg

Foto Sutton Images

Evans ist nach Tänak und Esapekka Lappi (Toyota) der dritte Fahrer, dem in dieser Saison sein erster Sieg in der WRC gelungen ist und zudem der erste Brite seit Richard Burns im Jahr 2000, der die Rallye Großbritannien gewinnt. Insgesamt standen bei den bisher zwölf Rallyes in dieser Saison sieben verschiedene Fahrer auf der obersten Stufe des Siegerpodestes. Außerdem war es der erste WRC-Sieg für den britischen Reifenhersteller DMACK.

Neuville drehte nach einem durchwachsenen Auftakt bei der Rallye Großbritannien ab Samstag auf und versuchte den WM-Kampf gegen Ogier so lange wie möglich offen zu halten. Doch Platz zwei und der Sieg bei der Powerstage waren am Ende nicht genug, um die Entscheidung bis zum Saisonfinale in Australien zu vertagen. "Ich habe die Nachricht (über den Titelgewinn; Anm. d. Red.) von Seb schon vor dem Start bekommen und habe versucht, es zu genießen. Glückwunsch an Seb, er hat es verdient", zeigt sich der Belgier als fairer Sportsmann.

Hinter Ogier fuhr Andreas Mikkelsen (Hyundai) auf Platz vier. Auch der Norweger zeigte nach einem durchwachsenen Freitag eine deutliche Leistungssteigerung und gewann am Sonntag zwei von fünf Wertungsprüfungen. Die anderen beiden Hyundai-Piloten Hayden Paddon und Dani Sordo kamen nach enttäuschenden Leistungen auf den Plätzen acht und zehn ins Ziel.

Fünfter war Jari-Matti Latvala im besten Toyota. Der Finne ließ immer wieder bei einzelnen Wertungsprüfungen seine Klasse aufblitzen, war über die Distanz aber nicht in der Lage, das Tempo der Schnellsten mitzugehen. Teamkollege Esapekka Lappi kam nach einer schwachen Rallye auf Rang neun ins Ziel, Juho Hänninen war bei seinem letzten Start für Toyota am Samstag nach einem Unfall ausgeschieden.

Bildergalerie WRC Wales

Tänak musste nach über weite Strecken starken Zeiten am Ende mit Platz sechs Vorlieb nehmen. Der Este hatte am Samstagabend bei der ersten Nachtprüfung über eine halbe Minute verloren und war dadurch von Platz zwei auf sechs zurückgefallen. Am Sonntag präsentierte sich Tänak dann als echter Teamplayer. Kurz vor dem Ziel der Powerstage ging er absichtlich vom Gas, weil er seinem Teamkollegen Ogier keine Punkte wegnehmen wollte, wohlwissend, dass er damit seine eigenen Chancen auf Platz zwei in der Weltmeisterschaft schmälert.

Bester Citroen-Pilot war Kris Meeke auf Rang sieben. Der Nordire zog dennoch ein positives Fazit, war er doch ohne größere Probleme durch das Wochenende gekommen - sieht man einmal von einem verlorenen Heckflügel am Samstag ab. Craig Breen war am Freitag nach einem Ausrutscher ausgeschieden und anschließend unter Rallye2-Reglement unterwegs, Khalid Al-Qassimi war im dritten C3 WRC wie gewohnt nicht konkurrenzfähig.

In der WRC2-Wertung ging der Sieg an Pontus Tidemand (Skoda), der bereits als Titelträger feststand. Der Schwede ließ Eric Camilli (Ford) um fast zwei Minuten hinter sich, Dritter der Klasse wurde Tom Cave (Ford).

Das Saisonfinale der Rallye-WM 2017 steigt in drei Wochen (17. bis 19. November) in Australien. Dort geht es dann noch um den inoffiziellen Titel des Vize-Weltmeisters. Vor dem letzten Saisonlauf hat Neuville neun Punkte Vorsprung auf Tänak.

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Rennserien WRC
Veranstaltung Wales
Fahrer Sébastien Ogier
Teams M-Sport
Artikelsorte Rennbericht
Tags m sport, rallye wales, sebastien ogier, weltmeister, wrc