Jose Maria Lopez: Honda ist ein starker Konkurrent

In seiner ersten Kolumne für Motorsport.com blickt WTCC-Champion Jose Maria Lopez auf den schwierigen, aber erfolgreichen Saisonauftakt in Paul Ricard zurück.

Liebe Freunde von Motorsport.com,

leider muss ich sagen, dass meine Befürchtungen für das Auftaktrennen nicht unbegründet waren. Die Konkurrenz ist dicht an uns dran und wir müssen vorsichtig agieren, um die Meisterschaft wie in den vergangenen zwei Jahren zu gewinnen.

Trotzdem bin ich mit dem Wochenende zufrieden, denn wir mussten mit 80 Kilogramm Zusatzgewicht fahren und ich war mir nicht sicher, ob ich wir um den Sieg kämpfen würden. Wir standen auf der Pole-Position und fuhren auf den ersten und sechsten Platz – das ist ein gutes Ergebnis für uns. In diesem Jahr dürfen wir keine Punkte liegen lassen.

Gewichtsunterschied zu groß

Vor dem Rennen schätzten wir ein, wo wir im Vergleich zu der Konkurrenz stehen. Die Kalkulationen und Simulationen zeigten, dass Honda dicht an uns herangerückt ist – jedoch wussten wir nicht, wie nah. Wir hatte nur die Erkenntnis, dass sie im Winter gute Arbeit geleistet haben.

Nun ist uns klar, wo Honda wirklich steht und deshalb habe ich mich sehr über meine Pole gefreut, denn das Zusatzgewicht von 80 Kilogramm kostet auf einer Strecke wie Paul Ricard eine Sekunde.

Jeder fragte mich, ob 20 Kilogramm mehr Gewicht im Vergleich zum vergangenen Jahr einen großen Unterschied machen würden. Ich antwortete, dass ich den Unterschied gespürt habe, aber es war nicht der einzige Unterschied. Im ersten Rennen der vergangenen Saison starteten alle mit 60 Kilogramm Zusatzgewicht. Im Laufe der Saison verloren die langsameren Fahrzeuge dieses Gewicht.

In diesem Jahr starteten wir mit 80 Kilogramm, während die anderen kein Gewicht verbauen mussten. Es gab einen großen Unterschied zwischen den Fahrzeugen – meiner Meinung nach, einen zu großen. Deshalb sehen wir die Ergebnisse als großen Erfolg an. Das bedeutet, dass wir mit Citroen gute Arbeit geleistet haben.

Das Wochenende

Das erste Rennen startete in umgekehrter Startaufstellung. Ich stand hinter Yvan Muller und als die Ampeln noch rot waren bewegte er sich ein wenig. Das hat mich abgelenkt und ich habe die Konzentration verloren.

Das Ergebnis war ein schlechter Start, der mich jedoch nicht ärgerte. Ich wich den Unfällen vor mir aus und entwickelte einen Plan, wie ich wieder nach vorne kommen konnte. Ich bemerkte schnell, dass die Hondas, vor allem Tiago Monteiro, sehr schnell waren. Wir hatten Probleme mit unseren Reifen, weshalb ich auf dem sechsten Platz durchs Ziel fuhr. Es war ein gutes Resultat für uns.

Ich wusste, dass ich im zweiten Rennen einen perfekten Start hinlegen musste, um die anderen Fahrer hinter mich zu halten. Ich habe es geschafft. Dann sah ich, wie Muller die Hondas für einige Runden aufhielt. Das half mir sehr, meine Führung auszubauen.

Ich fuhr einen Abstand von drei Sekunden heraus, weshalb ich meine Reifen schonte. In den letzten fünf Runden waren die Reifen jedoch am Ende und es war sehr schwer Tiago in Schach zu halten.

Ich weiß nicht wie es gewesen wäre, hätte mein Teamkollege den Portugiesen nicht aufgehalten, aber es wäre deutlich schwieriger gewesen, denn Tiago war im Schnitt vier bis fünf Zehntel pro Runde schneller.

Auf dem Slovakiaring wird es schwieriger

Die Leistung von Honda hat mich nicht besonders überrascht. Ich habe einige Jahre Erfahrung und kann sehen, wenn ein Team die richtigen Dinge tut, um sich zu verbessern.

Ich muss sagen, dass unser C-Elysee ebenfalls besser geworden ist, denn sonst wäre es nicht möglich gewesen, einen Sieg zu feiern und die Strecke mit der Meisterschaftsführung zu verlassen.

Ich weiß, dass wir weiter hart arbeiten müssen und deshalb sind wir am Montag sofort nach Paris gereist, um uns für das kommende Rennen vorzubereiten.

Der Slovakiaring wird für uns schwieriger, denn die Strecke ist länger und es gibt mehr Stellen, an denen man aus geringer Geschwindigkeit heraus beschleunigt. Die Hügel werden den Reifen sehr strapazieren. Deshalb müssen wir den Schaden begrenzen, denn Honda und die anderen Hersteller haben kein Zusatzgewicht.

In Ungarn könnte es anders aussehen, denn dann wird Honda ein Zusatzgewicht bekommen – was die Rennen fairer macht.

Meine Vorgehensweise? Die ändert sich nicht. Wie in den vergangenen Jahren werde ich versuchen mein Bestes zu geben. Ich werde versuchen keine Punkte zu verschenken.

MAC3

In Paul Ricard kam das MAC3-Format zum ersten Mal zum Einsatz. Wenn wir die Show auf der Strecke verbessern müssen, dann versuchen wir es. Ich bin ein großer Motorsportfan und ich möchte zu jedem Zeitpunkt eine Show auf der Strecke sehen.

Wir wissen, dass unser Sport an dem Desinteresse der Zuschauer leidet. Beim Formel-1-Qualfikationsystem, das wieder abgeschafft wurde, haben wir gesehen, dass Versuche, die Fans zurückzugewinnen, nicht immer funktionieren.

Wenn das MAC3-Format funktioniert, ist es begrüßenswert – wie alle Dinge, die dem Motorsport gut tun.

Jose Maria Lopez

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Über diesen Artikel
Rennserien WTCC
Veranstaltung Paul Ricard
Rennstrecke Circuit Paul Ricard
Fahrer Jose Maria Lopez
Artikelsorte Kommentar
Tags citroen, honda, lopez, wtcc