Analyse: Wieso der Grand Prix von China eine Zukunft hat

Während einige andere Rennen in Asien wieder aus dem Formel-1-Kalender verschwunden sind, gibt es den Grand Prix von China immer noch und es sieht so aus, als sollte das auch noch lange so bleiben, schreibt Frankie Mao.

Die Formel 1 kennt keine Gnade, wenn ein Rennen nicht auf Anhieb den erwarteten Erfolg bringt.

In der Geschichte des Sports gab es Rennen wie die in der Türkei, Südkorea und Indien, die mit großem Tamtam aus der Taufe gehoben, dann aber schnell wieder fallengelassen wurden, als die Kosten stiegen und die Fans weniger wurden.

Es gab auch eine Zeit, in der die Zukunft des Grand Prix von China nicht in Stein gemeißelt war: Die Tribünen waren nicht voll, das allgemeine Interesse stieg nicht an und die Sponsoren rissen sich nicht um den Sport.

Bildergalerie: Grand Prix von China 2016

Im Laufe der Zeit wurde das Rennen aber zu einem festen Bestandteil der Formel 1 und es sieht so aus, als sollte der Grand Prix von China auch noch lange Bestand haben.

Lan Jiang, der Geschäftsführer von Juss Event Management Co., Ltd, dem Promoter des Grand Prix sagte: „Wir haben die Schwierigkeiten, die wir in wirtschaftlicher Sicht hatten, überwunden.“

„Der Grand Prix von China ist zu einem der wichtigsten Rennen im Formel-1-Kalender geworden. Er ist nicht nur beständig, auch die Gesellschaft profitiert davon. Aus aktueller Sicht gibt es keinen Grund, wieso wir nicht [nach 2018] weitermachen sollten.“

Steigendes Interesse

Dass man letztes Jahr aus Sicherheitsgründen einige Tribünen abgerissen hat, wurde zwar als Kosmetik angesehen, um sinkende Ticketverkäufe zu verschleiern, 140.000 Besucher sind aber kein Grund, sich zu schämen.

 

In der Tat waren angeblich 20.000 weitere Besucher da, die lieber an der Strecke spazieren gehen und die Autos aus der Ferne hören wollten, als hineinzugehen und Eintritt zu bezahlen.

Sicher ist es kein Vergleich zu 2004, als die Formel 1 zum ersten Mal nach Schanghai kam. Die gesamte Stadt drehte sich nur um zwei Dinge des Sports: Michael Schumacher und Ferrari.

Die Fans schlossen aber schnell auch Fahrer wir Kimi Räikkönen, Fernando Alonso, Jenson Button und Felipe Massa ins Herz – bevor sie von den neuen Jungs wie Lewis Hamilton und Sebastian Vettel hörten.

Für die meisten Chinesen sind die Fahrer aus kulturellen Gründen wichtiger als die Autos, die Technologie oder der Sport selbst. Und der Mann, der über allem steht ist: Kimi Räikkönen.

Es war kein Zufall, dass die Zuschauerzahlen zurückgingen, als der Finne 2010 und 2011 in der WRC fuhr, und das, obwohl Michael Schumacher gleichzeitig sein Comeback mit Mercedes gab.

 

Es ist nichts Falsches daran, dass die Fans die Fahrer mehr bewundern als den Sport. Andernfalls wären Michael Jordan, David Beckham und Roger Federer nie größer geworden als der Sport selbst, in dem sie spielten.

Wie Vettel sagte: „Ich würde sagen, die chinesischen Fans sind die besten der Welt. Es ist großartig, volle Tribünen zu sehen.“

„Ich finde, es ist eine riesige Ehre, dass sie an der Boxengerade oder der Start-Ziel-Gerade stehen, wenn wir ins Rennen starten. Wenn man nach links schaut, sieht man so viele aufgeregte Menschen, so viele deutsche Flaggen für mich, für Nico und die anderen deutschen Fahrer im Allgemeinen. Der Enthusiasmus ist überhaupt sehr groß.“

Rennbericht Grand Prix von China 2016

„Es ist fantastisch zu sehen, dass es den Menschen so gut gefällt, was wir tun. Das gibt uns das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu sein.“

Eine Kultur verändert sich

Es ist kein Geheimnis, das der Motorsport in China noch sehr jung ist, die Kultur und das Wissen sind ganz anders als in Europa.

Als die Formel 1 vor 13 Jahren nach China kam, kam sie noch in ein ganz anderes Land. Damals war die Strecke im nordwestlichen Stadtteil von Schanghai Jiading noch 40 Kilometer vom Zentrum entfernt und schien im Nirgendwo zu sein.

 

Die Dinge haben sich aber geändert und anders als bei den Rennen in Korea und Indien, wo man um Investitionen in den Regionen an der Strecke kämpfen musste, hat sich Jiading verändert.

Es hat vom jährlichen Besuch der Formel 1 in Schanghai profitiert und sich in den letzten Jahren bezüglich der Bautätigkeit schnell entwickelt und einige lokale Entwickler haben sogar versucht, die Grand-Prix-Szene etwas auszunutzen.

Eine Geschichte, die Motorsport.com erfahren hat war, dass die Formel-1-Chefs sich Gedanken darum machten, dass ein nahegelegenes Bauunternehmen ein riesiges Werbebanner an seinem Gebäude hatte – das die Fernsehkameras jedes Mal im Bild hatten, wenn ein Auto aus der letzten Kurve kam.

Da man nichts tun konnte, um das Banner zu entfernen, war die einzige Möglichkeit, kostenlose Werbung zu verhindern, die Kameraposition zu ändern.

Steigende Bautätigkeit

Heute gibt es viel mehr Gebäude rund um die 5,4 Kilometer lange Strecke und man kann sie leicht an jeder Stelle des Kurses sehen.

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Lokale Medien kritisieren den Veranstaltungsort noch immer und sagen, dass er nicht genügend Sponsoren angezogen habe und die Formel 1 ihre wirtschaftliche Bedeutung verliere.

Jiading und Anting Town, die am nächsten zum Shanghai International Circuit gelegen sind, haben aber die größte Werbung in Kurve 13 gebaut, die die gesamten Tribünen einnimmt.

Neben den Immobilien hat sich in Jiading auch die Industrie verändert und besteht nun aus fortschrittlichen Technologien, inklusive Elektro- und intelligenter Autos.

Dabei muss man sagen, dass der Shanghai International Circuit strategisch gesehen ein Teil der Anting Shanghai International Automobile City ist, die 2001 gegründet wurde und zu einem der wichtigsten Industriegebiete in Schanghai geworden ist.

 

Motorsport.com hat erfahren, dass ein weiterer Expansionsplan der ASIAC in der Diskussion steht, der wahrscheinlich eine noch engere Verbindung zwischen der Produktion und der einzigen Formel 1-Standard-Strecke in China bewirken würde.

Steigende Zuschauerzahlen

Bei den Rennen in den vergangenen drei Jahren gab es eine steigende Anzahl von Fans, die zu dem Drei-Tages-Event gekommen sind. Durch ein verbessertes öffentliches Verkehrsnetz – und besonders die Metro Linie 11 – ist die Strecke sehr gut erreichbar geworden.

Vor 13 Jahren war der einzige Weg an die Strecke zu kommen das eigene Auto oder ein vom Promoter organisiertes Shuttle. Heute verbindet die Metro die Stadt mit dem Stadtrand.

Lektionen, die man durch die Rennen lernt, werden auch genutzt, um herauszufinden, wie man die Menschen am besten zu dem neuen Shanghai Disney Park am anderen Ende der Linie 11 bringen kann, der im Juni öffnet.

Die Fernsehzuschauer wurden derweil vom nationalen Sender CCTV im Stich gelassen – er überträgt die Rennen nicht und überlässt es den regionalen Sendern wie Shanghai Television und Guangdong Television, das Rennen entweder live oder in Highlights zu übertragen.

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Das Internet könnte mit LeSports, dem Sportkanal von LeTV.com, jedoch eine solide Zukunft bieten, da er seit Juli 2014 alle Sessions im Web überträgt. Es ist noch in den Kinderschuhen, hatte in diesem Jahr an vier Tagen jedoch 1,5 Millionen Zuschauer und es gibt noch Raum für Verbesserungen.

Der chinesische Mondkalender erstreckt sich über zwölf Jahre, was bedeutet, dass das Rennen am vergangenen Wochenende den Beginn eines zweiten Zyklus markierte.

Alles deutet darauf hin, dass die nächste Ära des Grand Prix noch erfolgreicher wird als seine erste, auch wenn der Vertrag nächstes Jahr ausläuft.

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