Kolumne: Wieso die GP2 mehr wie die Moto2 sein sollte

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Kolumne: Wieso die GP2 mehr wie die Moto2 sein sollte
Jamie Klein
Autor: Jamie Klein
Übersetzung: Petra Wiesmayer
11.01.2017, 14:38

Es gibt viel, das die Formel 1 von der MotoGP lernen könnte – aber der ausgezeichnete Zustand der Moto2 und Moto3 ist etwas, das das Grand-Prix-Fahrerlager definitiv beachten sollte, findet Jamie Klein.

Jeder, der in den vergangenen Jahren sowohl über die Formel 1 als auch über die MotoGP berichtet hat, kann sagen, dass die Unterschiede zwischen den beiden Fahrerlagern enorm sind.

Das eine ist eine etwas sterile Ansammlung glänzender Hospitality-Bauten, die nur für ein paar Glückliche zugänglich sind, während das andere offener ist (uns daher auch voller) und weniger uniform, vielleicht realer.

Der größte Unterschied ist aber einfacher als das: Im F1-Fahrerlager wird man kein GP2- oder GP3-Team finden und keine Fahrer außer jenen, die direkt mit einem F1-Team in Verbindung stehen.

Die MotoGP teilt sich dagegen den Platz mit der Moto2 und Moto3 und alle, die in einer oder allen drei Klassen involviert sind, arbeiten im selben Umfeld – etwas, das im Vergleich zum isolierten und abgetrennten GP2-Fahrerlager viel besser ist.

Jeder, der die Geschichte des Motorrad-Grand-Prix-Sports kennt weiß, dass das kein Zufall ist: während die MotoGP oft als die zweirädrige Version der Formel 1 angesehen wird, ist sie in Wirklichkeit die größte und angesehenste Klasse unter dem Schirm, der im allgemeinen als FIM World Road Racing Championship bekannt ist – weshalb sie oft auch die 'Oberste Klasse' genannt wird.

Vor 2002 füllte die 500cc-Klasse diese Rolle aus, während die unteren Klassen (250cc und 125 cc und viele Jahre lan auch die 350cc undd 80cc) eine wichtige Rolle bei der Show gespielt haben. Es wäre undenkbar gewesen, für jede Klasse ein eigenes Fahrerlager zu haben oder die 500cc-Teams vom Rest abzugrenzen.

Im Gegensatz dazu wurde die aktuelle GP2-Serie erst 2005 gegründet und hat die Internationale Formel 3000 ersetzt, die selbst erst seit 1999 im Rahmenprogramm der Formel 1 startete, als die Königsklasse bereist ein Riesenerfolg war. Die GP3 gibt es erst seit 2010 und sie schuf neben der GP2 eine ganz neue Nische. Beide teilen sich mit einer Reihe Teams ein Fahrerlager.

Natürlich sind die Moto2 und Moto3 auch jüngere Erfindungen. Sie wurden 2010 und 2012 gegründet und ersetzen im Grunde die 250cc und 125cc Zweitakt-Klassen, die mit der MotoGP "aufgewachsen" sind. Beide wurden aber als umbenannte Nachfolger ihrer Vorgänger behandelt und nicht als Anfänger von Null.

Brad Binder, Red Bull KTM Ajo
Brad Binder, Red Bull KTM Ajo

Photo by: Gold and Goose Photography

Die Vorteile eines voll integrierten Fahrerlagers zeigen sich jedem ganz klar, der das Glück hatte, ein MotoGP-Rennen zu besuchen. Während die Top-Klasse – wie erwartet – immer noch die Presse beherrscht, nehmen führende Journalisten die Moto2 und Moto3 ebenso ernst wie das Hauptevent.

Das wurde zweifellos von den Spitzenfahrern der unteren Klassen begünstigt, die die Chance bekamen, neben den gewohnten Namen in den Pressekonferenzen zu erscheinen (zum Beispiel Brad Binder und Alex Rins letztes Jahr in Aragon neben den 4 "Außerirdischen" der MotoGP).

Während die Pressekonferenzen der Moto2 und Moto3 nach den Rennen separat abgehalten werden, führt die Tatsache, dass sie im selben Umfeld stattfinden dazu, dass eine ganze Reihe Journalisten hingeht, Fragen stellt und die Fahrer kennenlernt – lange, bevor sie in die Top-Riege aufsteigen.

All das ist ein positiver Kreislauf: Es bedeutet, dass die Fahrer viel mehr Medienpräsenz genießen als ihre Pendants in der GP2 und GP3 und es so für ihre Teams einfacher ist, Sponsoren anzuziehen. Das schafft wiederum ein leistungsorientiertes Umfeld, mit viel weniger Fahrern, die nur aufgrund der Budgets da sind, die sie mitbringen, als in der GP3 oder ganz besonders der GP2.

Im Gegensatz dazu steht die Formel 1. Das Fahrerlager der Rahmenrennen könnte bezüglich der Aufmerksamkeit, die es vom normalen Grand-Prix-Fahrerlager bekommt, genauso gut auf dem Mond stehen. Natürlich gibt es auch ein paar Ausnahmen.

Bei den GP2-Pressekonferenzen, bei denen ich letztes Jahr war und die in den Hospitality-Zelten abgehalten werden, in denen die Fahrer und Teams sich zwischen den Rennen und Besprechungen aufhalten, war die höchste Anzahl an Journalisten, die ich außer mir gezählt habe, 4. Einmal – in Silverstone – war es nur einer.

Das mag zwar ziemlich inkonsequent klingen, aber die Auswirkungen sind zerstörerisch. Die Fahrer der GP3 und GP2 werden den Medien erst vorgestellt, wenn sie von einem Formel-1-Team aufgenommen werden. Erst dann haben sie in ihrer Rolle als Test- oder Ersatzfahrer Zutritt zum abgeschotteten Fahrerlager.

Bis zu diesem Zeitpunkt hat ein Fahrer in der Regel die nötige Unterstützung, die ihn ganz nach oben bringt (oder zumindest soweit sein Talent reicht). Der Rest bleibt aber im Fahrerlager der Rahmenrennen hängen, wo sich F1-Journalisten nur selten hin verirren, um mit ihnen zu sprechen und ihre Geschichte zu erzählen.

Alex Lynn, DAMS leads Johnny Cecotto Jr., Rapax
Alex Lynn, DAMS leads Johnny Cecotto Jr., Rapax

Photo by: GP2 Series Media Service

Wenn die Berichterstattung über die Spitzenfahrer der GP2 und GP3 (außer, wenn sie bereits mit einem Platz in der Formel 1 in Verbindung gebracht werden) so rar ist, ist es kein Wunder, dass viele damit zu kämpfen haben, die kleinen Budgets aufzubringen, die sie brauchen, um im Formelsport zu bleiben und sich stattdessen dazu verführen lassen, einen von einem Hersteller voll abgesicherten Platz in Serien wie der WEC oder DTM anzunehmen.

Auch hier ist der Unterschied zur MotoGP krass. 2017 steigen nicht weniger als 4 Moto2-Fahrer – Alex Rins, Sam Lowes, Johann Zarco und Jonas Folger – in die MotoGP auf. In der GP2 ist die Anzahl wahrscheinlich 0. Die Hoffnungen, dass Jordan King einen Platz bei Manor bekommen könnte, wurden dadurch zunichte gemacht, dass das Team aus Banbury Insolvenz angemeldet hat.

Wie kann man diesen ungesunden Zustand heilen? Die ideale Lösung wäre, den Druck von den kleinen Teams zu nehmen, Bezahlfahrer zu engagieren, aber das ist ein Thema für eine andere Kolumne. Ebenso ist die Idee, die Fahrerlager der Formel 1 und der Rahmenrennen zusammenzulegen – so vorteilhaft das die Fahrer der GP2 und GP3 auch wäre – fast genauso wenig machbar.

Nehmen wir also an, es bleibt bei einem komplett abgetrennten Fahrerlager für die Rahmenrennen, dann wäre es logisch, die Fahrer zu den Formel-1-Pressevertretern zu bringen, wenn diese keine Lust haben, selbst zu den Fahrern zu gehen.

Das wäre leicht machbar. Alles, was man bräuchte, wäre an den Donnerstagen vor jedem Grand Prix eine gemischte Interview-Zone im Formel-1-Pressezentrum, mit einer Auswahl von 6 oder 8 GP2- und GP3-Fahrern, die die Reise abwechselnd im Laufe des Jahres antreten.

Anstatt die Pressekonferenzen der GP2 und GP3 nach den Rennen in den Hospitality-Zelten der GP2 vor drei Reihen leerer Stühle abzuhalten, könnte man sich ein Beispiel an der MotoGP nehmen und sie im selben Raum wie die F1-Pressekonferenzen veranstalten und sie ins F1-Pressezentrum übertragen. Selbst wenn nur 5 Prozent der anwesenden Journalisten zuhörten, wäre das ein großer Fortschritt gegenüber der aktuellen Situation.

Eine kleine aber leidenschaftliche Gruppe von Fans verfolgt und liebt die GP2 und die GP3 wegen des großartigen Rennsports, den sie bieten, aber wir bekommen die Geschichten hinter der Action nur selten zu hören.

Es ist Zeit, dass sich das ändert und es gibt keinen besseren Ort um zu sehen, welche Rolle die Juniorserien spielen können, wenn man ihnen die verdiente Aufmerksamkeit widmet, als die MotoGP.

Alex Marquez, Marc VDS
Alex Marquez, Marc VDS

Photo by: Gold and Goose Photography

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Autor Jamie Klein
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