Wieder ABS-Ausfall: Hat der GT3-Lamborghini ein Qualitätsproblem?

Frust bei Grasser: "Wir bringen schon zu jedem Rennen neue Radlager!" - Albert Costa und Mirko Bortolotti kämpfen in Zandvoort ums pure Überleben

Wieder ABS-Ausfall: Hat der GT3-Lamborghini ein Qualitätsproblem?

ABS-Ausfall bei GRT Grasser - und das beileibe nicht zum ersten Mal. Nach dem Frust im Sonntagsrennen bei Albert Costa und Mirko Bortolotti spricht Teamchef Gottfried Grasser Klartext. "Das ist leider ein ziemlich bekanntes Problem", sagt er gegenüber 'Motorsport.com'.

Im Zentrum steht das sogenannte ABS-Trigger-Rad, an dessen Rotationsgeschwindigkeit sich der ABS-Sensor orientiert. Dieses ist ins Radlager eingebaut. "Wir hatten jetzt öfter das Problem, dass dieses Trigger-Wheel aus dem Radlager rauswandert und den Sensor beschädigt", so Grasser.

"Das trat in den vergangenen Monaten sehr häufig auf. Wir machen jetzt schon zu jedem Wochenende die Radlager neu. Mehr kannst du momentan nicht machen." Dass dies an einem so etablierten Fahrzeug wie dem Lamborghini Huracan GT3 auftritt erstaunt. "Eventuell ist es der Lieferant, die ändern ja auch permanent ihre Baugruppen bei den Teilen. Vielleicht ist da irgendwo der Wurm drin."

Zuletzt hat das Problem am Red-Bull-Ring bei Testfahrten zugeschlagen, doch Grasser kennt die Probleme auch aus der IMSA, wo das Team ebenfalls aktiv ist. Deshalb werden die Radlager regelmäßig getauscht. "Jetzt also wieder dieses Problem. Das Schlimme ist, dass man nicht sagen kann: Hält es 1.000 Kilometer, 100 Kilometer oder 50 Kilometer?"

"Härtestes Rennen meines Lebens"

Der chaotische Rennverlauf in der Schlussphase beim ADAC GT Masters in Zandvoort war Glück im Unglück für Bortolotti und Costa. Denn zwischenzeitlich sah es schon so aus, als wäre alles verloren. Ein Ausfall von ABS und Traktionskontrolle sorgte dafür, dass beide Fahrer nur noch darum kämpften, irgendwie auf der Strecke zu bleiben und ein paar Punkte mitzunehmen.

"Ab der zweiten Runde hatte ich kein [digitales] Armaturenbrett mehr", sagt Costa gegenüber 'Nitro'. "Ich hatte auch kein funktionierendes ABS mehr und die Traktionskontrolle hat nicht mehr so gut funktioniert. Ich bin jetzt 31, aber bisher war dies das härteste Rennen meines Lebens."

"Ich bin hier, um die Meisterschaft zu gewinnen. Ich musste bis zum Ende kämpfen. Ich habe ihnen gesagt: 'Wir haben ein Problem, ich kann so nicht fahren.' Aber sie haben mir nur gesagt: 'Du musst überleben.' Es war wirklich schwer, das Auto auf der Strecke zu halten. Sobald man das Bremspedal nur ein wenig härter berührt hat, ging man [wegen blockierender Vorderräder] sofort weit."

Costa gelang es, über weite Strecken des ersten Stints ein Paket von Fahrzeugen hinter sich zu halten, das von Markus Winkelhock angeführt wurde. "Ich habe meine Nerven behalten, weil ich gewusst habe: Wir sind in einer ganz guten Ausgangsposition, um Punkte zu sammeln", sagt Winkelhock.

"Da wollte ich nicht das Rennen wegwerfen und den [Lambo] unnötig abräumen und dadurch eine Strafe kassieren. Einmal war ich daneben. Das Problem war immer: Er hat auf der Geraden ein bisschen mehr Topspeed gehabt. Jedes Mal auf der Geraden war der Abstand so groß, dass ich nicht richtig reinstechen konnte, obwohl er durch das ABS-Problem relativ früh gebremst hat."

"Das war immer mit zu viel Risiko verbunden, und das wollte ich in dem Moment nicht eingehen. Mit der Brechstange wäre ich vielleicht früher vorbeigekommen, aber ich wollte es in dem Moment einfach nicht eingehen."

Fehler im ersten Rennen Kommunikationsproblem

Costa wurde letztlich von Dennis Marschall geknackt und auch Winkelhock zog damit gleich vorbei. Dann übergab er völlig fertig den Lamborghini an Mirko Bortolotti. Dieser stabilisierte sich rund um den zwölften Platz herum und profitierte anschließend noch von den Vorfällen vor ihm, sodass es noch zu P10 reichte.

"Hut ab vor meinen zwei Gladiatoren, weil ohne ABS musst du erstmal Neunter werden. Da muss man [in diesem Feld] erstmal hinfahren", lobt Grasser. Trotzdem bleibt natürlich nicht zu verschweigen, dass GRT an diesem Wochenende massiv Punkte liegengelassen hat.

Im ersten Rennen fuhr Costa zu früh vom Boxenplatz los, was eine Durchfahrtsstrafe nach sich zog. Informationen von 'Motorsport.com' zufolge gab er auf das Signal eines Mechanikers Gas. Normalerweise gibt jedoch der Renningenieur das Kommando. Das Kommunikationsproblem brachte Grasser wohl um die Tabellenführung.

Dennoch gelang es Costa und Bortolotti, den Vorsprung von Michael Ammermüller und Mathieu Jaminet in der Tabelle sogar noch zu reduzieren, weil SSR Performance einen wahren Albtraum von Rennen erlebte, besonders am Sonntag. Trotzdem: Die in Zandvoort verlorenen Punkte könnte Grasser noch bitter bereuen.

Mit Bildmaterial von ADAC Motorsport.

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