Sintflut im „Sunshine State“: Extreme Speed gewinnt 12 Stunden von Sebring

Nach wetterbedingter Unterbrechung gewinnen die Daytona-Sieger Sharp/Brown/van Overbeek/Derani auch in Sebring – Corvette-Sieg in der GTLM-Klasse.

Die 64. Auflage der 12 Stunden von Sebring war eine ungewöhnliche. Erstmals seit 19 Jahren wurde das Langstreckenrennen im Zentrum von „Sunshine State“ Florida von Regen beeinträchtigt. Der Start am Samstag um 10:40 Uhr Ortszeit (15:40 Uhr MEZ) erfolgte unter stark bewölktem Himmel. Nach 1:20 Stunden gingen erste Regentropfen über dem 6,02 Kilometer langen Sebring International Raceway nieder. Kurz vor der 3-Stunden-Marke zog ein heftiges Gewitter mit deutlich ergiebigerem Niederschlag auf.

Schon vor dem Gewitter hatten die Piloten auf nasser Piste mit schwierigen Sichtverhältnissen und Aquaplaning zu kämpfen. Zahlreiche Abflüge und Gelbphasen waren die Folge. Als der Blitzschlag hinzukam, brachte die Rennleitung die Rote Flagge heraus, weil die Sicherheit des Streckenpersonals und der Kameraleute nicht mehr gewährleistet werden konnte. So tickten rund zwei der zwölf Rennstunden unter Rot herunter, ohne dass sich ein Rad drehte.

Aktuelle Fotos der 12 Stunden von Sebring

Auch die zweite Rennhälfte war nicht komplett trocken, ging jedoch ohne weitere Rotphase über die Bühne. Unterm Strich wurden immerhin rund zwei Drittel der 12-Stunden-Distanz auf trockener beziehungsweise nur leicht feuchter Strecke zurückgelegt. Für die Spitze der GTLM-Klasse reichte die auf Regenreifen zurückgelegte Zeit nicht aus, um gegen die Prototypen-Meute einen sensationellen Gesamtsieg à la Porsche beim Petit Le Mans 2015 einfahren zu können.

Nach den 24 Stunden von Daytona Ende Januar bildeten die 12 Stunden von Sebring das zweite Rennen der IMSA-Saison 2016. Als die zwölf Stunden nach einer Rot- und insgesamt 13 Gelbphasen vollendet waren, ließen sich die Daytona-Gewinner zum zweiten Mal in diesem Jahr als Sieger feiern: Scott Sharp, Ed Brown, Johannes van Overbeek und Luis Felipe „Pipo“ Derani im Ligier-Honda von Extreme Speed Motorsports (ESM).

Vorentscheidung beim letzten Boxenstopp

Eine gute halbe Stunde vor Schluss kam die Spitze während der vorletzten Gelbphase geschlossen zum letzten Boxenstopp. In Sachen Reifenstrategie für den Schlussspurt war von keinen über zwei bis hin zu vier frischen Pneus alles dabei. Der ESM-Ligier kam auf Platz eins liegend an die Box, nachdem man sich kurz zuvor dank Verzichts auf einen Reifenwechsel an die Spitze gezockt hatte. Auslöser für das Abweichen von der üblichen Strategie war ein Dreher von Derani im Überrundungsverkehr. Beim vorentscheidenden letzten Boxenstopp setzte die ESM-Crew dann auf vier frische Reifen, während es die direkte Konkurrenz bei zwei frischen Reifen beziehungsweise nur Tanken beließ.

In den finalen Minuten nach dem letzten Restart schnappte sich der 22-jährige ESM-Youngster „Pipo“ Derani die beiden Action-Express-Autos jeweils in der Haarnadel und wiederholte damit für sich, Sharp, Brown, van Overbeek und Extreme Sport Motorsports das Erfolgserlebnis der 24 Stunden von Daytona. Es ist das erste Mal seit 1998, dass die Daytona-Sieger auch die Sebring-Sieger sind. Damals gelang dies Mauro Baldi, Giampiero Moretti und Didier Theys im legendären Ferrari 333 SP.

Action Express in der Schlussphase ohne Chance

Über weite Strecken der diesjährigen Auflage der 12 Stunden von Sebring wurde der weiße Corvette-DP von Action Express mit Christian Fittipaldi, Jose Barbosa und Filipe Albuquerque als Spitzenreiter geführt. Dass es für Fittipaldi und Barbosa mit einer Wiederholung ihres Vorjahressieges nichts wurde, lag nicht zuletzt daran, dass man beim letzten Boxenstopp auf einen Reifenwechsel verzichtete.

In der absoluten Schlussphase mussten sich Fittipaldi/Barbosa/Albuquerque/Pruett nicht nur dem ESM-Ligier, sondern auch den Action-Express-Teamkollegen geschlagen geben: Dane Cameron, Eric Curran und Scott Pruett schlossen im roten Corvette-DP auf Platz zwei ab. Die kritischste Szene für Action Express gab es nach 8:30 Stunden, als Curran im Zuge eines Restarts um ein Haar das führende Schwesterauto von Barbosa abgeräumt hätte.

Gut eine Stunde vor Schluss wurde boxenstoppbedingt der Corvette-DP von VisitFlorida (Marc Goossens, Ryan Dalziel und Ryan Hunter-Reay) als Spitzenreiter notiert. Doch beim Restart nach der zehnten Gelbphase legte Goossens im Getümmel einen Dreher hin. Mehr als Platz fünf hinter dem Dragon-Speed-Oreca (Lapierre/Minassian/Hedman; 4.) war für die VisitFlorida-Truppe nicht zu holen.

Das komplette Ergebnis der 12 Stunden von Sebring 2016

Der von der Pole-Position gestartete Ligier von Michael Shank Racing mit Olivier Pla, Oswaldo „Ozz“ Negri und John Pew spielte nur in der Anfangsphase eine Rolle im Kampf um die Spitze. Zwei Stunden vor Schluss leistete sich Pla beim Versuch, den DeltaWing (Legge/Meyrick/Rayhall) zu überrunden, einen Dreher. Im Endergebnis schloss der Shank-Ligier hinter dem besten Mazda (Nunez/Bomarito/Pigot; 6.) auf Platz sieben ab.

GTLM: Kollision Porsche vs. Corvette – Sieg für zweite Corvette

Auch in der GTLM-Klasse ging der Sebring-Sieg an die Sieger der 24 Stunden von Daytona: Oliver Gavin, Tommy Milner und Marcel Fässler triumphierten am Steuer der #4 Corvette erneut, waren dabei aber auf die nötige Portion Rennglück und auch unfreiwillige Unterstützung angewiesen. Ein früher Ausritt von Fässler auf nasser Piste warf die gelbe C7.R mit der Startnummer 4 zunächst zurück. Eineinhalb Stunden vor Schluss wäre das Rennen beinahe gelaufen gewesen, als Milner um Haaresbreite dem sich drehenden #85 JDC-Oreca aus der Prototype-Challenge-Klasse ausweichen konnte.

An der unfreiwilligen Unterstützung auf dem Weg zum Sieg der #4 Corvette war das Schwesterauto beteiligt. Was war passiert? Während der ersten Rennhälfte hatten Patrick Pilet, Nick Tandy und Kevin Estre im #911 Porsche das GTLM-Geschehen bestimmt. Doch nach sieben Stunden war für die Langzeitspitzenreiter auf dramatische Art und Weise Feierabend.

Am Ende der Start/Ziel-Gerade wollte Estre auf der vom Regen noch feuchten Innenbahn an einem Audi aus der GTD-Klasse vorbeigehen, um diesen zu überrunden. Gleichzeitig versuchte Jan Magnussen (#3 Corvette) dieses Manöver auf der trockenen Außenbahn. Während der GTD-Porsche unversehrt blieb, kollidierten Estre und Magnussen beim Einlenken in Kurve 1 und krachten nach mehreren Drehern heftig in die Reifenstapel. Die beiden Piloten kamen mit dem Schrecken davon. Die Autos und auch ein Teil der hinter den Reifenstapeln befindlichen Betonmauer aber waren schwer gezeichnet.

Hinter der siegreichen #4 Corvette ging Platz zwei in der GTLM-Klasse an Bill Auberlen, Dirk Werner und Bruno Spengler im BMW M6 GTLM mit der Startnummer 25, nachdem man sich im Rennverlauf infolge einer Durchfahrtsstrafe (zu hoher Ladedruck) wieder nach vorn gekämpft hatte. Das Podium komplettierten Earl Bamber, Frederic Makowiecki und Michael Christensen im #912 Porsche. Weil die Plätze vier und fünf an Ferrari (Fisichella/Vilander/Rigon) beziehungsweise Ford (Briscoe/Westbrook/Dixon) gingen, wurden im Endergebnis der GTLM-Klasse fünf Hersteller auf den ersten fünf Plätzen notiert.

Foto-Überblick: Die Teilnehmer der 12 Stunden von Sebring 2016

Den Sieg in der GTD-Klasse holten sich Christina Nielsen, Alessandro Balzan und Jeff Segal im Ferrari 488 der Scuderia Corsa. In der Prototype-Challenge-Klasse setzten sich Jonathan Bennett, Colin Braun und Mark Wilkins im Oreca von Core Autosport durch.

Weiter geht es im Rennkalender der IMSA-Saison 2016 am 16. April mit dem Stadtrennen in Long Beach.

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Über diesen Artikel
Rennserien IMSA
Veranstaltung Sebring
Rennstrecke Sebring International Raceway
Artikelsorte Rennbericht