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WEC-Kolumne von Timo Bernhard: "Habe immer davon geträumt"

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WEC-Kolumne von Timo Bernhard: "Habe immer davon geträumt"
Autor:
21.06.2017, 09:11

Sportwagen-Weltmeister Timo Bernhard beschreibt in seiner neuen Kolumne für Motorsport.com die emotionale Achterbahnfahrt seines Porsche-Teams bei den 24h Le Mans 2017.

Sieg für #2 Porsche LMP Team Porsche 919 Hybrid: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley
Sieg für #2 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley
Sonnenaufgang in Le Mans
#66 Ford Chip Ganassi Racing Ford GT: Olivier Pla, Stefan Mücke, Billy Johnson
Renn-Action in Le Mans bei Nacht
#2 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley
#2 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley
#2 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley
Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley, Porsche Team
#2 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley
Reparatur: Mechaniker am #2 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Har
#2 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley
#2 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley
#2 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley
1. #2 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley
Podium: 1. Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley, Porsche Team, 2. Ho-Pin Tung, Oliver Jarvis, Thomas Laurent, DC Racing, 3. Mathias Beche, David Heinemeier Hansson, Nelson Piquet Jr., Vaillante Rebellion Racing
Podium: 1. Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley, Porsche Team
#2 Porsche Team Porsche 919 Hybrid: Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley

Am Samstagabend, knappe 3,5 Stunden nach dem Rennstart als unser Auto den Vorderradantrieb verlor, sah es danach aus als wäre unser Rennen gelaufen. 21 Stunden später stemmte ich die Le-Mans-Trophäe in die Luft und schaute auf ein Meer von Fans – dazwischen eine Achterbahn der Gefühle. Aber erst mal der Reihe nach!

Das Rennen des Jahres

Jeder, der schon mal beim Rennen in Le Mans war, sei es als Teil eines Teams oder als Fan, weiß, dass es in der Welt des Motorsports nichts Vergleichbares gibt. Es ist ein Motorsportfest, zu dem über eine Viertelmillion Fans aus aller Welt anreisen.

Das Rennen verlangt einem alles ab, man geht hier wirklich körperlich und mental an die absolute Grenze der Belastbarkeit. Le Mans hat aber auch etwas Magisches, besonders wenn man nachts alleine im Auto unterwegs ist oder die Sonne über dem Dunlop-Bogen aufgeht.

In den vergangenen Jahren hat man immer wieder gesehen, dass dieses Rennen seine eigenen Regeln hat und Freud und Leid eng beisammen liegen.

Bereits zu Beginn der Woche bei der technischen Abnahme in der Innenstadt von Le Mans waren tausende Fans gekommen, um bei der offiziellen Fahrzeugabnahme und Team- und Fahrerpräsentation mit dabei zu sein.

Nach den offiziellen Verpflichtungen Anfang der Woche ging es dann ab Mittwoch an die Arbeit mit den freien Trainings und dann schon direkt in die 3 Qualifikations-Sessions, die für uns alle gut verliefen. Wir konnten die Fahrzeugabstimmung bei den unterschiedlichen Streckentemperaturen weiter optimieren und auch wichtige Erkenntnisse im Hinblick auf die Reifenwahl für das Rennen gewinnen.

Das Qualifying in Le Mans ist immer eine Lotterie. Bei dem Überholverkehr mit 60 Fahrzeugen ist es echt schwierig, eine halbwegs freie Runde ohne Behinderung zu erwischen. Ich hatte am Ende zwar keine freie Qualifikationsrunde, aber die Fahrzeugbalance war richtig gut und wir waren insgesamt sehr gut aufgestellt, um aus der 2. Reihe ins Rennen zu starten.

Nach der Fahrerparade am Freitag war mir wichtig, früh ins Bett zu kommen um mich so gut es ging auszuruhen, denn am Samstag läutete der Wecker bereits um halb 7.

Der Grid in Le Mans vor dem Rennstart ist immer brechend voll. Das ist Lärm und Action – die letzten Interviews, Hände schütteln, jeder wünscht jedem viel Glück für den Marathon. Als sich dann endlich die Autotüre hinter mit schloss, konnte ich mich voll und ganz auf meinen Job konzentrieren. Der Start verlief ziemlich ereignislos, wir blieben auf unserem 4. Platz, bis ich das Auto nach 38 Runden an Earl übergab.

Die Dramen nehmen ihren Lauf

Gegen 18:30 Uhr kam Earl dann außerplanmäßig an die Box, denn unser Auto hatte keinen Vorderradantrieb mehr und musste zur Reparatur in die Garage geschoben werden.

Unsere Jungs haben einen mega Job gemacht. Sie haben schnell entschieden, was zu wechseln war und das Auto nach 1:05 Stunden wieder fertig gehabt. Brendon fuhr mit 19 Runden Rückstand auf Platz 56 weiter. Es war entscheidend, dass wir alle 3 zusammen mit der Boxenmannschaft die Motivation oben gehalten haben. Da muss man negative Emotionen ausblenden und sich völlig auf den Job konzentrieren. Es gilt, immer weiter das Maximum herauszuholen.

Nachdem 2 der 3 Toyotas nach Mitternacht ausfielen, übernahm unser Schwesterauto die Spitze und führte das Feld an. Wir hatten uns mittlerweile auf Platz 17 vorgearbeitet und in der Nacht holten wir weiterhin gut auf.

Ich stieg um 05:13 Uhr wieder ein. Mittlerweile lag unser Auto auf Platz 13. Ich arbeitete mich gut durch den Verkehr und übergab das Auto als 10. insgesamt und als 2. in der LMP1-Klasse um 8 Uhr an Earl.

Das Rennen nahm eine dramatische Wendung, als sich bei unserem Schwesterauto am Vormittag um kurz nach 11 Uhr ein Motorschaden ankündigte. Andre musste das Auto abstellen. Jetzt bekam unsere Aufholjagd plötzlich ein ganz anderes Ziel! Wir waren der bestplatzierte LMP1, und Brendon hatte sich zu diesem Zeitpunkt weit vorgearbeitet. Ich übernahm um 12:33 Uhr für die lange Schlussphase.

Die Wende im Rennen

Unser Auto hatte nun 325 Runden auf dem Buckel und lag auf Platz 2 mit einer Runde Rückstand auf den führenden LMP2. In der 347. Runde – 20 Umläufe vor dem Ziel – überholte ich die Spitzenreiter.

Der Schluss war brutal. Jetzt hatten wir alles in der Hand, aber es war schon so viel passiert, dass absolut nichts sicher war. Das letzte "Splash-and-Dash 7 Runden vor dem Ziel ging gut. Das scheinbar Unmögliche wurde um 15 Uhr Realität.

Ich habe immer davon geträumt, einmal einen Porsche als Gesamtsieger in Le Mans ins Ziel zu fahren. Was da in mir vorging, kann ich kaum beschreiben. Es war das 1. Mal, dass ich auf einer Auslaufrunde geweint habe.

Ich bin Porsche, dem Team und natürlich meinen super Teamkollegen Brendon und Earl unendlich dankbar. Ein unglaublicher Moment, den ich nie vergessen werde!

Le Mans ist und bleibt das größte und härteste Langstreckenrennen der Welt. Wenn man das knackt, wird man unendlich belohnt für die größten Kraftanstrengungen.

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