Aus Startreihe zwei: Red Bull auf Hypersoft zum Sieg in Montreal?

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Aus Startreihe zwei: Red Bull auf Hypersoft zum Sieg in Montreal?
Autor: Rebecca Friese
Co-Autor: Adam Cooper
09.06.2018, 21:20

Red-Bull-Pilot Max Verstappen musste sich im Qualifying zum Kanada-Grand-Prix nur Vettel und Bottas geschlagen geben - Das Team setzt auf die aggressive Strategie

Nachdem Red-Bull-Pilot Max Verstappen alle Sessions in Montreal dominiert hatte, waren im Qualifying zum Kanada-Grand-Prix nur Sebastian Vettel und Valtteri Bottas schneller. Weltmeister Lewis Hamilton und den zweiten Ferrari konnte er aber deutlich hinter sich halten. Teamkollege Daniel Riccardo qualifizierte sich nur als Sechster. Dafür hat das Team noch ein Ass im Ärmel. Denn beide Piloten werden das Rennen auf dem Hypersoft-Reifen starten und damit konträr zur Konkurrenz taktieren.

"Ich bin bisher mit dem ganzen Wocheneden zufrieden", jubelt Verstappen nach seinem zuletzt schwierigeren Rennwochenenden. "Das Auto läuft wirklich sehr gut. Uns fehlt es nur ein wenig an Topspeed. Platz drei ist für uns recht gut. Ich denke, wir können von da ein gutes Rennen haben. Wir starten auf dem weicheren Reifen, was hier ein Vorteil sein kann, denn es ist sehr rutschig."

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Schon das Training am Samstagmorgen war äußerst knapp ausgegangen. Verstappen war nur 0,049 Sekunden schneller als Vettel gewesen. Ricciardo erklärt, warum das Team trotzdem auf die aggressive Strategie setzt und einen früheren Boxenstopp riskiert.

"Max war schon das ganze Wochenende lang schnell, aber wir wussten, dass es kaum eine Chance auf die Pole gab. Wir wussten also, dass wir zu Beginn des Rennens zum Überholen ansetzen müssen. Mit dem Hyper haben wir die Chance. Wenn wir es wie die anderen gemacht hätten, würde wir nur hinterherfahren. Hoffentlich zahlt es sich aus."

Schließlich habe man das Gefühl, die äußerst schnellen, aber auch schnell abbauenden Reifen besser im Griff zu haben als Mercedes und Ferrari, die auf der ultraweichen Mischung ins Rennen gehen werden. Eine Einstoppstrategie sei daher noch möglich. Der Hypersoft bietet außerdem mehr Grip, lässt einen also besser von der Linie wegkommen.

Riccardo hat indes mehr aufzuholen als Verstappen. "Wir kämpfen immer um die Plätze in den Top-6 zu - Startplatz sechs ist also das Mindeste", sagt er. "Es ist nicht ganz zufriedenstellend, aber ich hatte das Gefühl, dass wir im Qualifying Fortschritte machen konnten. Wir hatten schon das ganze Wochenende über das Problem, in einen guten Rhythmus zu kommen, es gab ein paar kleine Schwierigkeiten. Das hat sich angefühlt, als würden wir immer einen Schritt zurück sein."

In Q2 konnte der Monaco-Sieger aber mit dem zwischenzeitlichen Streckenrekord überraschen. "Pünktlich zum Qualifying lief es wieder rund", erklärt er. "Die Runden waren meiner Meinung nach auch mehr wert, als nur Platz sechs. Das ist ein wenig frustrierend. Ich habe nicht da Gefühl, schlechte Arbeit geleistet zu haben, aber die anderen waren ein bisschen besser. Ich habe mein Bestes gegeben."

Seinem Teamchef ist aber aufgefallen: "Seine Schwierigkeiten liegen Mitte bis ausgangs der Kurven, da fehlt ihm ein wenig das Gefühlt für das Auto. Das fällt in Kurven wie zum Beispiel in Kurve 3 auf."

Auch Christian Horner hatte nicht mit einer Pole-Postion auf dem Circuit Gilles Villeneuve gerechnet. "Wir verlieren rund dreieinhalb Zehntel auf den geraden im vergleich zu Ferrari und Mercedes, das haben wir gemessen", betont er trotz Motoren-Update von Renault. "Das müssen wir in den Kurven ausgleichen. Im Rennen wird der Unterschied nicht so große sein."

"Unsere Rivalen können ja auch immer noch etwas mit ihren Motoreneistellungen rausholen", so Horner weiter. "Aber wir haben ein gutes Auto für das rennen - vor allem aus der zweiten Startreihe heraus auf diesen Reifen. Das könnte uns auch die dritte DRS-Zone zugutekommen."

"Auf den Longruns hat er sich gut angefühlt", hält auch Verstappen den Hypersoft für den richtigen Start-Reifen. "Und es war klar, dass Mercedes und Ferrari auf Ultrasoft gehen." Dass ihm in Q3 am Ende 0.173 Sekunden auf die Pole-Positon fehlten, stört schon deswegen nicht, weil "ich wusste, dass wir ein gutes Auto haben, aber auch, dass wir Q3 abwarten mussten. Und ich denke immer noch, was wir ein gutes Auto haben."

Mit seinem bisher starken Auftritt in Montreal bringt er auch die Kritiker zum Schweigen, die er am Donnerstag noch scharf angegangen war. Eine zusätzliche Motivation sei das jedenfalls nicht gewesen, "denn das würde ja bedeuten, dass ich sonst keine gute Arbeit leiste. Aber ich gebe jedes Wochenende mein bestens. Dieses Mal habe ich mich von Beginn an im Auto wohl gefühlt. Das ist es, was den Unterschied gemacht hat."

 

Dem stimmt auch Ricciardo zu "Er ist das ganze Wochenende über einfach sehr gut gefahren. Er hat sich von Beginn an wohl gefühlt und war in der Lage, darauf aufzubauen, ohne dass er wirklich etwas am Auto hätte ändern müssen." Riccardo selbst habe hingegen verschiedene Set-up ausprobiert und habe sein Auto schließlich ähnlich wie das seines Teamkollegen einstellen lassen.

Riccardo ist außerdem noch immer der Meinung, dass es eine gute Entscheidung war, auf eine Strafversetzung für den Wechsel seiner MGU-K zu verzichten - auch wenn es "nur" Startplatz sechs geworden ist.

"Die Strecke lädt normalerweise nicht zum Überholen ein. Aber ich denke, wir sollten mindestens in den ersten drei runden im Vorteil sein, wenn die anderen noch mit weniger Grip rutschen und beim Hinterherfahren Probleme haben. Wir haben die besten Voraussetzungen, anzugreifen. Das wird dann hoffentlich auch eine gute Show bieten"

Und von Startplatz sechs aus hatte er schließlich damals auch seinen ersten Formel-1-Sieg geholt. "Die ersten Runden werden entscheidend sein", betont er. "Wenn die nach Plan gehen, haben wir gute Chancen."

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