Renault enttäuscht: Topteams noch weiter weg als vorher

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Renault enttäuscht: Topteams noch weiter weg als vorher
Autor: Norman Fischer
Co-Autor: Scott Mitchell
17.04.2018, 09:25

Obwohl Renault im Mittelfeld durchaus die Oberhand hat, ist man bei den Franzosen enttäuscht, dass die Spitze noch weiter weggerückt ist

Carlos Sainz Jr., Renault Sport F1 Team R.S. 18
Bob Bell, Renault Sport F1 Team Chief Technical Officer, at a media roundtable.
Sebastian Vettel, Ferrari SF71H, Nico Hulkenberg, Renault Sport F1 Team R.S. 18
Nico Hulkenberg, Renault Sport F1 Team R.S. 18
Ciaron Pilbeam, Renault Sport F1 Team, Bob Bell, Renault Sport F1 Team and Alan Permane, Renault Spo
Bob Bell, Renault, und Remi Taffin, Renault
Nico Hulkenberg, Renault Sport F1 Team R.S. 18, makes a pit stop
Cyril Abiteboul, Renault Sport F1 Managing Director and Christian Horner, Red Bull Racing Team Princ
Nico Hulkenberg, Renault Sport F1 Team
Carlos Sainz Jr., Renault Sport F1 Team R.S. 18
Carlos Sainz Jr., Renault Sport F1 Team
Carlos Sainz Jr., Renault Sport F1 Team R.S. 18

Der Aufschwung von Renault ist 2018 unverkennbar. Hatte man im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt lediglich zwei magere Pünktchen auf dem Konto, sind es in dieser Saison bereits 25 Zähler, die Nico Hülkenberg und Carlos Sainz einfahren konnten. Die Franzosen spielen eine gute Rolle im Kampf um den besten Mittelfeld-Platz und haben sich somit deutlich verbessert, und trotzdem herrscht in Enstone Ernüchterung.

"Wir sind enttäuscht, dass wir nicht weiter vorne sind", stellt Technikchef Bob Bell klar. Die Franzosen hatten nämlich eigentlich gehofft, dass man den drei Topteams Mercedes, Ferrari und Red Bull im Winter Zeit abnehmen könnte. "Aber das ist uns nicht gelungen. Wenn überhaupt, dann sind sie noch weiter nach vorne enteilt", sagt er. Im Qualifying in China fehlten Nico Hülkenberg fast 1,5 Sekunden auf die Pole-Zeit.

"Unsere Arbeit war einfach nicht gut genug", stellt er heraus. "Wir waren über den Winter nicht so smart wie sie, was das Design und die Entwicklung des Autos angeht." Doch Renault befindet sich weiter in der Übergangsphase und ist erst drauf und dran, die Einrichtungen in Enstone und das Personal aufzurüsten. "Ich will das nicht immer wieder als Entschuldigung bringen, aber wir sind nicht so reif wie die drei Topteams", so Bell.

Lob für die Fahrer: "Brillant"

Als Ziel für den Rest der Saison hat Renault auf jeden Fall die Reduzierung der Lücke ausgegeben. Gerne würde man diese bis zum Saisonende halbieren, doch das hält Bell für schwierig. Doch dass man sich zumindest ein wenig heranarbeiten kann, dafür sieht er gute Chancen. "Für uns ist es einfacher, noch Fortschritte zu finden, als für sie."

Teamchef Cyril Abiteboul verweist derweil auf die Tatsache, dass man schon im Vorjahr besser entwickeln konnte als die Topteams und die Lücke von zwei auf eine Sekunde halbiert habe. "Als Gruppe sind wir noch nicht stark genug, um im Winter mehr verbesserte Performance als die Topteams zu finden", sagt er, "aber ich habe Zuversicht in unsere Fähigkeiten, dass wir während der Saison schneller entwickeln können."

Und dabei kommen die beiden Fahrer ins Spiel. Mit Hülkenberg und Sainz ist das Team mehr als zufrieden: "Die beiden sind brillant", lobt Bell und freut sich besonders, dass sich beide mit ihren Aussagen über das Fahrzeug einig sind. "Das Auto hat einige offensichtliche Schwächen, die sie uns nach dem Rennen mitteilen - und dabei stimmen sie komplett überein. Das macht uns die Arbeit einfacher. Es ist eine Freude, mit ihnen zu arbeiten."

Wo die Schwächen liegen

Doch wo liegen die Schwächen des Renault? Zum einen sei das Fahrzeug etwas schwerer als erhofft, zudem ist das Fahrzeug laut Sainz im Rennen nicht so konkurrenzfähig wie im Qualifying, weil man etwas zu viel Reifenabbau hat. "Viele Schwächen sieht man bei fast allen. Alle haben ein nervöses Heck am Kurveneingang, Untersteuern in der Mitte der Kurve und fehlenden Grip am Kurvenausgang", so Bell.

Trotzdem sei das Auto ziemlich konstant, was es im Vorjahr nicht war ."Das ist immer ein Zeichen eines guten Autos", betont der Technikchef. "Wir freuen uns darüber, aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns."

Zumindest ist man erst einmal zufrieden, dass man sich gegenüber McLaren im Mittelfeld relativ gut positioniert hat. Man war schon ziemlich besorgt, als sie auf Renault-Motoren gewechselt waren, wie Bell zugibt. Bislang begegnet man sich durchaus auf Augenhöhe und man geht davon aus, dass sich das durch die Saison ziehen wird. "Es wird ein wirklich enger Fight", so Bell.

Renault will wieder siegen

In naher Zukunft reicht Renault ein Duell um Rang vier aber nicht mehr aus. Renault ist nicht in die Formel 1 zurückgekehrt, um nur im Mittelfeld zu kämpfen. "Renault möchte gewinnen", betont Bell. Die Franzosen wurden mit dem eigenen Werksteam 2005 und 2006 Weltmeister, der letzte Sieg datiert aus dem Jahr 2008. "Etwas weniger zu wollen, wäre nicht richtig", sagt der Technikchef.

"Sie möchten konstant um die Top-3-Plätze kämpfen. Sie werden nicht jedes Jahr gewinnen, das akzeptieren sie. Sie sind nicht da, um die Welt zu dominieren, aber sie wollen vernünftig in den Top 3 sein und hier und da Weltmeisterschaften gewinnen - das ist ein realistisches und vernünftiges Ziel." Allerdings könnte dieses Vorhaben noch eine Zeit dauern. Die beste Chance besteht wohl erst mit dem neuen Reglement 2021.

Mit Informationen von Edd Straw

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