Maverick Vinales resigniert nach Q1-Aus: "So ist der Titelgewinn unmöglich!"

Yamaha-Pilot und WM-Dritter Maverick Vinales verspielt im Qualifying zum MotoGP-Rennen in Motegi, Japan, womöglich seine WM-Hoffnungen mit dem Aus in Q1. Valentino Rossi verpokert sich mit Slick-Reifen.

Freud und Leid liegen bei Yamaha auch am Samstag sehr eng beieinander. Nicht Maverick Vinales oder Valentino Rossi lassen die Japaner jubeln, es ist abermals Tech-3-Rookie Johann Zarco der den Topstars die Show stiehlt. Die Werkspiloten starten außerhalb der Top 10. Die Traktion der M1 konnte man auch am Samstag nicht verbessern.

"Wir haben alles versucht, aber nichts hat geholfen", muss Vinales resignierend feststellen. Der Spanier musste bereits im ersten Quali-Abschnitt ausrücken, da seine schnellste Runde in den Trainings nur für Rang 14 gereicht hat. Der dreifache Saisonsieger galt als Favorit, musste sich aber den beiden KTM-Piloten geschlagen geben. Seine 1:55.916 Minuten reichte nur für Startplatz 14.

"Das Problem zieht sich bereits durch die gesamte Saison, es liegt an der Traktion. Ich habe mein Bestes gegeben. Mehr kann ich mit dem Bike, das wir derzeit haben, nicht machen", gesteht er in seiner Medienrunde. In den Trainings wurden die Schwierigkeiten bereits sichtbar. Vinales arbeitete an verschiedenen Abstimmungen und seinem Fahrstil, doch der Grip am Hinterrad wollte bei den weiterhin kalten und nassen Bedingungen (15 Grad Celsius Luft- und 17 Grad Streckentemperatur) nicht besser werden.

Vinales: "Werden das Problem nicht lösen"

"Im Regen kann ich nichts ausrichten. Was auch immer ich mache, ob ich aggressiv oder sanft fahre, später oder früher bremse - das Problem bleibt dasselbe. Es ist die Traktion." Als er hinter anderen Piloten auf der Strecke war, konnte er den Unterschied der Kraftübertragung besonders deutlich sehen, gibt der 22-Jährige zu Protokoll. "Ich denke nicht, dass wir das Problem lösen werden, versuchen müssen wir es aber."

Sein Team nimmt er in Schutz: Die Ingenieure würden alles versuchen, konnten jedoch keine Lösung finden. Bitter für Vinales: Während er im Mittelfeld versumpfte, konnte sich Teamkollege Rossi im dritten Training mit der zweitbesten Zeit noch ins Q2 katapultieren. "Ich war ziemlich überrascht, dass Valentino am Vormittag so schnell war. Er fuhr ein anderes Set-up", gibt er zu. Er wusste bereits nach dem vierten Training, dass es "unmöglich" sein werde, mit den anderen Toppiloten zu kämpfen. "Schon nach wenigen Runden ist der Reifenverschleiß sehr hoch."

Eine weitere Demütigung ist die Fabelzeit von Tech-3-Pilot Zarco, der damit bewiesen hat, dass die 2016er-Yamaha vor allem bei Mischbedingungen besser liegt. Vinales fehlten 2,4 Sekunden auf die Pole-Zeit. "Wenn es für euch schon eigenartig ist, dann muss es für mich ja erst recht seltsam sein", entgegnet er den fragenden Journalisten, als er auf Zarco angesprochen wird. "Besser ist es, gar nicht darüber nachzudenken. Ich versuche mich, auf meine Arbeit zu konzentrieren."

WM-Traum geplatzt? "So ist das unmöglich"

Was bedeutet dieser Rückschlag für das Rennen und in weiterer Folge auch für Vinales' WM-Träume? "Ich kann nur meinen Job machen und auf gutes Wetter hoffen", entgegnet er knapp. Diese Hoffnung wird beim Blick auf die Wetterprognose schnell verpuffen, am Sonntag soll der Regen wieder intensiver werden. Damit besteht die Gefahr, dass sein Rückstand von 28 Punkten im WM-Stand am Sonntag weiter ansteigen könnte. Immerhin startet Marc Marquez von Platz drei, Andrea Dovizioso wird von Platz neun ins Rennen gehen. "Natürlich ist das sehr schade, weil wir den Titel gewinnen wollen, aber so ist das unmöglich."

Ähnlich entmutigend fällt auch die Bilanz von Valentino Rossi aus. Der Italiener schob sich zwar ins Q2, musste im vierten Training jedoch einen Crash in Kurve 8 verkraften - der erste gröbere Zwischenfall nach seinem Comeback. Den Sturz überstand er ohne weitere Verletzungen. "Ich hatte Glück, weil es ein Highsider war. Das Bike hat unter mir rotiert, ich konnte auf dem Bike bleiben. Mir geht es gut. Ich habe jetzt ein bisschen mehr Schmerzen. Das war schon ein ziemlich heftiger Crash", berichtet der 38-Jährige.

 

Nachdem er kurze Zeit in der Auslaufzone kniete, schob er das Bike durch das Kiesbett hinter die Absperrung, um es mit Hilfe der Streckenposten anzustarten. Nach einigen Versuchen konnte er die beschädigte Maschine noch aus eigener Kraft an die Box zurückbringen. "Es war mein Rennbike mit der besten Abstimmung und es war wichtig, damit im Qualifying zu fahren. Leider war das Bike zu sehr beschädigt. Ich habe mich also umsonst so geplagt", lacht er.

Die Pace des dritten Trainings konnte Rossi am Nachmittag nicht umsetzen. "Im Regen konnten wir die Abstimmung verbessern. Dabei haben wir die Einstellungen am Hinterrad verändert. Ich möchte nicht sagen, dass es eine Überraschung war, aber ich war glücklich, weil ich ein paar wirklich solide Rundenzeiten fahren konnte." Ihm fehlten 29 Tausendstelsekunden auf Marquez. Ab dem vierten Training litt er unter der auftrocknenden Strecke: "Wenn nicht genügend Wasser auf der Strecke steht, dann leiden wir besonders beim Grip am Hinterreifen."

Reifenpoker geht nicht auf: Zu nass für Slicks

In Q2 verpokerte sich der "Doktor" schließlich bei der Reifenwahl. Auf der auftrocknenden Strecke wollte er die Bedingungen auf weichen Slicks austesten. "Die Entscheidung war ein Risiko", weiß auch Vinales. Rossi erklärt seinen Hintergedanken: "Ich wollte etwas riskieren. Die Linie war teilweise auch trocken und ich habe versucht, Temperatur in die Reifen zu bekommen. Leider war es immer noch zu nass, außerdem trocknete es nicht schnell genug auf. Es hätte zu viel Zeit gebraucht." Dadurch, dass er auf dem Soft langsamer fahren musste, kühlte dieser schneller ab und bescherte ihm einen großen Rückstand.

15 Sekunden fasste der Italiener auf die anderen elf Piloten aus, bis er sich entschied, das Experiment nach vier Runden abzubrechen. Er steckte auf Regenreifen (Medium-Soft) um und drehte zwei weitere Runden, doch mit einer Zeit von 1:57.786 Minuten blieb ihm nur der letzte, zwölfte Platz in Q2. In Q1 wäre Rossi damit auf Platz elf gelandet, was insgesamt nur Startplatz 21 bedeutet hätte.

"Ich denke nicht, dass eine 53er-Zeit möglich gewesen wäre", glaubt Rossi - auch wenn er zwei Versuche auf Regenreifen gefahren wäre. Der Start aus der vierten Reihe werde schwierig, befürchtet der Routinier. "Das Wichtigste wird aber sein, die Bedingungen zu verstehen. Wenn es sehr nass sein sollte, ist unsere Pace nicht ganz so schlecht. Bei weniger Wasser wird es hingegen schwieriger."

Einen Kommentar schreiben
Kommentare anzeigen
Über diesen Artikel
Rennserien MotoGP
Veranstaltung Motegi
Rennstrecke Twin Ring Motegi
Fahrer Valentino Rossi , Maverick Vinales
Teams Yamaha Factory Racing
Artikelsorte News
Tags motegi, motogp 2017, qualifying, valentino rossi, wm, yamaha