Von der 851 bis zur 1199: Die Geschichte der Ducati-Superbikes in der WSBK

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Von der 851 bis zur 1199: Die Geschichte der Ducati-Superbikes in der WSBK
Autor: Sebastian Fränzschky
28.12.2018, 12:08

31 Jahre lang hielt Ducati in der WSBK dem V2-Konzept die Treue: Wir blicken mit Ex-Projektleiter Ernesto Marinelli auf diese beeindruckende Ära zurück

Mit 17 Konstrukteurs- und 14 Fahrertiteln ist Ducati der mit Abstand erfolgreichste Hersteller der Superbike-WM-Geschichte. 31 Jahre lang setzte der italienische Hersteller auf den traditionellen V2-Motor im 90-Grad-Winkel, der von der 851-Ära zur eben zu Ende gegangenen 1199-Ära immer weiter perfektioniert wurde. Am Ende leistete Ducatis Twin mehr als 230 PS und stieß an die Grenzen des Machbaren. Wir blicken mit Ducatis ehemaligem Superbike-Projektleiter Ernesto Marinelli zurück auf die 2018 zu Ende gegangene V2-Ära.

Alles begann 1988 - der ersten Saison der Superbike-Weltmeisterschaft. Damals bescherte Fred Merkel Honda den ersten WSBK-Titel. Ducati-Pilot Marco Lucchinelli konnte mit der 851 aber bereits Rennen gewinnen. Zwei Jahre später feierte Ducati dank Raymond Roche den ersten WM-Titel. Doug Polen setzte 1991 und 1992 mit der 888 die Erfolgsserie fort.

In der Saison 1994 debütierte die legendäre 916 - das wohl wichtigste Superbike in Ducatis Firmengeschichte. Carl Fogarty gewann seinen ersten Titel und wiederholte diesen Erfolg in der Saison 1995. "Foggy" verließ 1996 sein Erfolgsteam und wechselte zu Erzfeind Honda, doch Ducati gewann trotzdem. Troy Corser bescherte der 916 den dritten Titel in Folge. Honda-Pilot John Kocinski beendete 1997 die Siegesserie der 916, doch Fogarty meldete sich 1998 zurück und bescherte der 916 einen weiteren Titel. Und auch 1999 triumphierte Fogarty mit Ducati.

Das Ende der Ära Carl Fogarty

Durch einen Sturz beim Rennwochenende in Australien wurde die Karriere des viermaligen Weltmeisters in der Saison 2000 abrupt beendet. Ducati musste einen Ersatz finden und ermöglichte Troy Bayliss den Aufstieg ins Werksteam. Honda-Pilot Colin Edwards holte in der Saison 2000 souverän den Titel, kein Ducati-Pilot schaffte es in die Top 5 der Meisterschaft.

 

Doch 2001 fand Ducati dank Bayliss zurück auf die Erfolgsspur und gewann mit der 916/996 den insgesamt sechsten Titel. In der darauffolgenden Saison wurden die Superbike-Fans Zeugen des wohl spannungsvollsten Finales der WSBK-Geschichte. Bayliss duellierte sich in Imola mit Edwards und unterlag nur knapp. Die Ära der 916/996/998 ging mit dem Vizetitel zu Ende, bevor Ducati die Fans mit dem neuen Modell irritierte.

In der Saison 2003 begann für Ducati eine neue Ära. Die Italiener präsentierte die 999, die bei den Traditionalisten nicht gut ankam. Im Vergleich zur bildhübschen 916 wirkte die 999 gewöhnungsbedürftig. Mit der unkonventionellen Front und dem Verzicht auf die Einarmschwinge der 916-Reihe ging die 999 als Flop in die Superbike-Geschichte von Ducati ein. Doch die sportlichen Erfolge geben dem 999-Konzept Recht.

Die WSBK wird 2003 zum Ducati-Cup

Nachdem die anderen Hersteller in die MotoGP abwanderten, dominierte Ducati die Superbike-WM nach Belieben. 2003 fuhr Neil Hodgson Siege in Serie ein und wurde vorzeitig Meister. James Toseland gewann ein Jahr später den Titel. Troy Bayliss bescherte Ducati nach seiner Rückkehr in die WSBK in der Saison 2006 den dritten Titel mit der 999.

 

Bayliss gelang 2008 in der Debütsaison der 1098 das Kunststück, mit einem weiteren Ducati-Superbike den WM-Titel sicherzustellen. Der Australier verabschiedete sich nach dem dritten Titelgewinn aus der Superbike-WM. Ducati kämpfte 2009 mit Noriyuki Haga erneut um die WM, musste sich schlussendlich aber Ben Spies geschlagen geben.

In der Saison 2011 gewann Ducati dank Carlos Checa einen weiteren WM-Titel. Es war die bisher letzte Saison in der WSBK-Geschichte, in der Ducati einen Fahrer- oder Herstellertitel feiern konnte. Das Kapitel Panigale, das in der Saison 2013 begann, ging 2018 ohne Titel zu Ende. Ab 2019 tritt Ducati mit dem neuen V4-Superbike an.

Ernesto Marinellis Erinnerungen an die Ducati-Superbikes

Ex-Ducati-Superbike-Projektleiter Ernesto Marinelli ist eng mit der WSBK-Geschichte des Herstellers aus Bologna verbunden. Bis Ende 2017 war Marinelli für Ducatis Superbike-Projekt verantwortlich. Im Gespräch mit 'Motorsport.com' spricht der Italiener über seine Zeit bei Ducati und die verschiedenen Epochen.

 

"Ich mag wirklich jede Ducati, mit der ich zusammenarbeitete. Ich begann 1995 mit der 916, einem der schönsten Motorräder", schwärmt Marinelli. "Es war das erste Motorrad, mit dem ich mich im Detail befasste. Die 999 war das erste Superbike, mit dem ich als Technischer Direktor arbeitete. Ich begleitete das Projekt von der Idee über die ersten Prototypen bis zum fertigen Motorrad. Es war ein besonderes Projekt für mich."

"Das Straßenmotorrad wurde wegen der Optik in Frage gestellt. Wenn ich ins Museum gehe und mir die 999 im Rennlook anschaue, dann gefällt sie mir nach wie vor sehr", berichtet Marinelli. "Wir haben damit viele Meisterschaften und Rennen gewonnen. Es war die erste Liebe und deshalb nach wie vor eine meiner Lieblingsmaschinen."

Der letzte Titel und die Hürden zu Beginn der Panigale-Ära

"Die 1198 war ein sehr emotionales Motorrad. Es war das letzte Jahr, in dem wir die Meisterschaft gewinnen konnten und zudem der Abschied von Bayliss. Er war zweifellos der beste Fahrer, mit dem ich zusammenarbeiten durfte. Ich verbinde sehr viele tolle Erlebnisse mit diesem Motorrad. Negativ im Gedächtnis blieben mir die Diskussionen bezüglich der Regeln, die kein Ende fanden", spielt er die Balance of Performance zwischen Zwei- und Vierzylindern an.

 

"Die Panigale ist das schönste Motorrad, das wir gebaut haben. Leider wurde es in einer Zeit gebaut, in der wir benachteiligt wurden", kritisiert Marinelli das Regelwerk der Saison 2013. "Es wurde alles unternommen, um uns einzubremsen. Trotzdem war sie sehr stark bei der Einführung. Ich freue mich, dass zuletzt regelmäßig Siege eingefahren werden konnten, obwohl die Serie sehr hart umkämpft ist."

Troy Bayliss bleibt besonders in Erinnerung

"Ich hatte mit allen Fahrern ein sehr gutes Verhältnis. Sicher teilte ich die intensivsten Momente mit Troy Bayliss", erinnert sich Marinelli. "Wir gewannen zusammen Meisterschaften, aber auch das MotoGP-Rennen in Valencia. Die Verbindung war sehr stark. Es sind Erinnerungen, die ich immer im Herzen tragen werde."

Troy Bayliss, Ducati

Troy Bayliss, Ducati

Foto: Alexander Trienitz

"Die erste Meisterschaft, die ich gewinnen konnte, war zusammen mit Hodgson 2003. Es war unglaublich. Die Meisterschaft mit James Toseland war noch direkter, denn ich war der Technische Direktor", blickt der langjährige Ducati-Mitarbeiter zurück.

Seit 2018 arbeitet Marinelli für Auspuffhersteller Termignoni. Nach vielen Jahren auf den Rennstrecken dieser Welt suchte der Superbike-Experte ein neues Betätigungsfeld. Er war maßgeblich beteiligt bei der Entwicklung der Auspuffanlage für die Panigale V4.

 

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