Lewis Hamilton: Monza war Sebastian Vettels größter mentaler Rückschlag

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Lewis Hamilton: Monza war Sebastian Vettels größter mentaler Rückschlag
Autor: Maria Reyer
31.10.2018, 19:25

Lewis Hamilton erklärt, dass die Psychologie im WM-Kampf 2018 eine zentrale Rolle gespielt hat und welche Rennen besonders ausschlaggebend waren für den Erfolg

"Das war eine unglaubliche Saison", fasst Lewis Hamilton zusammen. Der alte und neue Weltmeister hat es wieder geschafft. Wie 2017 fixiert er auch in diesem Jahr seine WM-Krone in Mexiko. Beim Rückblick auf die Höhen und Tiefen seiner fünften Weltmeisterschaftssaison analysiert er auch die schwachen Momente des Hauptrivalen. Besonders der Grand Prix von Italien ist ihm dabei in Erinnerung geblieben.

"Auf Fahrerseite war die mentale Verfassung der Schlüssel zum Erfolg", ist der Brite rückblickend überzeugt. "Ferrari war zu gewissen Zeiten im Jahr sehr stark, besonders in der ersten Saisonhälfte wussten wir nicht, wie das ausgehen würde." Schließlich trumpfte Sebastian Vettel gleich zu Saisonbeginn mit zwei Siegen auf. Hamilton musste hingegen bis zum Stadtrennen in Aserbaidschan auf seinen ersten Saisonsieg warten, den er nur mithilfe eines Reifenschadens von Teamkollegen Valtteri Bottas erbte.

"Insgesamt waren die besten Momente jene, in denen wir zurücklagen", überrascht der 33-Jährige. "Es war nicht großartig, aber als wir weiter und weiter zurückfielen, haben wir uns kollektiv zurückgekämpft und insgesamt einen besseren Job gemacht. Das hat in diesem Jahr den Unterschied ausgemacht - darauf kann das gesamte Team sehr stolz sein."

Hamilton betrieb "kontrolliertes Überfahren" zu Saisonbeginn

Ab dem Grand Prix von Deutschland, in dem Hamilton den Sieg vom verunfallten Vettel erbte, begann der Mercedes-Pilot das Schritttempo zu erhöhen. Er gewann sechs der folgenden neun Rennen und bewies damit Nervenstärke. In Panik sei er ob der Ferrari-Power nie verfallen. "In solchen Situationen passiert es ganz oft, dass man das Auto überfährt. Mit Erfahrung lernt man, dass man nicht übertreiben soll, sondern dass man es im Auto fast ein bisschen auf sich zukommen lassen muss", erklärt er.

Ferrari mag Vettel zwar zu Saisonbeginn das bessere Paket zur Verfügung gestellt haben, Hamilton hatte dennoch vollstes Vertrauen in seine Mannschaft - und in sich selbst. "Es gibt nur einen gewissen Teil, den man selbst dazu beitragen kann. Ich bin darin sehr gut, das Auto zu überfahren - aber nicht bis zu jenem Punkt, an dem es anfängt, nachteilig zu werden. Es ist kontrolliertes Überfahren." Das musste er besonders zu Saisonbeginn betreiben, damit er mit der roten Konkurrenz Schritt halten konnte.

Es folgten schließlich die ersten größeren Updates, auf Motor- und Chassis-Seite. Zunächst überraschte Mercedes mit der Verspätung beim Motor-Update in Frankreich, dann kam in Österreich ein umfangreiches Chassis-Update. In Belgien gab es außerdem einen Schlüsselmoment in La Source.

Hamilton dachte in Monza: "Scheiße, jetzt hast du es versemmelt"

"Dann kamen wir zur Saisonmitte und wir alle waren so voller Vorfreude auf das großartige Upgrade. Es war ein wirklich sehr umfangreiches Upgrade", schwärmt der Brite. "Das größte, das ich bislang erlebt habe." Mercedes brachte neue Motor-Ausbaustufen, aber auch Ferrari zündete die ersten Weiterentwicklungen. Den Wendepunkt sollte ausgerechnet das Heimspiel der Scuderia markieren.

"Im Qualifying wurde ich Dritter in Monza. Das war kein wirklicher psychologischer Rückschlag für uns. Wir hatten das Rennen davor schon verloren. Wir wussten, dass wir in Monza angreifen müssen. Wir hatten die Hoffnung, dass wir sie dort schlagen könnten", schildert er die Ausgangslage. "Vielleicht hätte ich mit einer perfekten Runde noch Zweiter werden können. Ich war frustriert - nein, eigentlich war ich angepisst auf mich selbst. Ich dachte mir: 'Scheiße, jetzt hast du so viel trainiert und dann versemmelst du es im Qualifying'", gibt der Weltmeister einen seltenen Einblick in seine Gefühlswelt.

Er grübelte daraufhin, wie aggressiv er seinen Start anlegen würde. "Das ist immer schwierig, man weiß nie, wie aggressiv man sein soll. Wenn man es zu weit treibt, dreht man sich, sorgt für einen Unfall oder ist plötzlich Letzter. Wenn man nicht aggressiv genug ist, dann kann man nicht vom Startplatz profitieren. Man weiß eben nie genau, was passieren wird. Das ist das Großartige am Rennfahren."

Eigener Fehler für Fahrer "ein schreckliches Gefühl"

Hamilton kam schließlich solide von seinem Startplatz weg und brachte sich in eine optimale Ausgangslage, um Vettel zu überholen - da sich die Ferraris am Start nicht abgesprochen hatten. In der Schikane folgte schließlich die Berührung der WM-Rivalen. Vettel drehte sich und musste sich am Ende des Feldes einreihen, während Hamilton seinen Teamkollegen Kimi Räikkönen jagen und dem Finnen schließlich die Führung abnehmen konnte. "Ich würde meinen, dass dieser Tag ihnen den größten psychologischen Stoß versetzt hat."

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Kollision: Sebastian Vettel, Ferrari SF71H. Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09

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"Sebastian hat mental wohl besonders daran zu kämpfen gehabt, da er einen persönlichen Fehler gemacht hat. Für einen Fahrer ist das schrecklich. Wenn das Team einen Fehler macht, ist das schmerzhaft, aber wenn du selbst einen machst, ist es einfach ein schreckliches Gefühl", spricht der Italien-Sieger aus Erfahrung. "Er hat sich das bestimmt zu Herzen genommen." Hockenheim und danach Monza seien Rückschläge für das gesamte Team gewesen, glaubt der Brite. Mercedes triumphierte schließlich auf feindlichem Gebiet.

"Wir sind nach diesem tollen Ergebnis aber nicht selbstgefällig geworden. Wir wussten, dass wir weiterhin abliefern mussten. Wir kamen dann nach Singapur, wo uns Ferrari normalerweise immer zerstört hat. Und was für ein Wochenende das war! Niemand hätte das vorhergesehen." Mercedes überraschte sich selbst und Hamilton kassierte weitere 25 Punkte beim Nachtrennen - erneut ein entscheidender Moment im Psychospiel.

"Wir hätten nicht vorhersehen können, dass wir in Hockenheim gewinnen, oder in Monza oder besonders in Singapur. Wir haben als Team einen tollen Job gemacht", freut sich der neunfache Saisonsieger. "Wie wir unsere Sessions gemanagt haben - ob wir früher rausfahren im Qualifying oder später, was die Ferraris immer gemacht haben und dann im Verkehr festgesteckt sind", schickt er noch eine kleine Spitze Richtung Konkurrenz. "All diese Dinge. Wir haben einander zugehört und es gemeinsam ausgeführt."

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