Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Lewis Hamilton

Warum Lewis Hamilton mit dem Frankreich-Grand-Prix 2022 in Le Castellet hochzufrieden sein und sich bei Mercedes wie ein Gewinner fühlen darf

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Lewis Hamilton

"Lasst uns weiter Druck machen!"

Das sagte Lewis Hamilton direkt nach dem Frankreich-Grand-Prix 2022 in Le Castellet in den Funk, mit energischer Stimme, voller Euphorie über das jüngste Mercedes-Ergebnis, das bisher beste in der aktuellen Formel-1-Saison. Und das ist etwas, das es bei den vergangenen Rennen in dieser Form noch nicht gegeben hat.

Liebe Leser,

Hamilton ist wieder da. Er war zwar nie weg, aber viele Beobachter hatten ihn nach den ersten Grands Prix des Jahres schon abgeschrieben. George Russell habe Hamilton entzaubert, hieß es oft. Und doch zeigt Hamilton bereits seit Wochen einen gegenteiligen Trend.

Nachdem er von Dschidda bis Baku jeweils das Teamduell im Rennen gegen Russell verloren hat, stellte er nun für den Zeitraum Montreal bis Le Castellet auf 4:0 zu seinen Gunsten, liegt im Direktvergleich nur noch mit 5:7 hinten, hat in dieser Zeit auch drei von vier Qualifyings für sich entschieden.

Ganz andere Emotionen bei Hamilton

Und jetzt der zweite Platz in Frankreich, das bisher beste Mercedes-Ergebnis in diesem Jahr, der vierte Podestplatz in Folge, mit beiden Silberpfeilen unter den Top 3. Vergessen sind da die Bilder, wie sich Hamilton vor wenigen Wochen aus dem Auto mühte, am Funk kaum ein Wort verlor über die Form des Fahrzeugs und teilweise ratlos wirkte.

Nach dem Rennen in Le Castellet strahlte Hamilton ganz andere Emotionen aus. Emotionen, die zeigen: Wer an der Leistungsfähigkeit des siebenmaligen Weltmeisters gezweifelt hat, der wird eines Besseren belehrt. Hamilton kann es noch immer und er kann es gut.

Lewis Hamilton bei der Zieldurchfahrt in Le Castellet im Mercedes W13

Lewis Hamilton bei der Zieldurchfahrt in Le Castellet im Mercedes W13

Foto: Mark Sutton / Motorsport Images

Vor allem aber dürfte er allmählich Lunte riechen, dass Mercedes die Kurve kriegt und wirklich den Anschluss schafft. Ja, im Qualifying fehlten rund neun Zehntel auf Ferrari und gut eine halbe Sekunde auf Red Bull. Aber im Rennen war der Speed des W13-Silberpfeils deutlich besser. Hamilton hielt mit Sergio Perez zumindest einen Red Bull auf Distanz. Immerhin.

Hamiltons Motivation schwankt

All das dürfte Hamilton nur noch weiter motivieren. Und was ein Hamilton in Hochform leisten kann, das haben wir über die Jahre immer wieder beobachtet.

Er hatte mitunter auch seine Schwächephasen. Dann, wenn das Auto nicht lief, damals bei McLaren oder in der aktuellen Saison bei Mercedes. Wo man sich fragte, wie es um seine Motivation bestellt ist, weil nach außen hin wenig Kampfgeist zu spüren war.

Jetzt ist das anders. Hamilton ist voll da und erzielt aktuell Ergebnisse, auf die er und Mercedes aufbauen können. Vielleicht auch, weil er inzwischen nicht mehr so viel experimentiert wie noch zu Beginn der Formel-1-Saison 2022.

Montreal als Wendepunkt in diesem Jahr?

Womöglich war der Kanada-Grand-Prix in Montreal hier der entscheidende Wendepunkt. Bis dahin hatte Hamilton die Hauptlast der Set-up-Spielchen bei Mercedes getragen, meist an seinem Auto alternative Abstimmungen und andere Teile ausprobiert.

Und nach dem Rennen sagte er frei heraus, wenn auch (ein bisschen) im Scherz: "Vielleicht kann George in der zweiten Saisonhälfte die Experimente bestreiten!" Denn Hamilton hatte für sich erkannt, wie sehr ihn diese Experimente an einem Wochenende einschränken, vor allem im Vergleich zu Russell, der ihn im Qualifying und vor allem im Rennen immer wieder ausstach.

Lewis Hamilton mit George Russell auf dem Podium in Frankreich

Lewis Hamilton mit George Russell auf dem Podium in Frankreich

Foto: Alastair Staley / Motorsport Images

War das also der Knackpunkt in seiner Saison? Gut möglich. Hamilton sprach nach Kanada davon, man könne aus dem Wochenende dort "vieles lernen und zukünftig besser umsetzen". Diesen Worten lässt er seither Taten folgen, ist konstanter unterwegs denn je in diesem Jahr.

Aus Hamilton spricht die Zuversicht

Das Rennen in Frankreich dürfte ihm einen weiteren Schub verpasst haben. Hamilton selbst spricht von einem "großartigen Tag" und davon, "diese positive Energie" mitnehmen zu wollen zum nächsten Rennen in Budapest.

Es sind ganz andere Töne als in der ersten Phase der Saison, als Hamilton unter dem Eindruck des schwierig zu fahrenden Mercedes W13 beinahe resignierend davon sprach, "jedes Wochenende ist eine Rettungsmission", wie zum Beispiel in Imola. Oder Monaco, wo er einräumte, dass die Situation an ihm nage.

Jetzt sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff: "Wir befinden uns auf dem richtigen Weg." Das gilt einerseits für Mercedes als Ganzes, aber auch für Hamilton als Einzelperson. Er war zwar nie weg, doch er ist jetzt wieder voll da.

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Und wer nach dem Rennen in Le Castellet nicht gut geschlafen hat? Das erfahrt ihr wie immer in der Schwesterkolumne von Chefredakteur Christian Nimmervoll auf Motorsport-Total.com. Hier klicken!

Euer
Stefan Ehlen

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