Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Max Verstappen

Warum Max Verstappen in jeglicher Hinsicht zufrieden sein darf und als der ganz große Sieger aus dem Steiermark-Grand-Prix hervorgegangen ist

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Max Verstappen

Liebe Leser,

ein Heimsieg auf dem Red-Bull-Ring bei Spielberg ist für das österreichische Red-Bull-Team natürlich das Größte. Umso mehr, weil es nun schon das dritte Mal war, dass der Rennstall von Dietrich Mateschitz auf seiner Rennstrecke gewonnen hat. Im Gegensatz zu 2018 und 2019 aber stößt Red Bull mit dem Grand-Prix-Erfolg in ganz neue Dimensionen vor.

Hier ein paar interessante Zahlen dazu:

Für Max Verstappen war es im achten Rennen bereits der vierte Sieg. Er hat bisher nie mehr als drei Grands Prix pro Saison für sich entschieden, fährt also seine erfolgreichste Saison in der Formel 1.

Und das tut er überaus konstant: Wann immer er ins Ziel kam, belegte Verstappen in diesem Jahr entweder P1 oder P2 und hätte wahrscheinlich auch in Baku gewonnen, wäre ihm dort in Führung liegend nicht der linke Hinterreifen eingegangen.

Verstappen hat jetzt erstmals überhaupt zwei Rennen in Folge für sich entschieden. Und im Gegenzug hat Mercedes zum ersten Mal seit Beginn der Turbo-Hybrid-Ära in der Saison 2014 in vier Rennen in Folge nicht gewonnen.

Spielberg war bereits der zweite Saisonlauf nach Monaco, in dem Verstappen vom Start bis ins Ziel alle Rennrunden angeführt hat. Er kommt nun schon auf 332 Runden an erster Stelle, fast drei Mal so viele wie Lewis Hamilton, der bei 122 steht. Und Verstappen führt natürlich auch in der Weltmeisterschaft, wo er jetzt 18 Punkte Vorsprung hat.

Max Verstappen bei der Zieldurchfahrt in Spielberg

Max Verstappen bei der Zieldurchfahrt in Spielberg

Foto: Glenn Dunbar / Motorsport Images

Die Zahlen sprechen eindeutig für Verstappen

All diese Zahlen zeigen: Die Red-Bull-Form ist echt, die Titelchance für Verstappen real. Er ist nicht mehr der "Abstauber" wie 2018 in Spielberg oder der Überraschungsmann wie 2019, als er am Red-Bull-Ring kurz vor Schluss noch an Charles Leclerc vorbeiging und gewann.

Nein, dieses Mal ist Verstappen wirklich am Drücker. Zum ersten Mal in seiner Formel-1-Karriere hat er mit dem RB16B ein Auto, das nicht unterlegen ist. Er ist damit nicht mehr der "Underdog", sondern der Favorit. Und er macht seine Sache bisher sehr gut.

Das jüngste Rennwochenende unterstreicht das: Mit 1:03.841 Minuten im Qualifying erzielte Verstappen die Poleposition, und das mit für Spielberg-Verhältnisse großen Vorsprung: 0,194 Sekunden.

Im Rennen hatte Verstappen seinen einzigen Gegner Hamilton von Anfang an ebenso klar im Griff. Schon nach nur einer Runde hatte sich Verstappen um gut eine Sekunde von Hamilton abgesetzt, danach wurde sein Vorsprung in der Tendenz immer größer. Seine nur eine Runde jüngeren Hard-Reifen brachte Verstappen nach dem einzigen Reigenwechsel ebenfalls besser über die Distanz.

Mercedes geschlagen: Helmut Marko und Max Verstappen auf dem Podium

Mercedes geschlagen: Helmut Marko und Max Verstappen auf dem Podium

Foto: Mark Sutton / Motorsport Images

Was auch weiterhin für Verstappen spricht

Am Ende steht die ausgebaute Führung in der Fahrerwertung, wo Verstappen weiter an der Spitze steht, jetzt mit 18 Punkten Vorsprung auf Hamilton. Er ist damit ganz klar der Mann der Stunde in der Formel 1. Und er dürfte in der Nacht zum Montag sehr gut geschlafen haben. Denn es gibt vieles, was dafürspricht, dass es 2021 so weitergeht für ihn.

Zum Beispiel: Mercedes hat die Entwicklung am W12 bereits eingestellt, konzentriert sich auf technischer Seite schon voll auf 2022. Und das spielt Verstappen und Red Bull in die Karten. Das sieht auch Hamilton so. Er meint: "Wenn wir nicht mehr entwickeln und das Auto auch nicht mehr verbessern, dann ist das eben das Ergebnis."

Außerdem verfügt Verstappen zum ersten Mal über einen echten "Flügelmann" im Team. Sergio Perez mag diese Rolle in Spielberg zwar nur bedingt erfüllt haben, stellt aber insgesamt eine größere Gefahr für die Red-Bull-Gegner dar als seine Vorgänger in diesem Cockpit. Auch das ist der Konkurrenz bewusst.

Es werde "wahrscheinlich schwieriger" für Mercedes, wenn Perez ebenfalls in Form sei, sagt Hamilton frei heraus. Und er hat Recht: Mit aktuell 96:86 Punkten im Vergleich zu Valtteri Bottas ist Perez die bessere Nummer zwei, und eine wichtige Stütze für Verstappen im Titelkampf.

Max Verstappen im Red Bull RB16B

Max Verstappen im Red Bull RB16B

Foto: Steven Tee / Motorsport Images

Bessere Titelchancen denn je für Verstappen

Und das bringt mich zum wichtigsten Punkt überhaupt: Bessere Chancen, mit Red Bull Formel-1-Weltmeister zu werden, hatte Verstappen noch nie. Denn der RB16B ist das vielleicht beste Auto im Feld und Mercedes hat den Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren. Jetzt muss Verstappen nur noch zeigen, dass er es auch unter zunehmendem WM-Druck umsetzen kann.

Nach dem Steiermark-Grand-Prix dürften er und sein Umfeld bei Red Bull aber bester Dinge sein. Der erste Triumph über Mercedes in der Turbo-Hybrid-Ära ist gestern nämlich ein großes Stück nähergerückt. Und das ist der Stoff, aus dem die Red-Bull-Titelträume sind.

Eine unruhige Nacht hat Verstappen nach dem Heimrennen in Spielberg also eher nicht verbracht.

Nicht verpassen: "Letzte Nacht" am Montag um 19 Uhr!

Sie denken ähnlich? Oder ganz anders? Dann lassen Sie uns darüber reden: Folgen Sie mir gerne auf Facebook und/oder Twitter, wo ich diese Kolumne – und weitere aktuelle und historische Themen aus der Formel 1 und dem Motorsport allgemein – gerne mit Ihnen diskutiere. Schreiben Sie mir!

Und nicht vergessen: Um 19:00 Uhr analysieren Christian Nimmervoll und ich auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de den Steiermark-Grand-Prix noch einmal ausführlich. Wir sprechen natürlich über unsere "Letzte-Nacht"-Kolumnen, aber auch über alles weitere, was dieses Formel-1-Rennen ausgemacht hat. Also: Gerne einschalten und live dabei sein – und wir beantworten auch gerne Ihre Fragen!

Ihr
Stefan Ehlen

geteilte inhalte
kommentare
Pierre Gasly: Trotz Kollision nicht sauer auf Charles Leclerc
Vorheriger Artikel

Pierre Gasly: Trotz Kollision nicht sauer auf Charles Leclerc

Nächster Artikel

Helmut Marko erstmals seit 2016 auf dem Podium: "War sehr emotional"

Helmut Marko erstmals seit 2016 auf dem Podium: "War sehr emotional"
Kommentare laden