Analyse: Wie eine Verwechslung Toyota in Le Mans zu Fall brachte

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Analyse: Wie eine Verwechslung Toyota in Le Mans zu Fall brachte
Autor:
Übersetzung: Petra Wiesmayer
20.06.2017, 10:49

Der Schaden, der den in Führung liegenden Toyota bei den 24 Stunden von Le Mans aus dem Rennen warf, wurde indirekt dadurch verursacht, dass Kamui Kobayashi einen LMP2-Fahrer mit einem Sportwart verwechselte.

Pascal Vasselon, Toyota Racing, Technikchef
#45 Algarve Pro Racing, Ligier JS P217 Gibson: Mark Patterson, Matt McMurry, Vincent Capillaire
Roman Rusinov, G-Drive Racing
#26 G-Drive Racing Oreca 07 Gibson: Roman Rusinov, Pierre Thiriet, Alex Lynn
#7 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin
#7 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin
Box des #7 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin
#7 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin
#7 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin
#7 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin
#7 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin
#7 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin
#7 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin
#7 Toyota Gazoo Racing Toyota TS050 Hybrid: Mike Conway, Kamui Kobayashi, Stéphane Sarrazin

Kobayashi hatte den #7 TS050 Hybrid, den er sich mit Mike Conway und Stephane Sarrazin teilte, am Donnerstag mit einer Rekordrunde auf die Pole-Position gefahren. Er führte das Rennen mit einem bequemen Vorsprung an, als er kurz nach Mitternacht, in der 10. Stunde des Rennens, mit einem Kupplungsproblem stehenblieb.

Es sickerte durch, dass die Kupplung während der Safety-Car-Phase überhitzt hatte, als Kobayashi gerade von Conway übernommen hatte und am Ende der Boxengasse an der roten Ampel stand und darauf wartete, dass das Feld hinter dem Safety-Car vorbeifuhr.

Als er glaubte, ein Sportwart habe ihn angewiesen, die Boxengasse zu verlassen, fuhr der Japaner los, wurde über Funk aber angewiesen, wieder anzuhalten. Dabei überforderte er die Kupplung seines TS050 Hybrid und läutete so das Ende des Autos in der 1. Rennrunde nach dem Safety-Car-Einsatz ein.

"Das führende Auto, die #7, hatte ein sehr überraschendes Problem", sagte Toyota-Technikchef Pascal Vasselon bei Eurosport. "Es hatte für die Schlange hinter dem Safety-Car angehalten, dann kam aber jemand, der wie ein Sportwart aussah und schickte es los."

"Die Ampel [am Ende der Boxengasse] war aber rot, also stoppten wir es wieder. Er startete und stoppte wieder 2 oder 3 Mal, was nicht geplant war, und so überhitzte er die Kupplung."

Der "Sportwart" wurde später als der LMP2-Fahrer Vincent Capillaire identifiziert, dessen Algarve Pro Racing Team die letzte Garage der Boxengasse belegte, in der Nähe des Punkts, an dem Kobayashi stand.

"Am Samstagabend während des Rennens wartete ich an meiner Box [mit meinem] Helm auf dem Kopf auf meine Ablösung", schrieb Capillaire auf Facebook.

"Ich wollte dem führenden Auto, das ein paar Meter vor meiner Box an der roten Ampel stand, meinen Zuspruch zeigen. Ich wurde von den Stewards für diese Geste bestraft und ich gebe zu, sie war unangebracht. Ich bereue das."

LMP2-Fahrer Roman Rusinov, dessen #26 G-Drive Racing LMP2 schon früh ausgefallen war, nachdem der Russe mit einem GTE-Porsche kollidiert war, sagte, er verstehe, dass Kobayashi verwirrt gewesen sei, da ihm etwas Ähnliches im Qualifying passiert sei.

"Ich war im Qualifying in einer ähnlichen Situation, als ich auf die Waage gerufen wurde", sagte Rusinov gegenüber Motorsport.com. "Die gesamte Prozedur läuft so ab: Du kommst rein, sie rollen dich in die technische Zone, dann rollen sie dich raus und du kannst wieder auf die Strecke fahren."

"Ich sah plötzlich, wie mir ein Streckenposten zuwinkte, also habe ich die technische Zone verlassen. Das war mein Fehler: Du kannst nicht losfahren, bevor du rausgerollt wirst. Ich bekam eine Verwarnung."

"Es ist sehr schwierig, in einer solchen Situation irgendetwas zu verstehen, denn da laufen eine Menge Leute um dich herum, während du mit sehr eingeschränkter Sicht im Auto sitzt, mit dem Ingenieur sprichst und so weiter. Wenn dir eine Hand zeigt, 'okay', dann fährst du einfach los."

"Mit Kobayashi war es das gleiche. Wenn du im Auto bist – egal ob auf der Strecke, in der Garage, in der Boxengasse – du handelst nach Instinkt", sagte Rusinov weiter.

"Wenn du an die Box fährst, ist da immer einer, der dir zeigt, wo du hin musst, wann du die Bremse loslässt und in welche Richtung du lenken musst. Das läuft unterbewusst ab. Du musst den Mensch nicht sehen, du siehst nur seine Hand oder sogar nur einen Handschuh. Das hast du verinnerlicht."

"In diesem Fall bei dem Toyota kam irgendwer in die Nähe des Autos und gestikulierte. Wäre ich im Auto gewesen, ich hätte gedacht, es sei ein Sportwart."

"Die Sicht im Auto ist sehr eingeschränkt. Deshalb stehst du vor der roten Ampel und jemand zeigt dir, wann du losfahren kannst. Du tust genau das, was er dir zeigt. Vielleicht ist die Ampel kaputt, woher solltest du das wissen?"

Vasselon sagte gegenüber der französischen L'Equipe, er hoffe, dass sich Capillaire bei Toyota dafür entschuldigen werde, dass er ihnen unter Umständen den Preis gekostet hat, der ihnen seit so langer Zeit verwehrt bleibt.

"Wir verstehen, dass es keine böse Absicht war, aber er hat überhaupt nicht über die Folgen seiner Geste nachgedacht", sagte Vasselon.

"Ich hoffe, dass er zumindest kommt und sich entschuldigt, was er bisher noch nicht getan hat."

Mit Informationen von Yaroslav Zarogets und Guillaume Nedelec

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