Warum die FIA Mercedes' DAS-System als legal einstuft

Mercedes hat mit seinem neuen Lenksystem heute die Blicke auf sich gezogen: Die FIA lässt DAS bislang durchgehen - Womit das in den Regeln begründet ist

Warum die FIA Mercedes' DAS-System als legal einstuft

Mercedes' neuer Techniktrick, das Lenksystem DAS, hat am zweiten Tag der Testfahrten in Barcelona für großen Wirbel gesorgt. Laut Technikchef James Allison weiß die FIA über den Kniff Bescheid, bei dem die Fahrer zu Beginn einer Gerade das Lenkrad an sich heranziehen, um die Stellung der Räder zu ändern. Somit ist davon auszugehen, dass der Verband das System als legal eingestuft hat.

Denn hätte die FIA Bedenken oder ein Veto eingelegt, dann hätte Mercedes das Projekt mutmaßlich nicht vorangetrieben, anstatt eine Disqualifikation in Australien zu riskieren. Bei diesem Thema geht es wohl um eine Grauzone, wo Aufhängungskomponenten aufhören und Lenkungskomponenten anfangen

Die Regeln sind eindeutig, dass Veränderungen an der Aufhängung nicht gestattet sind, wenn das Auto in Bewegung ist - das verbietet Artikel 10.2.3 des Technischen Reglements. Sollte die FIA die Veränderung des Spurwinkels dahingehend interpretieren, dass sie die Aufhängung verändert, dann wäre das System illegal.

Doch das ist nicht der Fall. Die FIA sieht im DAS-System ("Dual Axis Steering") einfach nur einen anderen Weg, die Vorderräder zu lenken. Denn bezüglich der Lenkung sind die Regelungen nicht so eng. In Artikel 10.4.1 steht lediglich: "Jegliches Lenksystem, das eine Neuausrichtung von mehr als zwei Rädern erlaubt, ist nicht gestattet."

 

Weil das System von Mercedes aber nur Auswirkungen auf die beiden Vorderräder besitzt, ist es mit den Regeln vereinbar. Zudem steht nirgendwo geschrieben, dass die Räder nur an einer Achse gedreht werden müssen oder dass die beiden Vorderräder den Winkel im gleichen Maß verändern müssen.

Das bedeutet, dass Mercedes den Winkel der Vorderreifen unabhängig voneinander verstellen kann, um die Spur zu verändern, weil nirgendwo steht, dass man es nicht kann.

Die einzige Einschränkung liegt darin, dass das DAS-System nicht durch "power-assisted means" betrieben werden darf - also nicht durch die Servolenkung. Denn die muss sich an folgende Regeln halten: "Kein solches System darf eine andere Funktion haben, als die körperliche Beanspruchung, das Auto zu lenken, zu reduzieren."

Mercedes F1 W11 steering

Mercedes F1 W11 steering

Foto: Giorgio Piola

Zudem muss das Lenksystem natürlich auch mit den Crashtest-Regularien übereinstimmen.

Die große Frage ist nun, ob die Gegner versuchen werden, das System schnell zu kopieren. Denn noch bewegt sich Mercedes in einem Graubereich. Erst die Rennkommissare können die Legalität des Systems bei einem Protest bewerten. Gut möglich, dass die Gegner daher bis Melbourne abwarten und dann eine offizielle Klärung herbeiführen.

In Zeiten, in denen die Teams ihre Ressourcen lieber schon früher auf 2021 verteilen, wäre eine Entwicklung eines eigenen DAS-Systems aber auf jeden Fall ein Störfaktor.

Mit Bildmaterial von LAT.

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