Juan Pablo Montoya triumphiert beim IndyCar-Saisonauftakt

Auf dem Stadtkurs in St. Petersburg (Florida) wiederholt Juan Pablo Montoya seinen Vorjahressieg – Simon Pagenaud Zweiter vor Ryan Hunter-Reay.

Genau wie vor zwölf Monaten, so fuhr Juan Pablo Montoya (Penske-Chevrolet) in den Straßen von St. Petersburg an der Westküste Floridas auch beim Auftaktrennen der IndyCar-Saison 2016 zum Sieg.

Simon Pagenaud machte auf Platz zwei einen Penske-Doppelerfolg perfekt. Ein möglicher Dreifacherfolg wurde erst verhindert, als Ryan Hunter-Reay (Andretti-Honda) drei Runden vor Schluss an Helio Castroneves vorbeiging und diesen auf den vierten Platz verdrängte.

Bildergalerie: IndyCar-Saisonauftakt 2016 in St. Petersburg

Basierend auf der angepassten Startaufstellung (Oriol Servia sprang im Cockpit des vierten Penske-Boliden für den kurzfristig erkrankten Polesitter Will Power ein und musste von ganz hinten starten) nahm Montoya das Rennen von Position drei in Angriff. Der von Position zwei neben Pagenaud gestartete Castroneves musste sich dem Vorjahressieger aus Kolumbien schon früh beugen.

Beim Restart nach der ersten Gelbphase (Runde 46) schnappte sich Montoya im engen Rad-an-Rad-Duell auch Pagenaud. Wenige Runden später wiederholte er das Manöver beim zweiten Restart gegen den ursprünglich auf einer abweichenden Boxenstoppstrategie fahrenden und dadurch in Führung liegenden Conor Daly (Coyne-Honda).

Rad-an-Rad-Duell im Penske-Team

Einmal an der Spitze, kontrollierte Montoya das Geschehen und ließ sich in der absoluten Schlussphase auch von einem lockeren Lenkrad nicht aus der Ruhe bringen. „Ich dachte, das Lenkrad wäre gebrochen. Es hing nur so herum, aber es war okay“, so Montoya in der Victory Lane mit einem Grinsen im Gesicht. Mit dem Sieg macht sich der amtierende Vize-Champion zum ersten „Wiederholungstäter“ in St. Petersburg seit Helio Castroneves in den Jahren 2006 und 2007 gewann.

Pagenaud, der seit dem Wechsel zu Penske im Winter 2014/2015 seinem fünften IndyCar-Sieg hinterherfährt, kam nach den 110 Runden, die von lediglich zwei Gelbphasen gekennzeichnet waren, mit 2,3 Sekunden Rückstand als Zweiter ins Ziel. Die Entscheidung im Penske-Duell um den Sieg brachte der Restart nach der ersten Gelbphase. Durch die Kurven 1 bis 3 fuhren Pagenaud und Montoya Seite an Seite, bis sich der Kolumbianer schließlich durchsetzte.

„Wir kämpfen hart gegeneinander, aber wir lassen uns auch Raum“, meinte Montoya mit Blick auf die Penske-Philosophie, die beim Saisonfinale 2015 in Sonoma noch gründlich schiefging und Montoya nach Kollision mit Teamkollege Will Power im letzten Moment den Titel kostete... In der Saison 2016 will es der Kolumbianer besser machen. „Wir sind hier, um alles zu gewinnen“, so Montoyas klare Ansage nach dem Sieg beim ersten der 16 Saisonrennen.

„Big One“ nach dem ersten Restart

Die aufsehenerregendste Szene des Rennens passierte wenige Sekunden nachdem Montoya Pagenaud im Rad-an-Rad-Duell beim ersten Restart niedergerungen hatte. Bei der Anfahrt zu Kurve 4 krachte Carlos Munoz (Andretti-Honda) ins Heck des Rahal-Honda von Graham Rahal und drehte diesen um. Rahals roter Bolide mit der Startnummer 15 versperrte den nachfolgenden Fahrern den Weg.

So mussten sich James Hinchcliffe und Mikhail Aleshin (beide Schmidt-Honda), Max Chilton und Charlie Kimball (beide Ganassi-Chevrolet), Sebastien Bourdais (KV-Chevrolet), Spencer Pigot (Rahal-Honda), Luca Filippi (Coyne-Honda), Marco Andretti (Andretti-Honda), Jack Hawksworth (Foyt-Honda) und Alexander Rossi (Andretti/Herta-Honda) im Stau von St. Pete anstellen.

Neben Rahal erwischte es bei der beinahe an einen „Big One“ der NASCAR erinnernden Szene Will Powers Ersatzfahrer Oriol Servia am nachhaltigsten. Der Spanier fuhr sich am Auto von Rahal den Frontflügel kaputt und kam schließlich mit einer Runde Rückstand nur auf Platz 18 ins Ziel.

Was Will Power betrifft, so gaben die IndyCar-Offiziellen während des Rennens bekannt, dass bei ihm nicht nur der von Penske angegebene Magen-Darm-Virus, sondern auch eine leichte Gehirnerschütterung diagnostiziert wurde. Die ersten Untersuchungen nach dem Trainingscrash am Freitag hatten diesbezüglich allerdings nichts ans Tageslicht gebracht. Vor seiner Rückkehr ins Penske-Cockpit muss sich der Australier einer weiteren Untersuchung unterziehen.

Conor Daly mischt die Penske-Truppe auf

Am untröstlichsten war nach dem Rennen aber weder Graham Rahal noch Oriol Servia noch der gar nicht angetretene Will Power. Diese zweifelhafte Ehre wurde Conor Daly zuteil. Bei seinem ersten Rennen als IndyCar-Vollzeitfahrer mischte der 24-Jährige mit dem Boliden des klassischen „Underdog“-Teams Dale Coyne Racing lange Zeit munter in der Spitzengruppe mit.

Die anfangs abweichende Boxenstoppstrategie entwickelte sich für Daly dank der ausgedehnten zweiten Gelbphase zum Glückstreffer. Plötzlich lag er inmitten der Penske-Piloten auf Podestkurs, doch in der 88. von 110 Runden machte die Verwicklung in eine Kollision zwischen Carlos Munoz und James Hinchcliffe den Traum zunichte. Daly war gezwungen, sich einen neuen Frontflügel abzuholen und wurde als 13. im Endergebnis unter Wert geschlagen. Hier geht's zum kompletten Rennergebnis.

Marco Andretti verdirbt sich Geburtstag selbst

Derweil verdarb sich Marco Andretti nicht nur das Rennen, sondern auch seinen 29. Geburtstag. Eine starke erste Runde sah ihn von Startplatz 14 in der angepassten Startaufstellung bis auf Platz sieben nach vorn kommen. Nach dem ersten Durchgang der Boxenstopps lag Andretti hinter den beiden Coyne-Teamkollegen Conor Daly und Luca Filippi sowie seinem eigenen Andretti-Teamkollegen Ryan Hunter-Reay weiterhin an siebter Stelle.

In der 41. von 110 Runden verließ Daly die Spitzengruppe zwecks Tankstopp, doch Filippi blieb zunächst noch draußen. Als Hunter-Reay in Kurve 1 der 46. Runde am Italiener vorbeizog, wollte Andretti dieselbe Lücke ebenfalls nutzen. Doch der Angriff des Sohnes von Teambesitzer Michael Andretti kam zu spät. Filippi hatte längst in die Kurve eingelenkt. Andretti verbog sich am weißen Coyne-Boliden das linke Vorderrad und vermieste sich damit seinen 29. Geburtstag selbst. Wenig später ging der Honda-Motor kurzzeitig aus. Mehr als Platz 15 war für Andretti nicht mehr zu holen.

Besser machten es Marco Andrettis Teamkollegen. Carlos Munoz bekam zwar für das Auslösen des „Big Ones“ eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt, kämpfte sich nach dieser aber noch bis auf Platz acht nach vorn. Alexander Rossi, der im Andretti/Herta-Honda ebenfalls im Stau stand, wurde bei seinem IndyCar-Debüt Zwölfter. Die Kohlen aus dem Andretti-Feuer holte Ryan Hunter-Reay mit Platz drei.

Hinter Helio Castroneves, der einen möglichen Podestplatz drei Runden vor Schluss im Duell mit Hunter-Reay verlor und Vierter wurde, machte Mikhail Aleshin die Top 5 komplett, obwohl auch er durch die Kollision Rahal/Munoz nachhaltig aufgehalten worden war.

Nichts zu lachen im Ganassi-Lager

Für das Vier-Wagen-Team von Chip Ganassi gab derweil gar nichts zu lachen. Sowohl Scott Dixon (7.) als auch Tony Kanaan (9.) mussten im Rennverlauf außerplanmäßige Boxenstopps unter Grün einlegen, weil die Chevy-Motoren zu überhitzen drohten. Charlie Kimball krachte in der letzten Runde in die Mauer, wurde aber noch als Zehnter gewertet. Rookie Max Chilton schloss sein IndyCar-Debüt auf Platz 17 ab.

19 der 22 gestarteten Piloten sahen die Zielflagge. Neben Kimball waren es Sebastien Bourdais und Josef Newgarden, die als Ausfälle notiert wurden. Newgarden musste seinen Carpenter-Chevy in der 48. Runde mit Elektrikdefekt abstellen. Bourdais setzte seinen KV-Chevy in der 88. Runde in die Streckenbegrenzung.

Das zweite von 16 Rennen der IndyCar-Saison 2016 steigt in drei Wochen in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf dem in den Kalender zurückgekehrten Ein-Meilen-Oval in Phoenix (Arizona).

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Über diesen Artikel
Rennserien IndyCar
Veranstaltung St. Petersburg
Rennstrecke St. Petersburg
Fahrer Juan Pablo Montoya , Ryan Hunter-Reay , Simon Pagenaud
Teams Team Penske
Artikelsorte Rennbericht