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Kolumne von Louis Delétraz: In Russland zu hoch gepokert

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Kolumne von Louis Delétraz: In Russland zu hoch gepokert
Louis Delétraz
Autor: Louis Delétraz
15.10.2018, 13:00

In seiner neuen Kolumne für Motorsport.com schreibt Louis Delétraz über das Rennwochenende der Formel 2 in Sotschi, wo ihn im Sprintrennen der Reifenpoker mit den Slicks ein mögliches Podest gekostet hat.

Louis Deletraz, Charouz Racing System
Lando Norris, Carlin, Dorian Boccolacci, MP Motorsport, Alexander Albon, DAMS, Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Roberto Merhi, Campos Racing, Alessio Lorandi, Trident, Louis Deletraz, Charouz Racing System, Nirei Fukuzumi, BWT Arden
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
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Louis Deletraz, Charouz Racing System,Nyck De Vries, PREMA Racing
Arjun Maini, Trident, Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System, Alessio Lorandi, Trident
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System, Roy Nissany, Campos Racing
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
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Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Lando Norris, Carlin And Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System
Louis Deletraz, Charouz Racing System

Geschätzte Leser,
Dieses erste Rennwochenende in Russland war für mich nicht gerade von Erfolg gekrönt, aber eines ist unbestreitbar: Es war unheimlich hektisch!

Der einzige Fehler an der Strecke in Sotschi

Sotschi war für mich eine neue Strecke. Sie ist vergleichbar mit einem Stadtkurs, hat allerdings deutlich grössere Auslaufzonen in den Kurven. Ich war angenehm überrascht, denn das Fahren machte grossen Spass und ich kann es kaum erwarten, zurückzukommen. Nach den Simulator-Sessions dachte ich, sie sei viel zu modern, und dass man die Strecke überall problemlos verlassen könne, doch in Realität befindet sich in jeder Kurve ein Streifen Astroturf, so dass man direkt bestraft wird, wenn man zu weit hinausfährt.

Die einzige Ausnahme ist Kurve 2, wo man unbedingt eine Lösung finden muss – da gibt es bloss Teer und farbige Linien als Streckenbegrenzung. Im Verlaufe der beiden Rennen gab es mindestens fünfzehn Piloten, die an dieser Stelle unheimlich spät bremsten und dann einfach die Kurve abkürzten. Man kann dabei eine Kollision vermeiden, und wenn man sich mitten im Feld befindet, ist das schlicht und einfach der schnellere Weg!

 

Die FIA und die Kommissare sagten uns, dass sie solche Vergehen strikte ahnden würden, doch im Endeffekt waren ihre Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar. Ich bekam im Hauptrennen eine 5-Sekunden-Strafe, weil ich gerade mal einen Meter über die Randsteine hinausgefahren war, aber bei anderen Fahrern, die die Kurve so stark abkürzten, dass sie dabei drei oder vier Plätze gutmachen konnten, gab es nicht mal eine Untersuchung.

Starke Abbau bei den Supersofts

Die Motorprobleme, die wir noch in Spa-Francorchamps und in Monza hatten, behelligten uns hier nicht, auch wenn ich im freien Training ein paar Zündaussetzer hatte. Das viel grössere Problem war allerdings das starke Untersteuern, das meine Vorderreifen zerstörte. Trotzdem waren wir fürs Qualifying optimistisch, doch weder mir noch meinem Teamkollegen Antonio Fuoco gelang der Sprung in die Top 10 – er qualifizierte sich auf P11, ich auf P14. 

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Für das Hauptrennen wählten wir die Strategie Supersoft/Soft, doch der massive Abbau der roten Reifen, den wir schon früher erlebt hatten, wiederholte sich im Rennen. Danach mussten wir die verlorene Zeit irgendwie wieder gutmachen. Nachdem ich zu Rennmitte auf dem absolut letzten Platz gelegen hatte, konnte ich mich in der Folge wieder nach vorne arbeiten. Am Schluss kämpfte ich gegen Roberto Merhi gar um den achten Platz, der gleichbedeutend mit der Pole Position im Sprintrennen ist, musste mich im Ziel aber um nicht mal drei Zehntelsekunden geschlagen geben.

 

Ich erfuhr erst nach der Zieldurchfahrt, dass Merhi eine Strafe kassiert hatte … und ich im Übrigen auch! Ich hatte bei der Boxeneinfahrt aus Versehen die weisse Linie überfahren und bekam dafür zehn Sekunden aufgebrummt – eine relativ hohe Strafe, aber so sind nun mal die Regeln. Die fünf Sekunden, die ich bereits zuvor kassiert hatte, verstehe ich hingegen noch immer nicht; für mich einmal mehr ein Zeichen für die mangelnde Konstanz der Kommissare. Wir werden das beim nächsten Fahrerbriefing besprechen müssen.

Am Sonntag zu hoch gepokert

Zu Beginn des Sprintrennens war die Strecke noch trocken und ich konnte meine Reifen sehr gut managen. Doch dann kamen die ersten Regentropfen – ich liebe diese Bedingungen: mit Slicks auf leicht feuchter Strecke! Ich konnte Roberto Merhi, Luca Ghiotto und Tadasuke Makino überholen, doch dann flogen Niko Kari und Jack Aitken ab und das virtuelle Safety Car wurde ausgerufen. 

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Es ist auch bei leichtem Regen durchaus möglich, auf Slicks zu fahren, so lange man spät und hart bremsen kann, so dass die Temperatur in den Reifen bleibt. Sobald man aber 50 oder 100 Meter früher bremsen muss, kühlen die Bremsen und die Reifen aus, und sie blockieren dauernd.

Als das Rennen wieder freigegeben wurde, realisierten wir, dass die Strecke bereits zu nass war, um auf Slicks zu bleiben, da die Reifen während der Neutralisation stark abgekühlt waren. Antonio hatte die Priorität bei der Strategie. Er hätte gerne auf Regenreifen gewechselt, doch er wurde vom Team gebeten, draussen zu bleiben, und ich musste mich dem anschliessen, da meine Reifen gar nicht bereit waren. 

 

In jeder Runde verlor ich rund zehn Sekunden gegenüber den Piloten auf Regenreifen. Der Regen blieb noch drei oder vier Runden, doch angesichts der verlorenen Zeit kam nun ein Wechsel auf Regenreifen nicht mehr in Frage. Wir hielten an unserer Strategie fest, auch wenn wir dadurch enorm viel Zeit verloren, vor allem in der endlos langen und enorm schnellen Kurve 3, wo ich alle fünf Meter das Heck verlor.

 

Am Ende kam ich als Dreizehnter ins Ziel, aber ich kann es dem Team nicht verübeln: Die Strategie ging nicht auf, doch wenn die Strecke genügend abgetrocknet wäre, hätten wir einen Doppelsieg holen können.

Sieg in Abu Dhabi als Ziel

Beim Saisonfinale in Abu Dhabi in zwei Monaten werden wir dieselben Pneus zur Verfügung haben – Supersoft und Soft. Wir müssen also bis dahin versuchen, die roten Reifen zu verstehen, mit denen wir das letzte Mal zu Beginn des Hauptrennens zehn oder zwölf Sekunden verloren.

Abu Dhabi ist für mich ein sehr wichtiges Rennwochenende, denn es ist das Heimrennen für meinen Hauptsponsor, also gilt das irgendwie auch für mich. Mit Jack Aitken kämpfe ich noch um den zehnten Platz in der Meisterschaft, und das muss mein Ziel sein – genau wie mein erster Sieg in der Formel 2. Mir bleiben noch zwei Rennen, um das zu erreichen!

A+

Louis Delétraz

 

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